Erinnerung an einen Remscheider Widerstandskämpfer

Hermann Kaiser war als Hintermann am Hitler-Attentat beteiligt

Am 23. Januar 1945 hingerichtet: Widerstandskämpfer Hermann Kaiser (links). Foto: Stadtarchiv Wiesbaden, Digitales Multimediaarchiv, Foto-Nr. 005860
+
Am 23. Januar 1945 hingerichtet: Widerstandskämpfer Hermann Kaiser (links). 

Vor 75 Jahren wurde der Widerstandskämpfer Hermann Kaiser in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

  • Der in Remscheid geborene Hermann Kaiser studierte Mathematik, Physik, Geschichte und Kunstgeschichte.
  • 1939 wurde er Mitglied der NSDAP.
  • 1945 wurde er in der Strafanstalt Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Von Armin Breidenbach

Remscheid. Obwohl Hermann Kaisers Familie 1886 nach Wiesbaden und später nach Kassel übersiedelte, blieb die Verbindung zu seiner Geburtsstadt Remscheid erhalten, wie der niederländische Historiker Ger van Roon in einem 1976 veröffentlichten Beitrag über Hermann Kaiser feststellte. In Halle und Göttingen studierte Kaiser Mathematik, Physik, Geschichte und Kunstgeschichte.

Nach Abschluss seines Studiums diente er zunächst als „Einjähriger“ beim Feldartillerieregiment Nr. 11 in Kassel und war anschließend für kurze Zeit als Lehrer tätig, bevor er 1914 als Offiziersanwärter an der Westfront eingesetzt wurde. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs arbeitete Kaiser in Wiesbaden wieder als Lehrer. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 wurde Kaiser, der mittlerweile Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) geworden war, als Reserveoffizier zur Wehrmacht einberufen.

Hermann Kaiser genoss Vertrauen führender Widerstandskämpfer

Im Juni 1940 wurde er zum Oberkommando des Heeres versetzt, wo er dem Stab des Chefs der Heeresrüstung und Befehlshaber des Ersatzheeres angehörte. Hermann Kaiser, der sich während des Zweiten Weltkriegs immer öfter aktiv an Beratungen zum Sturz des NS-Regimes beteiligte, wurde später von der Gestapo „als einer der wesentlichen geistigen Hintermänner“ des Staatsstreiches bezeichnet. Der Historiker Ger van Roon fasste die Widerstandstätigkeit von Hermann Kaiser wie folgt zusammen: „Seine Funktion kann vielleicht am besten charakterisiert werden, wenn man ihn als Vertrauensmann und Vermittler bezeichnet. Er hatte das Vertrauen führender Persönlichkeiten des Widerstandes; Goerdeler, Beck, Tresckow, Olbricht und viele andere standen mit ihm in Kontakt.

Carl Friederich Goerdeler legte Kaiser seine Pläne vor

Oft traf man sich in Kaisers Dienstzimmer. Kaiser versuchte, Gegensätze, die für ihn nicht von primärer Bedeutung waren, zu entschärfen. Tresckow sprach mit ihm über die Lage und über die Möglichkeiten und Details einer Aktion. Carl Friederich Goerdeler legte Kaiser seine Pläne und Denkschriften vor und bat dabei um seinen Rat.

Hermann Kaiser war auch der Berliner Kontaktmann Goerdelers zum Militär. Olbricht zog Kaiser oft ins Vertrauen, übermittelte ihm mehrfach Geheimsachen, gab ihm wichtige Aufträge und schirmte seine Tätigkeit ab.“

In Kaisers Dienstzimmer trafen sich Goerdeler und Stauffenberg erstmals

Als Oberst Stauffenberg Chef des Stabes bei Olbricht wurde, entwickelte sich die Dienststelle des Befehlshabers des Ersatzheeres zu jenem Aktionszentrum, in dem vorbereitet wurde, was schließlich zum Staatsstreichversuch vom 20. Juli 1944 führte.

In Hermann Kaisers Dienstzimmer hatten sich Goerdeler und Stauffenberg zum ersten Mal getroffen. Kaisers Aufgabe bestand nun darin, die Verbindung zwischen Stauffenberg und Goerdeler aufrechtzuerhalten. Nach Ger van Roon war Hermann Kaiser auch an der unmittelbaren Vorbereitung des Umsturzversuchs vom 20. Juli 1944 beteiligt gewesen.

Der am 20. Juli 1944 von Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg durchgeführte Versuch, durch einen Sprengstoffanschlag während einer Lagebesprechung im Führerhauptquartier „Wolfsschanze“ Adolf Hitler zu beseitigen, schlug fehl.

Im Laufe der Ermittlungen nach den Attentätern wurden etwa 600 bis 700 Personen festgenommen, von denen mindestens 180 standrechtlich erschossen oder später zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden. Auch Hermann Kaiser entging der Gestapo nicht: Bereits am Nachmittag des 21. Juli 1944 wurde er mit seinen Brüdern Heinrich und Ludwig festgenommen.

Am 17. Januar 1945 wurde Hermann Kaiser zusammen mit dem Major Busso Thoma vom 1. Senat des Volksgerichtshofs wegen Landesverrats zum Tode verurteilt und sechs Tage später mit neun weiteren zum Tode verurteilten Regime-Gegnern in der Strafanstalt Berlin-Plötzensee hingerichtet.

ZUR PERSON

HERMANN KAISER Paul Friedrich Hermann Kaiser – so sein vollständiger Name – wurde laut dem Geburten-Erstbuch des Standesamts Remscheid als Sohn von Dr. Ludwig Heinrich Kaiser und dessen Ehefrau Alma Johanna Kaiser, geb. Müller, am 31. Mai 1885 in Remscheid geboren. Hermann Kaisers Vater war damals als Oberlehrer an der Realschule in Remscheid tätig; seine Mutter war die Tochter eines Remscheider Fabrikanten und hatte eine musikalische Ausbildung an dem Kölner Konservatorium erhalten.

Mit der Errichtung der Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall ist es in Remscheid möglich, den „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ am 27. Januar in einer Remscheider Gedenkstätte zu begehen. Der Verein Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall Remscheid kümmert sich um das Projekt.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

SPD will Straße nach Willi Hartkopf benennen
SPD will Straße nach Willi Hartkopf benennen
38 Prostituierte sind in Remscheid gemeldet
38 Prostituierte sind in Remscheid gemeldet
A1: Zwölf Tonnen schweres Wohnmobil kippt nach Reifenplatzer
A1: Zwölf Tonnen schweres Wohnmobil kippt nach Reifenplatzer
Feuerwehr rückt zu Waldbrand aus
Feuerwehr rückt zu Waldbrand aus

Kommentare