Mängelliste

Lehrer beklagen Hygiene an Schulen

Alexander Schmidt ist Lehrer am Röntgen-Gymnasium. Der CDU-Mann traut den Aussagen der Stadtverwaltung nicht. Foto: Roland Keusch
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Alexander Schmidt ist Lehrer am Röntgen-Gymnasium. Der CDU-Mann traut den Aussagen der Stadtverwaltung nicht. 

Trockene Wasserhähne und verschmutzte Tastaturen: Stadt Remscheid soll an Schulen tätig werden.

  • Rögy-Lehrer fordert Desinfektionsmittel auf Schultoiletten.
  • Dezernent Thomas Neuhaus: "Seife hilft zuverlässig."
  • Das städtische Gebäudemanagement rät von Desinfektionsmitteln ab - Vandalismus befürchtet.

Von Axel Richter

Remscheid. Die von den Lehrern geführte Mängelliste ist lang. Sie reicht von Wasserhähnen, die trocken bleiben, über Handseife, die nicht vorhanden ist, bis hin zu Computertastaturen, die nicht gewischt werden. Und dann ist da die Forderung nach Desinfektionsmittel in Zeiten des Coronavirus. Alexander Schmidt, Lehrer am Röntgen-Gymnasium, und für die CDU Mitglied des Schulausschusses, will es auf den Schultoiletten sehen und traut den Aussagen der Stadtverwaltung Remscheid nicht. „Wenn Desinfektionsmittel im Kampf um die Gesundheit von Schülern und Lehrern nichts bringt, dann schaffen Sie es doch auch im Rathaus ab“, fordert er. Dort hängen die Hygienespender schließlich in jedem Toilettenbereich.

Tatsächlich ist es um die Handhygiene an mancher Remscheider Bildungseinrichtung weitaus schlechter bestellt. Ein ungutes Beispiel dafür lieferte Schulleiterin Elke Simon in der jüngsten Sitzung des städtischen Schulausschusses.

„Rettungskräfte haben auf ihren Fahrzeugen kein Waschbecken.“
Thomas Neuhaus, Gesundheitsdezernent

Simon führt die Hauptschule Hackenberg, die in der Wilhelmstraße eine Dependance unterhält. Dort scheiterten jetzt Schülerinnen bei dem Versuch, sich auf der Toilette die Hände zu waschen, weil der Wasserhahn trocken blieb. Stattdessen griffen sie zu einem Reinigungsmittel, das sie für Handdesinfektion hielten. Es handelte sich um eine Chemikalie, die für die Schultoilette bestimmt und am Waschbecken stehen geblieben war. „Da ist man sprachlos“, sagt Elke Simon.

Remscheid: Seife und Papierhandtücher in großen Mengen unterwegs

Thomas Neuhaus, Schul- und Gesundheitsdezernent der Stadt Remscheid und zugleich Leiter des Corona-Krisenstabs, verspricht Abhilfe. „Ich möchte nicht, dass irgendwo keine Seife ist. Und ich möchte nicht, dass Wasserhähne nicht funktionieren.“ Kritik an den Maßnahmen der Stadt Remscheid zurInfektionsvorbeugung weist er aber zurück. In großen Mengen sei Seife zu den Schulen unterwegs, Papierhandtücher ebenfalls, Desinfektionsmittel dagegen nicht. Dazu verteilt die Stadt 2000 Plakate und Aufkleber. Darauf weist sie auf das richtige Händewaschen hin.

Damit sei dem Coronavirus wie übrigens auch jedem Grippevirus sehr gut beizukommen. „Seife hilft zuverlässig“, erklärte Neuhaus. Und: „Wir müssen davon ausgehen, dass Feuerwehrkräfte und Krankenschwestern die nur noch schwer zu bekommenden Desinfektionsmittel dringender brauchen. Die Rettungskräfte haben in ihren Fahrzeugen kein Waschbecken.“

WiR: Zustand mancher Toilette in Remscheid liegt auch am Vandalismus

Das städtische Gebäudemanagement rät noch aus einem anderen Grund von Desinfektionsmitteln an Schulen ab. Sie enthalten Alkohol, was Jugendliche dazu verleitete, die Spender in Brand zu setzen. Dass die Zustände auf manchem Schulklo nicht selten die Folge von Vandalismus sind, darauf wies im Ausschuss Waltraud Bodenstedt (Wählergemeinschaft WiR) hin. „Wenn auf den WCs keine Papierhandtücher zu finden sind, stecken sie möglicherweise in den Toiletten, um alles unter Wasser zu setzen.“

Darum kümmern muss sich die Stadt Remscheid beziehungsweise die von ihr bezahlten Handwerker und Reinigungskräfte. Auf Wunsch aus der Alexander-von-Humboldt-Realschule sollen sich Letztere demnächst auch Computertastaturen und Mäusen annehmen. Die Geräte, an denen die Schüler arbeiten, seien regelmäßig verschmutzt. Die Stadt möge deshalb darauf hinwirken, dass sie der Hygiene wegen auf den Reinigungsplan genommen werden, erklärte Lehrer Bernd Schaub (FDP). „Wir haben es da ja mittlerweile mit massiven Geräteparks zu tun.“

Studienrat Alexander Schmidt treibt die Hygiene an Schulen um – vor allem in der jetzigen Situation. Erkältung, Grippe und weit schlimmere Viruserkrankungen könnten auch in Remscheid um sich greifen – und machten dabei auch vor Schulen nicht halt. 

Coronavirus: Die Behörden mahnen zur Ruhe. Im Ernstfall sei Remscheid gerüstet. Die Stadt rät:So schützen Sie sich vor SARS-CoV-2

In Remscheid geht das soziale Leben weiter. Während in anderen Städten Städten Veranstaltungen abgesagt würden, finden sie in Remscheid statt. Nach wie vor gibt es in Remscheid keinen bestätigten Coronavirus-Fall.

PLAKAT-AKTION

VORBEUGUNG Die Stadt hat 2000 Plakate und 2500 Aufkleber produzieren lassen, um die wichtigsten Hygienemaßnahmen, die vor dem Coronavirus schützen, publik zu machen. Wer mag, kann der Stadt bei der Verbreitung helfen.

oberbuergermeister@ remscheid.de

STANDPUNKT

axel.richter@ rga-online.de

Ein Kommentar von Axel Richter

In diesen Tagen reden alle vom Händewaschen, um die Verbreitung von Viren zu verhindern. Da ist es schon beinahe ein Treppenwitz der Geschichte, dass die Stadt Düsseldorf gerade jetzt die Waschbecken aus den Klassenzimmern verbannen will. So weit sind wir in Remscheid nicht. Dass Schülerinnen auf der Toilette der Hauptschul-Dependance Wilhelmstraße vor einem trockenen Wasserhahn stehen, während ihnen die Stadt per Plakat und Aufkleber die Bedeutung der Handhygiene nahelegt, ist allerdings nicht viel besser. Hier muss dringend der Klempner ran. 

In einem anderen Fall darf dagegen ein bisschen mehr Eigenverantwortung erwartet werden. Es braucht keinen Reinigungsdienst, um die Tastaturen von Computern sauber zu halten. Dafür braucht es nur eine Packung Hygienetücher, die der Lehrer seinen Schülern in die Hände drückt. Auch das ist eine pädagogische Maßnahme. Später müssen sie auch selbst ihre Sachen in Ordnung halten.

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