Pandemie

Haus Clarenbach hat das Virus im Griff

Zuhause von 80 Seniorinnen und Senioren: Das Haus Clarenbach in Lüttringhausen meldet insgesamt 13 Corona-Fälle. Foto: Roland Keusch
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Zuhause von 80 Seniorinnen und Senioren: Das Haus Clarenbach in Lüttringhausen meldet insgesamt 13 Corona-Fälle. 

Sieben Bewohner und sechs Mitarbeiter sind mit Sars-CoV-2 infiziert

  • Der erste Infektionsfall wurde bei einer Seniorin festgestellt, die zuvor im Krankenhaus behandelt worden war.
  • Inzwischen sind 13 Bewohner sowie Pfleger mit dem Coronavirus infiziert.
  • Alle Infizierten befinden sich in Quarantäne.

Von Axel Richter

Lange war es gelungen, das Coronavirus aus den Alten- und Pflegeheimen herauszuhalten. Während in Hückeswagen und Wipperfürth bereits Ende März die ersten Bewohner an Covid-19 erkrankten, blieb ein Ausbruch in Remscheid aus. Bis Muttertag. Aktuell sind sieben Bewohnerinnen und Bewohner und sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Haus Clarenbach in Lüttringhausen infiziert. Die Bewohner sind isoliert, die Kollegen in häuslicher Quarantäne. Keine zeigt einen schweren Verlauf der Krankheit, die Lage gilt als unter Kontrolle.

Wie das Virus den Weg in das Haus mit 80 Bewohnerinnen und Bewohnern finden konnte, beschäftigte unterdessen lange die Heimleitung und den Corona-Krisenstab. Beantworten ließ es sich nicht. „Wir haben 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das Haus betreten und wieder verlassen. Da liegt bei allen Hygienemaßnahmen, die von den Kollegen einzuhalten sind, natürlich eine gewisse Wahrscheinlichkeit“, sagt Andreas Wigger, Leiter des Alten- und Pflegeheims an der Remscheider Straße.

„Unsere Tests zeigen: Die Maßnahmen greifen.“
Dr. Gabriela Marek, Gesundheitsamt

Der erste Infektionsfall wurde unterdessen bei einer Seniorin festgestellt, die sich zuvor zur stationären Behandlung in einem Krankenhaus aufgehalten hatte. Heimaufsicht und Gesundheitsamt der Stadt Remscheid veranlassten, dass alle Bewohnerinnen und Bewohner, mit denen die Frau zu tun hatte, auf Sars-CoV-2 getestet wurden.

Die sieben Infizierten wurden daraufhin in einem Wohnbereich zusammengelegt. Hinter einer Brandschutztür und einer Schleuse werden sie betreut und versorgt von Pflegerinnen und Pflegern, die sich zum Dienst in Schutzanzügen und Atemmasken gemeldet haben.

Andreas Wigger und Detlef Röbke erläuterten gestern die aktuelle Lage im Haus Clarenbach. 

Von ihren Vorgesetzten erfahren sie Respekt und Anerkennung. „Alle haben die Nerven behalten, alle leisten zurzeit nahezu Übermenschliches“, sagt Detlef Röbke, Vorstandsmitglied der Evangelischen Alten- und Krankenhilfe Remscheid, unter deren Dach sich die Haus Clarenbach gGmbH befindet: „Wir sind heilfroh, dass wir dort so eine Mannschaft haben.“

Das Haus Clarenbach ist bislang das einzige Alten- und Pflegeheim in Remscheid, das für das Coronavirus zum Einfallstor geworden ist. „Gott sei Dank“, sagt Dr. Gabriela Marek, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes. Für den Krisenstab gilt die Infektion von zum Teil dementen Menschen als Alptraum.

Über die aktuelle Entwicklung ist die Ärztin deshalb erleichtert. Haus Clarenbach ist mit Schutzkleidung und Masken gut ausgerüstet, alle Mitarbeiter messen vor Dienstbeginn Fieber. „Die Maßnahmen greifen“, sagt Gabriela Marek. „Das zeigen unsere Tests.“ Am Freitag gab es unter den Pflegekräften keinen positiven Befund mehr.

Der befürchtete Alptraum ist deshalb ausgeblieben. Grund zur Entwarnung gibt es nicht. „Wir müssen jederzeit mit weiteren Infektionen in der stationären Altenpflege rechnen“, heißt es aus dem Corona-Krisenstab der Stadt. „Trotz aller Hygieneregeln und Sicherheitskonzepte können wir nicht gänzlich ausschließen, dass es hier zu einer Ansteckung kommt. Da, wo Menschen miteinander in häuslicher Gemeinschaft leben und auch Dritte von außen dazukommen, lässt sich trotz aller Vorsicht die soziale Nähe und damit ein Ansteckungsrisiko nicht ganz vermeiden.“

Das gilt umso mehr die Heime sich für Angehörige wieder öffnen. Eine Alternative dazu gibt es aus Sicht der Heime jedoch nicht. Röbke und Wigger wissen: „Die Kontaktsperre, die bei uns nach wie vor gilt, hinterlässt bei unseren Bewohnern schwerwiegende Folgen.“ Deswegen sei man bestrebt, so schnell wie möglich wieder eine Besuchsregelung einzuführen.

In unserem Live-Blog finden Sie alle Informationen rund um das Coronavirus in Remscheid. Der Blog wird laufend aktualisiert.

Haus Clarenbach

Das Haus Clarenbach zählt 80 Bewohner. Annähernd jeder Dritte von ihnen leidet unter Demenz. Das Alten- und Pflegeheim befindet sich unter dem Dach des Evangelischen Alten- und Krankenhilfe e.V. Ihm gehört auch die Diakoniestation Remscheid gGmbH, die Hastener Altenhilfe gGmbH und die Wiedenhof Evangelische Altenbetreuung gGmbH an.

Standpunkt

axel.richter@rga-online.de

Ein Kommentar von Axel Richter

Remscheid kennzeichnet ein starkes bürgerschaftliches Engagement. Das zeigte sich im Sana-Klinikum, als gleich zu Beginn der Corona-Pandemie sich Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger freiwillig auf die neu eingerichtete Covid-19-Station meldeten. Und das zeigte sich wieder im Haus Clarenbach, als es darum ging, wer den Dienst in der Quarantänestation mit sieben Bewohnerinnen und Bewohnern übernimmt. Auch hier ging niemand von der Fahne. Stattdessen wurden Dienstpläne umgeschrieben, Einsätze möglich gemacht. „In der Krise erweist sich der Charakter“, soll Helmut Schmidt einmal gesagt haben. Mit Blick auf die Solidarität, die einmal mehr an vielen Stellen in Remscheid geleistet wird, lässt sich den Beschäftigten im Gesundheitswesen mithin ein ausgezeichneter Charakter bescheinigen. Und übrigens nicht nur ihnen. 

Es gibt in dieser Krise viele Menschen, die, jeder an seiner Stelle, ihren Job ganz hervorragend erledigen. Dass sie kein Aufhebens davon machen, macht sie nur sympathischer. Ihnen gebührt Anerkennung und Respekt. Nicht wenigen auch eine besser Bezahlung. Und das nicht nur in der Krise.

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