Spirituosen aus Remscheid

Gebr. Frantzen GmbH stellt seit rund 200 Jahren Hochprozentiges her

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Rainer Frantzen überprüft den Alkoholgehalt des Stachelhauser Korns.

„Erfolgreich mit Genuss“: Die Gebr. Frantzen GmbH stellt seit rund 200 Jahren in Remscheid Korn und andere Spirituosen her.

  • Rainer Frantzen übernahm Anfang der 1990er Jahre die familieneigene Destillerie in Remscheid.
  • Schnaps brennt die Familie bereits seit etwa 1795.
  • Beginnender Preiskampf hätte das Unternehmen aus Remscheid fast ruiniert.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Korn, sagt Rainer Frantzen, kann eigentlich jeder. Alkohol und Wasser in ein Fass, dann ein wenig warten, schon hat man ein trinkbares Produkt. Allerdings kein besonders gutes. Und vor allem kein Besonderes. Als Rainer Frantzen Anfang der 1990er Jahre die familieneigene Destillerie von seinem Vater übernahm, schlug er einen anderen Weg ein.

„Ich bin durch die Supermärkte gelaufen und habe geschaut, was es da nicht gibt, für das die Leute aber vielleicht bereit wären, etwas mehr zu zahlen“, erinnert er sich. Und weil der „älteste“ Korn, den er dort fand, sechs Monate gelagert hatte, entschied er sich, es mit nicht weniger als fünf Jahren zu versuchen.

Gebr. Frantzen GmbH in Remscheid gehört zu letzten Brennereien der Region

Gelagert werden die Spirituosen bis zur Abfüllung in großen Glasballons.

Heute gehört die Remscheider Gebr. Frantzen GmbH zu den letzten Brennereien in der Region - und ist auch über deren Grenzen hinaus bekannt. Und das „seit 1823“, wie das Firmen-Logo verrät. Wobei: „Da wurde die Firma eingetragen“, verrät Rainer Frantzen, der die Destillerie zusammen mit seiner Frau Monika führt. Schnaps gebrannt habe die Familie bereits seit etwa 1795. In den 1970er Jahren war die Firma, damals noch unter der Leitung von Rainer Frantzens Vater, auf dem Weg zum Massenproduzent. An guten Tagen seien bis zu 10.000 Flaschen abgefüllt worden, berichtet Frantzen. „Außer Aldi und Lidl haben wir damals alle großen Ketten beliefert, bis hoch nach Norddeutschland.“

Doch der beginnende Preiskampf hätte das Unternehmen fast ruiniert. „Mein Vater hat das damals bewusst abgebrochen“, sagt Rainer Frantzen. Übers Wochenende habe er alle Verträge gekündigt, per Brief: „Mein Vater hat geschrieben, dass er nicht mehr in der Lage ist, die angestrebte Qualität zu halten, wenn es einen weiteren Preisverfall gibt. Damals sicherlich ein mutiger Schritt.“

Brennerei aus Remscheid kämpft gegen Preisverfall durch Discounter

Und einer, den Sohn Rainer, später konsequent weiterging. Aus einem „Bauchgefühl“ heraus habe er das Unternehmen damals übernommen, erinnert sich Frantzen. Vor allem die vielen alten Fässer, die im Keller lagerten, seien ein gutes Argument gewesen. In denen wird aus zuvor aus Weizen oder Roggen gebrannten 97-prozentigen Alkohol, der mit Remscheider Wasser verschnitten wird, durch Lagerung Stachelhauser Korn. Und weil der darin besonders lange lagert, ist er auch nicht klar, sondern hat eine bräunliche, fast goldige Farbe.

Teile der Firma sind heute ein Museum, in der Frantzen Führungen und Verkostungen anbietet.

Korn sei bis heute die meistgetrunkene Spirituose in Deutschland, so Rainer Frantzen. Selbst bei jungen Leute erfreue sich das Getränk „erstaunlicherweise“, wie er selber sagt, wachsender Beliebtheit. „Aber nur hochwertige Produkte.“ Trotzdem wurde das Aushängeschild der Firma, der Stachelhauser Korn, benannt nach dem Ortsteil, in dem die Brennerei Frantzen steht, unlängst als Top-Seller abgelöst. Seither verkauft sich der Kräuterlikör „Kardinal“ am besten. Der enthält neben Alkohol und Wasser ein Extrakt aus 41 Kräutern, das Frantzen in Baden-Würtemberg herstellen lässt. Allerdings von zwei Firmen, die jeweils unabhängig voneinander nur einen Teil der Kräuter verarbeiten. Zusammengefügt wird das alles erst in Remscheid – so bleibt das über 70 Jahre alte Familienrezept geheim.

Seit über 70 Jahren altes Familienrezept der Brennerei aus Remscheid ist geheim

Insgesamt neun verschiedene Produkte hat Frantzen heute noch im Angebot, früher waren es mal bis zu 45. Vertrieben werden die Brände und Liköre vor allem im Direktvertrieb. Kunden seien zum Beispiel gehobene Restaurants in der Region, sagt Rainer Frantzen. Zudem gebe es einige Firmen, vor allem Speditionen und Werkzeughersteller, die ihren Mitarbeitern Flaschen als Jahresgabe schenken.

Den größten Anteil machen allerdings nach wie vor die Privatkunden aus, für die auch ein Onlineshop zur Verfügung steht. Am liebsten begrüßt Rainer Frantzen seine Kunden aber vor Ort in der Brennerei. Manchmal, erzählt er, würden Kunden aus der Region übers Internet bestellen. „Viele rufe ich dann an, dass sie auch gerne vorbeikommen können. Das spart 6,90 Euro für DHL und probieren können sie dann hier auch noch.“

ERFOLGREICH MIT GENUSS

SERIE Die bergische Wirtschaft kann Messer, Werkzeug und Maschinen. Sie kann aber auch Genuss. Ob Zwieback, Pasta, oder Olivenöl – viele Unternehmen in der Region verdienen ihr Geld, indem sie das Leben ein klein wenig leckerer machen. Solche Firmen stellen wir vor.

FÜHRUNGEN Die Brennerei Frantzen bietet für Gruppen Führungen mit Verkostungen an, Infos und Anmeldung unter Tel. (02191) 2 69 26.

In der Museums-Destille wird nicht mehr gebrannt, sondern veredelt. Dr. Rainer Frantzen misst an einem alten Eichenfass im Keller den Alkoholgehalt. Dr. Rainer Frantzen machte eine besondere Entdeckung: Ein mehr als 40 Meter tiefer und 140 Jahre alter Brunnen auf seinem Firmengelände hat einen Seitenschacht: mannshoch und schulterbeit.

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