Corona-Schutz nimmt langsam Konturen an

Impfung: Über 80-Jährige erhalten Post

Impfdosen werden vorbereitet: Ab Februar sollen sie auch im Impfzentrum in der Halle West zum Einsatz kommen. Symbolfoto: Christian Beier
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Impfdosen werden vorbereitet: Ab Februar sollen sie auch im Impfzentrum in der Halle West zum Einsatz kommen.

Das Zentrum in der Halle West soll im Februar öffnen.

Von Andreas Weber

Remscheid. Von der Hotline Tel. 116 117 der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein hätte sich Bernhard Schmitz eine Auskunft gewünscht. Der 57-Jährige zählt zu den vielen Remscheidern, die auf eine schnelle Corona-Impfung hoffen. „Ich hatte am 28. Dezember dort angerufen und war gebeten worden, es noch mal am 4. Januar zu versuchen. Eine nette Frau am Apparat eröffnete mir dann, dass noch keine Termine vergeben werden.“ Schmitz ärgerte sich darüber und beschwerte sich telefonisch bei Land und Bund. Gehör fand er in Düsseldorf und Berlin nicht.

Bernhard Schmitz, der aufgrund zahlreicher Vorerkrankungen Risikopatient ist und zudem seine über 85 Jahre alten Eltern pflegt, wirft den zuständigen Ministerien „Dilettantismus“ bei der Impfstrategie vor. „Ehrlich gesagt fehlen mir die Argumente, warum wir nicht genug Impfstoff haben. In anderen Ländern funktioniert das doch auch.“

In einem Kritikpunkt gibt Krisenstabsleiter Thomas Neuhaus dem RGA-Leser Recht. Denn Bernhard Schmitz moniert, dass die Tel. 116 117 überlastet gewesen sei. „Daran muss gearbeitet werden, dass die Leitung nicht wie anfangs oft zusammenbricht, genug Kapazitäten zur Verfügung stehen“, fordert Neuhaus.

„Zurzeit impfen wir Wenige mit wenig Impfstoff bei einem hohen Aufwand.“
Guido Eul-Jordan, Impf-Einsatzleiter

Ansonsten aber sind der KV momentan die Hände gebunden. Auf ihrer Homepage bittet sie darum, von Anrufen für Terminwünsche abzusehen. „Sie werden über den Start der Terminvergabe informiert. Nach der Vereinbarung über die Tel. 116 117 erhalten die Impfberechtigten Post mit Terminbestätigung und weiteren Unterlagen, die zum Impftermin mitzubringen sind.“

Momentan steht fest: Es geht voran, wenngleich nur langsam. Das liegt am noch nicht ausreichend vorhandenen Impfstoff. „Zurzeit impfen wir Wenige mit wenig Impfstoff bei hohem Aufwand“, erklärt Remscheids Impf-Einsatzleiter Guido Eul-Jordan.

Massenimpfung läuft unter seiner Regie an: Guido Eul-Jordan.

Wenn es demnächst weitere Zulassungen über das tiefgekühlte Corona-Vakzin von Biontech/Pfizer hinaus geben wird, zum Beispiel den von der Firma Moderna, soll der Massenschutz Fahrt aufnehmen. Geimpft wird nach drei Wichtigkeitsstufen.

Höchste Priorität: Personen, die das 80. Lebensjahr vollendet haben; Bewohner von Senioren- und Pflegeheimen und deren Betreuungspersonal; medizinische Einrichtungen, vor allem Personal, die hohem Risiko im Zusammenhang mit Corona ausgesetzt sind. In Remscheid sind dies die Kliniken Sana, Fabricius und Tannenhof.

Hohe Priorität: Personen, die das 70. Lebensjahr vollendet haben, verbunden mit Personen mit schweren Krankheitsverläufen in Trisomie 21, Demenz, geistiger Behinderung, nach Organtransplantationen, Schwangere; dazu Personen in Obdachlosen- oder Asylbewerberunterkünften sowie Personen, die im öffentlichen Gesundheitsdienst tätig sind.

