Die Woche von Stefan M. Kob

Wie die Corona-Krise die Arbeit unserer Redaktionen verändert

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Eine Redaktion brummt normalerweise wie ein Bienenstock. Zurzeit summt das RGA-Medienhaus an der Alleestraße eher leise im Standby-Modus.

Aufgrund der Corona-Krise haben wir viele unserer Arbeitsplätze nach draußen verlagert. Dass mittlerweile mehr als 60 Heimarbeiter der B. Boll Mediengruppe auf die Verlagssysteme zugreifen, hätten wir uns vor wenigen Monaten nicht träumen lassen.

Trotz aller eigenen Skepsis und Sorge: Es klappt. Vieles ist vielleicht etwas hakelig, weil noch ungewohnt. Manches ist sogar besser. Videokonferenzen sparen nicht nur Zeit und Energie fürs Hin- und Herfahren, sie laufen flüssiger, fokussierter und auch disziplinierter ab.

Zwar sollte der typische Reporter ja ohnehin am wenigsten in der Redaktionsstube hocken, sondern draußen bei den Bürgern, beim Geschehen sein. Dennoch läuft die Organisation und Produktion der Zeitung und unserer digitalen Kanäle normalerweise über eine gehörige Portion Flurkommunikation ab, schnelle Zurufe bei aktuellen Geschehnissen und Konferenzen über die beste Aufmachung und die wichtigsten Posts.

Doch unsere Zeitung ist in den vergangenen Jahren gewachsen: In der Kommunikation unserer Redaktionen untereinander ist der gute alte Zuruf von damals eh passé. Heute lenken Kommunikationstools wie Mattermost und ein standortübergreifendes Planungssystem den Redaktionsbetrieb zwischen Reportern, Editoren, Gestaltern und Disponenten. Diese Strukturen haben geholfen, dass der Auszug ins häusliche Exil kein Chaos verursachte, sondern erstaunlich gelassen vonstattenging.

Dass sich diese Kolumne ausnahmsweise einmal mit uns selbst befasst, hat nichts mit Nabelschau zu tun. Wir wissen, wo die wahren Alltagshelden zu finden sind, über die wir schreiben und die nicht der Gefahr ein Stück weit aus dem Wege gehen können: Ärzte, Krankenpfleger, Polizisten und Feuerwehrleute, Supermarkt-Kassierer oder Altenpfleger. Aber auch wir liefern ein Gut, das auch mit zum Funktionieren unserer Stadt im Krisenmodus beiträgt: mit fundierten und geprüften Informationen, gesammelt aus vertrauenswürdigen Quellen; mit der täglichen, ja stündlichen Aufgabe, die Informationsflut so zu kuratieren und kanalisieren, dass sie verlässliche Orientierung bietet und Raum zum Diskutieren gibt.

Dass dafür das Bedürfnis in diesen Krisentagen gewaltig gestiegen ist, zeigen uns die Zahlen. Unsere Homepages mit den Live-Blogs zum Thema Corona überschreiten an manchen Tagen die Besucherzahl von 100 000 und liegen doppelt so hoch wie früher an einem normalen Tag. Auch unsere Social-Media-Kanäle wachsen beständig: Fast 45 000 Menschen aus Remscheid, Solingen, Wermelskirchen und Burscheid folgen uns auf Facebook. Nicht zuletzt erfährt die Zeitung, sei es gedruckt oder digital, eine Renaissance: Es hat eben etwas für sich, sich als „Morgen-Briefing”, gebündelt und abgeschlossen, einen Überblick über das Geschehen und die Entwicklung der letzten 24 Stunden liefern zu lassen.

Sie, unsere treuen Leserinnen und Leser, sind eine wichtige Säule, die unsere Arbeit mitfinanziert. Gerade in den wirtschaftlich schweren Zeiten, in denen viele Anzeigen und Beilagen storniert werden. Deshalb können wir auch trotz Krise nicht alle Inhalte offen zur Verfügung stellen, wie das gelegentlich gefordert wird. Selbstverständlich bleiben die aktuellen Beiträge, die zur Orientierung in der Zeit der Krise dienen wie der Live-Ticker, frei zugänglich. Doch die vertiefende lokale Berichterstattung, der recherchierte Hintergrund oder das besondere Expertengespräch sollten den interessierten Lesern und Nutzern einen Obolus wert sein.

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