Helft uns helfen

Heike Kirchner kümmert sich um vernachlässigte Babys

Heike Kirchner ist Therapeutin in der Ärztlichen Kinderschutzambulanz. Die gelernte Kinderkrankenschwester erkennt medizinische Auffälligkeiten und Problematiken bei den jungen Patienten sofort. Foto: Roland Keusch
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Heike Kirchner ist Therapeutin in der Ärztlichen Kinderschutzambulanz. Die gelernte Kinderkrankenschwester erkennt medizinische Auffälligkeiten und Problematiken bei den jungen Patienten sofort.

Heike Kirchner betreut bei der Ärztlichen Kinderschutzambulanz das „Nesting“.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Je jünger das Kind, desto größer das Risiko. Das ist die einhellige Meinung in der Ärztlichen Kinderschutzambulanz Bergisch Land. Um vernachlässigte, misshandelte und missbrauchte Babys sowie Kleinkinder kümmert sich Heike Kirchner. Die Therapeutin betreut das „Nesting“. Wir erklären den Hintergrund.

Was verbirgt sich hinter „Nesting“?

Nesting, eine Ableitung vom Wort Nest, ist ein stationäres Angebot der Ärztlichen Kinderschutzambulanz in Zusammenarbeit mit dem Sana-Klinikum. Auf der dortigen Kinder- und Kinderintensivstation gibt es Zimmer für die besonders jungen Patienten, die mit einem Elternteil häufig als Notfall aufgenommen werden. Die Stationsschwestern helfen den Elternteilen beim Wickeln, Baden, Füttern, geben Tipps zum Stillen und schauen genau hin, ob der Säugling auch genug trinkt. „Oft ist es die Mutter mit einem Drogenproblem, zum Teil mit eigener Gewalterfahrung, oder mit einer psychischen Erkrankung, die ihr Kind nicht richtig versorgen kann“, erklärt Heike Kirchner, die auch gelernte Kinderkrankenschwester ist.

Wie läuft das Verfahren genau ab?

Die Jugendämter fragen bei der Ärztlichen Kinderschutzambulanz an. Die Kindesmutter oder auch der -vater wird nach einem ausführlichen Erstgespräch in der Ärztlichen Kinderschutzambulanz in der Sana-Kinderklinik aufgenommen. Heike Kirchner steht dann im regelmäßigen Austausch mit den Kinderärztinnen und -krankenschwestern. Die weitergehenden diagnostischen Verfahren in Bezug auf die Einschätzung der Erziehungsfähigkeit finden dann in den Räumen der Kinderschutzambulanz statt. Dabei geht es um Fragen wie: Schafft die Mutter es, die Bedürfnisse ihres Säuglings zu erkennen? Braucht sie Hilfe? Wenn ja, welche? Und kann sie diese annehmen? Die eigene Biografie spiele dabei oft eine große Rolle. Oft fehle es den Betroffenen an der notwendigen Feinfühligkeit, sich in die Bedürfnisse ihres Säuglings hineinzuversetzen und stellen ihre eigenen Bedürfnisse dann vor die ihres Kindes. Vernachlässigung zeige sich zum Beispiel in Nahrungsunterversorgung oder auch in Form eines sehr schlechten Pflegezustandes. „Wir erleben hier leider die abstrusesten Geschichten.“

Welches Ziel verfolgt das „Nesting“?

Das Ziel ist es, die Erziehungs-, Bindungs- und Versorgungsfähigkeit der Elternteile einzuschätzen. Hier geht es unter anderem um das Vermögen der Erziehungspersonen, die Grundbedürfnisse des Säuglings zu erkennen, aber auch zu erfüllen, unter anderem die emotionalen Bedürfnisse. „Es geht aber auch darum, als stabile und positive Vertrauensperson aufzutreten. Das beinhaltet für Eltern mit einem Säugling, immer präsent zu sein.“ Zudem Unfallquellen zu erkennen und zu vermeiden. Nicht selten sehen die Therapeuten, dass ein Kind beim Tragen im Maxi Cosi nicht angeschnallt wird.

Mit welchen Fällen haben Sie es zu tun?