Erhöhte Priorität: Personen, die das 60. Lebensjahr vollendet haben; Personen mit erhöhten Risiken durch (zum Beispiel) Adipositas, Krebserkrankung, chronische Nieren- oder Lebererkrankung; Lehrer, Erzieher, Angestellte im Einzelhandel oder in Einrichtungen/Unternehmen der kritischen Infrastruktur (unter anderem Apotheken, Pharmaindustrie, Wasser- und Energieversorgung, Transport- und Verkehrswesen).

Seit 27. Dezember läuft in Remscheid Phase 1. Begonnen wurde mit Senioren- und Pflegeheimen. Die Stadt hat das bislang zur Verfügung gestellte Kontingent von 1025 Dosen am 27., 30. und 31. Dezember verimpft. Die Zweitdosis wird am 17., 20. und 21. Januar verabreicht. Ungefähr ein Drittel ist damit bei dieser Klientel in Remscheid zur Zeit abgedeckt. Wann es weiter geht, ist offen, mutmaßlich noch im Januar. Guido Eul-Jordan betont: „Die Lage ist dynamisch. Es ist für uns ein ständiger Lernprozess.“

Wenn die Heime durch die mobilen Impfteams abgedeckt worden sind, werden die Krankenhäuser Sana, Fabricius und Tannenhof an der Reihe sein, die sich die Dosis in ihren Häusern in Eigenregie verabreichen werden. Das Impfzentrum in der Sporthalle West ist startklar und wird wohl, wie vom Land avisiert, im Februar seine Tür öffnen - wenn ausreichend Impfstoff geliefert wird. Die Ersten, die einen Termin für die drei Impfstraßen in Reinshagen abmachen können, werden mobile Über-80-Jährige sein. Ab dem 18. Januar sollen sie, so will es das Land, angeschrieben werden, dass es losgeht, um unter Tel. 116 117 die Termine für die Verabreichung ihrer beiden Impfdosen zu machen. Wie die Schreiben verfasst werden, darüber berät heute der Krisenstab.

Es wird wohl Sommer werden, schätzt Guido Eul-Jordan, bis der Rest der Bevölkerung über leichter handelbare Impfstoffe als der von Biontech schließlich von den Hausärzten geimpft werden. 

Zu empfindlich

Wer seine Wohnung nicht verlassen und ins Impfzentrum kann, muss Geduld haben. Der Impfstoff von Biontech ist so empfindlich, dass er nicht von Haus zu Haus transportiert werden kann. Absehbar ist, dass bald Impfstoffe zugelassen werden, die Zuhause eingesetzt werden können.

Aktuelle Informationen zur Corona-Situation in Remscheid erhalten Sie in unserem Corona-Blog.

Standpunkt: Noch fehlt das Vertrauen

Von Andreas Weber

Der Start in die Massenimpfungen gegen das Coronavirus ist gründlich misslungen. Nachdem es im Dezember ungeheuer fix gehen musste mit dem Aufbau der 440 Impfzentren bundesweit, stehen diese erst mal leer. Erwartungen wurden geweckt, die nicht erfüllt werden konnten. Das schürt Unsicherheiten, baut kein Vertrauen auf.

andreas.weber@rga-online.de

Ausreichend Impfstoff soll vom Bund bestellt sein, gleichwohl hält die viel zu geringe Produktionskapazität des momentan einzigen Anbieters dem Versprechen nicht stand. In der Priorisierungsstufe 1 passierte in Remscheid deshalb nicht viel. Der Krisenstab ist angewiesen auf die Rationen, die dieser Stadt zugewiesen werden und muss darauf bauen, dass der Markt, auch nach der Zulassung weiterer Impfstoffe, der gigantischen Dimension der Impfkampagne gerecht wird. 

So viel steht fest: An Personal, Strukturen und Einsatz mangelt es hier vor Ort nicht. Allein am ersten Tag eines internen Aufrufes durch den Oberbürgermeister meldeten sich 60 Mitarbeiter der Stadtverwaltung, um bei der täglichen Organisation der drei Impfstraßen in der Halle West mitzuhelfen, wenn diese einmal auf Hochtouren laufen.

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