„Verspätungskürzung“

Frust bei Bahnpendlern im Bergischen ist groß

Warten am Remscheider Hauptbahnhof gehört schon fast zur Tagesordnung: Die S 7 ist derzeit wieder oft zu spät – oder fällt aus. Foto: Roland Keusch
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Warten am Remscheider Hauptbahnhof gehört schon fast zur Tagesordnung: Die S 7 ist derzeit wieder oft zu spät – oder fällt aus.
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Zu den Ausfällen bei der S7 von Abellio kommen Probleme bei der S1 der Deutschen Bahn.

  • Bahnpendler in Remscheid sind Kummer gewohnt: Auf der S1 von und nach Düsseldorf gibt es viele Verspätungen und Ausfälle.
  • Aber auch bei der S7 von Abellio häufen sich in letzter Zeit technische Störungen und Personalausfall.
  • Die Unternehmen nennen unterschiedliche Gründe für die Probleme und bitten um Verständnis.

Von Andreas Tews

Remscheid. Begriffe wie „Verspätungskürzung“ oder „Störung am Zug“ kennen bergische Eisenbahn-Pendler besser, als ihnen lieb ist. So begründet die Deutsche Bahn (DB) die nach wie vor häufigen Ausfälle und Verspätungen auf der S-Bahn-Linie 1 von und nach Düsseldorf. In den vergangenen Wochen ist der Frust bei vielen Fahrgästen noch gewachsen. Denn auch der in der Vergangenheit recht zuverlässige Anbieter Abellio meldet regelmäßig technische Störungen oder „Personalausfall“ als Gründe für Probleme auf der Strecke der S7 (Solingen-Remscheid-Wuppertal).

Bei der S1 fuhren vergangene Woche zum Beispiel S-Bahnen aus Richtung Dortmund wegen „Störungen am Zug“ nur bis Düsseldorf oder fielen ganz aus. Den für das ganze Bergische Land wichtigen Umsteigebahnhof in Solingen-Ohligs erreichten sie nicht. Fahrzeugstörungen bei der S7 wurden für Pendler spürbar zuletzt am Mittwoch gemeldet. Hier fuhren mehrere Züge aus Richtung Wuppertal nur bis Solingen-Mitte – erreichten also auch nicht den Hauptbahnhof der Nachbarstadt Remscheid. Auch am Wochenende gab es Probleme.

Remscheid: Krankmeldungen sorgen für Störungen bei Abellio

Als Gründe für die technischen Störungen nennt eine Abellio-Sprecherin unter anderem Bremsstörungen und „Fehler beim Aufrüsten“ der Fahrzeuge. Darunter versteht man das Vorbereiten der Züge auf den Einsatz – unter anderem durch Hochfahren der Elektronik oder den Druckaufbau an Bremsanlagen.

Die Sprecherin versichert, dass die Abellio-Züge in regelmäßigen Intervallen zum Service in der Werkstatt seien. Komme es kurz vor oder nach der Abfahrt aber dennoch zu Störungen, seien Verspätungen oft die Folge. Werden diese zu groß, kehren die Züge an einem bestimmten Punkt um, um so die Verzögerungen wieder aufzuholen. Auf dem Rest der Strecke fällt die Bahn dann aus. Je nach Störung rücke das Werkstattteam auch zum Zug auf der Strecke aus.

Die jüngsten Krankmeldungen haben laut Abellio deswegen zu Störungen geführt, weil sie spätabends oder erst nachts erfolgt seien. Derzeit seien im Bereich der S7 einige Kollegen erkrankt. Von einer erhöhten Ausfallquote könne aber nicht die Rede sein. Bei den aktuellen Fällen handele es sich zwar nicht um Covid-19-Erkrankungen. Zum Schutz der Kollegen und anderer sei das Personal aber angehalten, sehr vorsichtig damit umzugehen, wenn Erkältungssymptome auftreten, erklärte die Sprecherin. Grundsätzlich verfüge Abellio über eine Bereitschaft, die einspringen könne. Bei kurzfristigen Ausfällen gelinge dies aber nicht immer umgehend.

Deutsche Bahn sieht Ausfallquote bei unter einem Prozent

Auch bei der DB wirbt man um Verständnis. Deren Sprecher verweist in erster Linie auf die voll belegten Gleise in NRW, die sich die S 1 mit anderen Zügen teilen müsse. Schaukeln sich dadurch zu große Verspätungen auf, drehen die Züge – zumeist in Hilden – um. Der Solinger Hauptbahnhof liege am Ende der Strecke. Darum sei er davon besonders häufig betroffen. Verfügbarkeitsprobleme bei Zügen oder Lokführern gebe es nicht. Auch der in Essen stationierte Einsatzzug könne nicht alle Ausfälle auffangen. Er werde auf den Linien S1 und S4 regelmäßig eingesetzt. Der DB-Sprecher sieht die Ausfallquote bei der S1 unter einem Prozent.

Anfang September war einer der Höhepunkte in Sachen Verspätungen und Ausfälle auf der S7: Eine Signalstörung und ein umgestürzter Baum sorgten für Ausfälle im Berufsverkehr.

Glimpflich ausgegangen ist vor ein paar Wochen ein Zugunfall in Solingen: Eine historische Lokomotive entgleiste - der Bahnübergang Schnittert wurde gesperrt.

Kürzlich musste die Polizei eingreifen: Bei einer Fahrkartenkontrolle im Zug ist ein 36-jähriger Remscheider ausgerastet. Die Einsatzkräfte nahmen ihn in Gewahrsam.

Standpunkt: Es fehlt an vielen Stellen

Von Andreas Tews

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Die sogenannte Verkehrswende ist derzeit in aller Munde. Der Linienbusverkehr ist überwiegend in den Händen der Stadtwerke, damit Entscheider vor Ort schnell auf Veränderungen reagieren können. Von einem solchen Zustand sind die Bahnunternehmen und ihre Fahrgäste aber meilenweit entfernt. Wenn Probleme seit Jahren bekannt sind und zurecht von den Kunden kritisiert werden, dann ist es ein Unding, wenn nichts Entscheidendes geschieht, um dies zu ändern.

Es ist zwar nicht erstrebenswert, den Bahnverkehr wieder zu verstaatlichen. Es ist aber an der Zeit, dass der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr die Unternehmen mehr in die Pflicht nimmt – und bei nicht erbrachter Leistung die Zahlungen kürzt. Damit ist es aber nicht getan. Eine Ursache des Problems ist das fehlende Geld. Unter Kostendruck leidet die Qualität des Angebots. Wer eine Verkehrswende will, muss vonseiten der Politik deutlich mehr Geld für den ÖPNV und seine Infrastruktur zur Verfügung stellen.

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