Mit vielen, oft schweren. Es gibt Fälle, bei denen Mütter nicht mit ihren Kindern sprechen, weil sie emotional abgeflacht sind. „Eine emotionale Vernachlässigung hat so schwerwiegende Folgen, dass es zu deutlichen Entwicklungsstörungen und schweren Verhaltensauffälligkeiten kommen kann“, betont Kirchner. Die Therapeutin erlebt auch Familien, in denen schon Säuglinge schwer misshandelt wurden: Verbrennungen, Verbrühungen, Hämatome, Schütteltrauma. Bei Säuglingen kann es dann schnell dramatisch bis lebensbedrohlich werden. Häufig sind es überforderte Elternteile oder Elternteile, die selbst von Gewalt betroffen sind, die ihren Kinder großes Leid zufügen.

Wie lange bleiben Mutter und Kind?

Normalerweise fünf Tage, manche Familien brauchen jedoch mehr Zeit. Während des Aufenthalts wird gemeinsam geschaut: Wie groß ist der Unterstützungsbedarf? Reicht eine ambulante Hilfe oder sollte es besser eine stationäre Mutter-und-Kind-Einrichtung sein? Oder schaffen es die Eltern vielleicht gar nicht? Wenn es massive Einschränkungen gibt, werden Säuglinge manchmal in einer Pflegefamilie untergebracht.

Sie haben bereits gespendet

Diese RGA-Leser haben bereits gespendet, wofür wir uns herzlich bedanken: Christel Maus, Wilfried und Mechthild Rühl, Beate Dannenberg, Silke Eller, Karl Rolf und Christa Bergner, Michael Scharf, Peter und Angelika Neuenhöfer, Hans-Dieter und Nicola Brinkmann, Gertrud Ries, Jürgen Walter Ackermann, Helene Sonst, Carsten Ziemke, Willi Alois Bures, Karl Willi Steinheuser, Dietmar und Andrea Hoth, Hans-Erwin Hermann Dregemeyer, Karl-Heinz und Hannelore Trienenjost, Liselotte Ninow, Bernd Hugo Deutemann, Dietmar und Elli Facke, Karin Steinmetz, Gerhard und Dagmar Alex, Karin Roderweis, Hildegard Johanna Langescheid, Albrecht und Renate Drees, Gerd Kaib, Michael und Angelika Kriwett, Elisabeth Knipping, Annette Nicole Blasius, Helga Schmid, Arno Beitzer, Frank und Christa Trapkowski, Barbara Eibelsgruber, Lieselotte Schaper, Dr. Rolf und Hannelore Meier,Ursula Kunz, Eleonore Benscheid, Anni Krause, Norbert Eryk Bankert, Dietmar Wiehager, Helga Surkamp, Jürgen Uthmann, Sabine Kleinöder, Juliane Remijn,

Ralf Trögel, Manfred Paul Josef von Fritschen, Anna Dorothea Schmitz, Vera Müller, Christa Schulz, Heinz-W. und Christel Baum, Marlies Kimpel, Karin Ekert, Klaus und Ursel Logemann, Johannes Franz Kohout, Klaus Peter und Ute Kaltwasser, Irmgard van de Wetering, Marliese Lehmann, Christel Röwers Bigell und Auffermann-Bigell, Jens Uwe und Gisela Burghoff, Annette Helga Kunzler-Geisthardt, Reinhard und Brigitte Wagner, Gudrun Kotthaus, Brigitte Else Postgens, Heiko Noss, Gisela Holznagel, Werner und Sigrid Neumann, Ursula Weber, Helmut und Marita Link, Dr. Eberhard Schölzke, Frieda Helga Beitzel, Siegfried und Lydia Pahl, Manfred und Ulrike Betzler, Friedrich und Erna Kammin, Wilhelm Kluttig, Tordis Benscheid, Ellen Pauel, Ekkehard Sackermann.

Die RGA-Hilfsaktion „Helft uns helfen“ unterstützt die Ärztliche Kinderschutzambulanz, die sich um vernachlässigte, misshandelte und missbrauchte Kinder kümmert, sowie die Hilda-Heinemann-Schule, in der geistig und körperlich beeinträchtigte Kinder und Jugendliche individuell gefördert werden.

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