Handel

Der Innenstadt droht ein Engpass bei den Supermärkten

Macht der Real zu, ehe der Penny öffnet, bleiben nur der Wochenmarkt (Foto) und der Alem Supermarkt in der Blumenstraße, um in der City Lebensmittel zu kaufen. Archivfoto: mis
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Macht der Real zu, ehe der Penny öffnet, bleiben nur der Wochenmarkt (Foto) und der Alem Supermarkt in der Blumenstraße, um in der City Lebensmittel zu kaufen.

Lebensmittelversorgung: Der Real macht früher zu, der Penny noch nicht auf.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Der Remscheider City droht eine Versorgungsengpass bei Lebensmitteln. Nachdem der Real im Allee-Center angekündigt hat, bereits zum 31. Oktober zu schließen, und die Umbauarbeiten für den geplanten Penny auf der Alleestraße noch nicht begonnen haben, steht der Innenstadt eine Phase bevor, in der es für viele Menschen, vor allem ohne Auto, schwer werden dürfte, ihre alltäglichen Einkäufe zu erledigen.

Zeitweise könnte es dazu kommen, dass im direkten Innenstadtbereich nur der Alem Supermarkt in der Blumenstraße und der zweimal wöchentlich stattfindende Wochenmarkt auf dem Rathausplatz übrig bleiben. Bis zum Aldi in der Kirchhofstraße, zum Kaufland an der Presover Straße und dem Rewe samt Netto an der Schüttendelle sind es dann schon ein paar Meter mehr.

Dass der Real nun früher schließt als gedacht, verschärft die Situation noch einmal. Bislang war ein Ende des Marktes zum Jahreswechsel angekündigt, seit einigen Tagen weisen Schilder im Geschäft jedoch auf den 31. Oktober als letzten Verkaufstag hin. Das kam offensichtlich selbst für das Allee-Center als Vermieter überraschend. „Auch wir haben lediglich die für alle Kunden sichtbare Kommunikation wahrgenommen, dass der Markt zum 31. Oktober schließen wird“, teilt Alexander Crüsemann, Regionaldirektor West beim Betreiber ECE, auf RGA-Anfrage mit. Man befinde sich aber im Gespräch mit Real, um die weitere Vorgehensweise abzustimmen.

Die Supermarktkette, die im Juni an den russischen Finanzinvestor SCP verkauft wurde, spricht jedoch von „Aufräum- und Rückbauarbeiten“, die noch zu erledigen seien: „Daher liegt der letzte Verkaufstag vor dem eigentlichen Schließungsdatum.“

Auch die Stadtspitze hat hier längst Handlungsbedarf ausgemacht: „Selbstverständlich befinden wir uns in Gesprächen mit dem Allee-Center. Und selbstverständlich werben wir bei Anbietern dafür, sich in Remscheid anzusiedeln“, sagt Baudezernent Peter Heinze, in dessen Bereich auch die Stadtentwicklung fällt.

Dass sich auf der Real-Fläche im Erdgeschoss des Centers wieder ein Lebensmittel-Händler ansiedeln wird, steht für Heinze außer Frage: „Das brennt auch dem Allee-Center unter den Nägeln, schon aus wirtschaftlichen Gründen.“ Wer das sein und wann eröffnet wird, stehe aber noch nicht fest. „Wir wissen aber, dass da vielversprechende Gespräche laufen.“

Da jeder neuer Mieter die Flächen erst umbauen muss, ist die schnellste Lösung vermutlich der geplante Penny neben dem Modehaus Adler auf der oberen Alleestraße. Bereits im Januar hatte die zum Kölner Rewe-Konzern gehörende Discounter-Kette das Vorhaben angekündigt, noch fehlt aber die Baugenehmigung für den Umbau.

„Der Bauantrag ist in Bearbeitung“, sagt Baudezernent Heinze. „Es gibt aber noch weitere Sachen, die vom Bauherr zu lösen sind.“ Unter anderem seien die Fragen der Rettungswege und zum Brandschutzkonzept noch zu klären. „Aber die wesentlichen Punkte sind bereits abgearbeitet.“

Entwarnung gibt Heinze zudem zum Aldi in der Kirchhofstraße, der im Gegensatz zu den meisten anderen Geschäften der Kette Aldi-Nord noch nicht modernisiert wurde. Oftmals ein Zeichen dafür, dass dem Standort die Aufgabe droht. Doch das sei hier nicht zu erwarten, sagt Peter Heinze: „Der Markt läuft aus unserer Sicht sehr gut und wird auch viel von Kunden zu Fuß frequentiert.“ 

Im Interview mit Bezirksbürgermeister Otto Mähler (SPD) sagte dieser, dass die Alleestraße mehr Macher braucht.

Standpunkt

sven.schlickowey@rga-online.de

Ein Kommentar von Sven Schlickowey

Die Innenstadt einer Großstadt ohne adäquate Lebensmittelmärkte? Eigentlich unvorstellbar! Aber in Remscheid bald Realität. Man könnte sich fragen, wer da einen Fehler gemacht hat. Aber die Antwort lautet vermutlich: keiner. Es kommt einfach nur viel zusammen. Der Netto aus der Daniel-Schürmann-Straße folgte einst dem Trend zu Neubauten auf der sprichwörtlichen grünen Wiese, Penny entschloss sich so spät, diese Lücke zu füllen, dass das Baugenehmigungsverfahren mutmaßlich noch laufen dürfte, wenn der Real schon zu hat. Und wäre dereinst ein Rewe oder ein Edeka in das Untergeschoss des Allee-Centers gezogen, gäbe es das ganze Problem ohnehin nicht. Dass Remscheid grundsätzlich in der Lage ist, solche Versorgungslücken gemeinsam zu schließen, zeigt das Beispiel Kino, das ja sogar im letzten Oberbürgermeister-Wahlkampf eine gewichtige Rolle spielte. 

Allerdings wäre es für viele Menschen fatal, wenn die Stadt so lange auf einen neuen Supermarkt in der City warten müsste wie damals auf das Kino am Hauptbahnhof.

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