Pandemie

Coronavirus fällt in Haus Lennep ein

Das Haus Lennep ist das Zuhause von 112 betagten Menschen. Noch weiß niemand, welches Einfallstor Sars-CoV-2 fand. Foto: Roland Keusch
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Das Haus Lennep ist das Zuhause von 112 betagten Menschen. Noch weiß niemand, welches Einfallstor Sars-CoV-2 fand.

35 Bewohner und 23 Beschäftigte sind infiziert – Gesundheitsamt zeigt sich in ernster Sorge.

Von Axel Richter

Remscheid. Lange hatten die Alten- und Pflegeheime das Virus im Griff. Jetzt verbreitete sich Sars-CoV-2 in einer der großen Einrichtungen umso rasender. Im Haus Lennep, das Zuhause von 112 betagten Menschen, infizierte das Coronavirus 35 Bewohnerinnen und Bewohner sowie 23 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Glücklicherweise zeigt Stand heute niemand einen schweren Verlauf“, berichtet Renate Zanjani, Sprecherin der Bergischen Diakonie Aprath, die das Lenneper Alten- und Pflegeheim betreibt.

Welches Einfallstor das Virus in die Einrichtung an der Hackenberger Straße fand, ist eine der bislang ungeklärten Fragen. Das Haus geht derzeit drei verschiedenen Wegen nach. Zugleich haben die Pflege- und Verwaltungskräfte um ihre Chefin Jutta Berendes den Kampf gegen eine weitere Ausbreitung aufgenommen. „Jeder, der arbeiten kann, kommt zur Arbeit. Egal, ob er selbst Angst vor dem Virus hat“, sagt Renate Zanjani.

„Viele Bewohner mussten ihre Zimmer tauschen.“
Renate Zanjani, Bergische Diakonie

Erste Hinweise auf den Ausbruch hatte es am 1. Dezember gegeben. Corona-Schnelltests zeigten eine Häufung in zwei Wohnbereichen. Daraufhin ließ das Gesundheitsamt am nächsten Tag alle Bewohnerinnen und Bewohner sowie alle Beschäftigen schnelltesten. Am 3. Dezember folgte die Reihentestung.

Das Ergebnis bereitet Dr. Frank Neveling ernste Sorgen: „Wir haben es mit vielen Betroffenen in der Hauptrisikogruppe zu tun“, sagt der Leiter des Gesundheitsamtes. Bislang muss niemand intensivmedizinisch behandelt werden. Neveling hofft, dass es so bleibt und dass die ergriffenen Maßnahmen zum Eindämmen des Virus greifen.

Wie der Corona-Krisenstab berichtet, konzentrierte sich das Ausbruchsgeschehen zunächst auf einen Wohnbereich. „Ein weiterer Wohnbereich ist aufgrund der häufigen Kontakte der Bewohnerinnen und Bewohner sowie der Mitarbeitenden untereinander ebenfalls stark betroffen“, heißt es weiter.

Um die Infektionsketten zu durchbrechen, richtete das Heim unterschiedliche Kontakt- und Isolationsbereiche ein. „Viele Bewohner mussten dazu innerhalb kürzester Zeit ihre Zimmer tauschen – einschließlich ihrer persönlichen Habe“, berichtet Renate Zanjani. Dennoch seien die Menschen gefasst mit der Situation umgegangen.

Die verbliebenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter halten unterdessen den Betrieb aufrecht. Sie sind den verschiedenen Bereichen fest zugeteilt, in denen die alten Menschen jetzt wohnen. Andere dürfen sie nicht betreten.

Dabei muss das Team nicht nur auf die 23 infizierten Kollegen verzichten. Weitere befinden sich in Quarantäne. Insgesamt fehlen derzeit 31 Arbeitskräfte im Haus Lennep. Die Bergische Diakonie Aprath, die in Remscheid noch die Stockder Stiftung und insgesamt elf Einrichtungen betreibt, hat deshalb Beschäftigte aus anderen Heimen ins Haus Lennep geholt. An ihren bisherigen Arbeitsplatz dürfen sie vorläufig nicht zurückkehren.

Laut Krisenstab wurden Heimleitung und Kollegen bei allen Infektionsschutzmaßnahmen von einer Vertreterin der Landesbehörde beraten, die die Einhaltung der Bestimmungen des Wohn- und Teilhabegesetzes überwacht. „Die Einrichtung wurde auch hinsichtlich der korrekten Nutzung von erforderlicher Schutzausrüstung beraten.“ Das Gesundheitsamt ordnete für den gestrigen Tag eine weitere Reihentestung an. Täglich finden weitere Schnelltests statt.

Unterdessen ging ein Brief an die Angehörigen raus, der die Corona-Lage im Haus Lennep zusammenfasst. Sie dürfen das Heim vorläufig nicht betreten.

In unserem Live-Blog finden Sie alle Informationen rund um das Coronavirus in Remscheid. Der Blog wird laufend aktualisiert.

Diakonie Aprath

Die Bergische Diakonie Aprath ist eine diakonische Einrichtung mit Sitz in Wülfrath. Sie unterhält verschiedene Einrichtungen der Alten- und Jugendhilfe im Bergischen Land.

Weil Besuche im Haus Lennep nicht möglich sind, geben viele Angehörige Päckchen und Briefe für sie ab. Das Heim verspricht, dass alle Gaben die Adressaten erreichen. Das brauche jedoch Zeit. Nicht jeder darf die Isolierbereiche betreten.

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