Pandemie

Corona: Haus Lennep meldet acht Tote

Das Haus Lennep ist das Zuhause von 112 betagten Menschen. Noch weiß niemand, welches Einfallstor Sars-CoV-2 fand. Foto: Roland Keusch
+
Das Haus Lennep ist das Zuhause von 112 betagten Menschen. Noch weiß niemand, welches Einfallstor Sars-CoV-2 fand.

Aktuell liegen für 59 Bewohner positive Tests vor, zudem befinden sich 34 Mitarbeiter in Quarantäne.

Update vom 14. Dezember, 18.45 Uhr


Von Sven Schlickowey

Das von einem Corona-Ausbruch betroffene Altenheim Haus Lennep meldet acht verstorbene Bewohner. Diese seien in den vergangenen Tagen an oder mit Corona gestorben, bestätigte Renate Zanjani vom Träger Bergische Diakonie auf RGA-Anfrage. In den aktuellen Zahlen von Stadtverwaltung und Robert-Koch-Institut, wonach seit vorletztem Wochenende fünf Corona-Tote in Remscheid zu beklagen sind, tauchen sie allerdings nicht alle auf. Woran das liegt, ist derzeit noch unklar.

Aktuell liegen für 59 Bewohner positive Tests vor, zudem befinden sich 34 Mitarbeiter in Quarantäne. Zum Teil sei der Krankheitsverlauf bei den Mitarbeitern asymptomatisch, so Zanjani. Mehrere Mitarbeiter würden aber über einen belastenden Krankheitsverlauf mit stärkeren Symptomen klagen. Sieben Bewohner mussten ins Krankenhaus verlegt werden.

Derweil ist die Unterstützung durch Bundeswehr-Soldaten im Haus Lennep gut angelaufen. „Die Kommunaktion und Zusammenarbeit dieser doch unterschiedlichen Systeme klappt gut “, berichtet Renate Zanjani. Dadurch würden die Mitarbeiter entlastet.

Das Sana-Klinikum meldete am Montag eine nach wie vor angespannte Situation: „Während die Anzahl der Covid-Patienten auf der Intensivstation derzeit noch stabil ist, erleben wir aktuell ein erhöhtes Aufkommen auf der Normalstation“, sagt Geschäftsführerin Svenja Ehlers. 29 Patienten werden dort derzeit behandelt. Während Sana fünf Patienten auf der Intensivstation meldet, davon drei beatmet, sind es laut Daten der Stadt vier, die alle beatmet werden.

Weiterhin würden nicht dringliche Aufnahmen verschoben, sagt Ehlers. Zwar sei die Hochphase, die das Klinikum im November erlebt hatte, etwas abgeflacht „aber es bleibt weiterhin sehr angespannt und die Mitarbeiter auf der Intensivstation und im Covid-Bereich sind hoch belastet“. Aktuell befänden sich elf Sana-Mitarbeiter in coronabedingter Quarantäne.

Unser Artikel vom 7. Dezember: 

Coronavirus fällt in Haus Lennep ein

Von Axel Richter

Remscheid. Lange hatten die Alten- und Pflegeheime das Virus im Griff. Jetzt verbreitete sich Sars-CoV-2 in einer der großen Einrichtungen umso rasender. Im Haus Lennep, das Zuhause von 112 betagten Menschen, infizierte das Coronavirus 35 Bewohnerinnen und Bewohner sowie 23 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Glücklicherweise zeigt Stand heute niemand einen schweren Verlauf“, berichtet Renate Zanjani, Sprecherin der Bergischen Diakonie Aprath, die das Lenneper Alten- und Pflegeheim betreibt.

Welches Einfallstor das Virus in die Einrichtung an der Hackenberger Straße fand, ist eine der bislang ungeklärten Fragen. Das Haus geht derzeit drei verschiedenen Wegen nach. Zugleich haben die Pflege- und Verwaltungskräfte um ihre Chefin Jutta Berendes den Kampf gegen eine weitere Ausbreitung aufgenommen. „Jeder, der arbeiten kann, kommt zur Arbeit. Egal, ob er selbst Angst vor dem Virus hat“, sagt Renate Zanjani.

