Neue Besuchsregel für Altenheime

Hinein auch ohne Corona-Test — Einrichtungen reagieren empört

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Das Haus Lennep ist das Zuhause von 112 betagten Menschen. 

19 Menschen sind im Haus Lennep gestorben – Gesundheitsminister überrascht mit neuer Besuchsregel für Altenheime.

Von Axel Richter

Remscheid. 19 Menschen sind seit dem Corona-Ausbruch Anfang Dezember im Haus Lennep am beziehungsweise mit dem Virus verstorben. Wer das Altenheim betreten möchte, muss sich deshalb einem Schnelltest unterziehen. Das gilt für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Dienstbeginn und das gilt für jeden Besucher. Doch jetzt überraschte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) mit einer neuen Allgemeinverfügung. Danach darf ab sofort jeder die Heime betreten. Auch, wer den Schnelltest am Eingang ablehnt.

Die Einrichtungen reagieren empört auf die Ansage aus Düsseldorf. Allen voran das Haus Lennep: „Wir haben kein Verständnis dafür, dass Menschen mit einer individuellen Entscheidung die erforderlichen Sicherheitskonzepte ablehnen und bei notwendigen Schutzmaßnahmen die Mitwirkung verweigern können“, erklärt Renate Zanjani, Sprecherin der Bergischen Diakonie Aprath: „Diese Weigerung gefährdet Bewohnerinnen und Bewohner und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an ihrem Lebens- und Arbeitsort in unverantwortlicher Weise.“

Doch die Allgemeinverfügung ist für die Heime verpflichtend. Darin heißt es: „Einrichtungen sollen den Besuchern einen PoC-Test (Schnelltest, d. Red.) anbieten und empfehlen. Eine Testpflicht besteht nicht.“ Und: „Eine Ablehnung des Tests darf nicht zu einem Besuchsverbot führen.“

„Das heißt im Klartext, ich sage nö und darf trotzdem rein“, erklärt Thomas Neuhaus, Gesundheitsdezernent und Leiter des Remscheider Corona-Krisenstabes und kommentiert die Regelung so: „Da fasst man sich doch an den Kopf.“

Tatsächlich rechnen die Krisenstäbe nach einem Corona-Ausbruch in einem Alten- und Pflegeheim mit einer Sterberate von 10 bis 20 Prozent. „Da muss man doch alles tun, um das Virus draußen zu halten“, sagt Neuhaus. Deshalb wandte er sich am Mittwoch an alle Heime in Remscheid und forderte sie dazu auf, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Menschen, die sich nicht testen lassen wollen, den Zutritt zu verweigern. „Und zwar zunächst einmal unabhängig davon, ob das rechtlich haltbar ist.“

Mit dem Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste wandte sich unterdessen auch der Städtetag an die Landesregierung mit der Bitte, die umstrittene Allgemeinverfügung noch vor Weihnachten wieder zurückzunehmen. Schließlich hatte die Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten am 13. Dezember anderes beschlossen, dass nämlich eine Testverweigerung automatisch zu einem Zutrittsverbot führt.

In unserem Live-Blog finden Sie alle Informationen rund um das Coronavirus in Remscheid. Der Blog wird laufend aktualisiert.

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