„Viele Bewohner mussten ihre Zimmer tauschen.“
Renate Zanjani, Bergische Diakonie

Erste Hinweise auf den Ausbruch hatte es am 1. Dezember gegeben. Corona-Schnelltests zeigten eine Häufung in zwei Wohnbereichen. Daraufhin ließ das Gesundheitsamt am nächsten Tag alle Bewohnerinnen und Bewohner sowie alle Beschäftigen schnelltesten. Am 3. Dezember folgte die Reihentestung.

Das Ergebnis bereitet Dr. Frank Neveling ernste Sorgen: „Wir haben es mit vielen Betroffenen in der Hauptrisikogruppe zu tun“, sagt der Leiter des Gesundheitsamtes. Bislang muss niemand intensivmedizinisch behandelt werden. Neveling hofft, dass es so bleibt und dass die ergriffenen Maßnahmen zum Eindämmen des Virus greifen.

Wie der Corona-Krisenstab berichtet, konzentrierte sich das Ausbruchsgeschehen zunächst auf einen Wohnbereich. „Ein weiterer Wohnbereich ist aufgrund der häufigen Kontakte der Bewohnerinnen und Bewohner sowie der Mitarbeitenden untereinander ebenfalls stark betroffen“, heißt es weiter.

Um die Infektionsketten zu durchbrechen, richtete das Heim unterschiedliche Kontakt- und Isolationsbereiche ein. „Viele Bewohner mussten dazu innerhalb kürzester Zeit ihre Zimmer tauschen – einschließlich ihrer persönlichen Habe“, berichtet Renate Zanjani. Dennoch seien die Menschen gefasst mit der Situation umgegangen.

Die verbliebenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter halten unterdessen den Betrieb aufrecht. Sie sind den verschiedenen Bereichen fest zugeteilt, in denen die alten Menschen jetzt wohnen. Andere dürfen sie nicht betreten.

Dabei muss das Team nicht nur auf die 23 infizierten Kollegen verzichten. Weitere befinden sich in Quarantäne. Insgesamt fehlen derzeit 31 Arbeitskräfte im Haus Lennep. Die Bergische Diakonie Aprath, die in Remscheid noch die Stockder Stiftung und insgesamt elf Einrichtungen betreibt, hat deshalb Beschäftigte aus anderen Heimen ins Haus Lennep geholt. An ihren bisherigen Arbeitsplatz dürfen sie vorläufig nicht zurückkehren.

Laut Krisenstab wurden Heimleitung und Kollegen bei allen Infektionsschutzmaßnahmen von einer Vertreterin der Landesbehörde beraten, die die Einhaltung der Bestimmungen des Wohn- und Teilhabegesetzes überwacht. „Die Einrichtung wurde auch hinsichtlich der korrekten Nutzung von erforderlicher Schutzausrüstung beraten.“ Das Gesundheitsamt ordnete eine weitere Reihentestung an. Täglich finden weitere Schnelltests statt.

Unterdessen ging ein Brief an die Angehörigen raus, der die Corona-Lage im Haus Lennep zusammenfasst. Sie dürfen das Heim vorläufig nicht betreten.

In unserem Live-Blog finden Sie alle Informationen rund um das Coronavirus in Remscheid. Der Blog wird laufend aktualisiert.

Diakonie Aprath

Die Bergische Diakonie Aprath ist eine diakonische Einrichtung mit Sitz in Wülfrath. Sie unterhält verschiedene Einrichtungen der Alten- und Jugendhilfe im Bergischen Land.

Weil Besuche im Haus Lennep nicht möglich sind, geben viele Angehörige Päckchen und Briefe für sie ab. Das Heim verspricht, dass alle Gaben die Adressaten erreichen. Das brauche jedoch Zeit. Nicht jeder darf die Isolierbereiche betreten.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Pizzeria Dallas: Terror nimmt kein Ende – und keiner hilft
Pizzeria Dallas: Terror nimmt kein Ende – und keiner hilft
Pizzeria Dallas: Terror nimmt kein Ende – und keiner hilft
Versorgung von rund 3000 Kindern gesichert
Versorgung von rund 3000 Kindern gesichert
Versorgung von rund 3000 Kindern gesichert
Corona: 136 Infizierte – weiter Chaos bei Impf-Anmeldung
Corona: 136 Infizierte – weiter Chaos bei Impf-Anmeldung
Corona: 136 Infizierte – weiter Chaos bei Impf-Anmeldung
Einbruch in Werkstatt und Büroräume
Einbruch in Werkstatt und Büroräume
Einbruch in Werkstatt und Büroräume

Kommentare