Chatberatung

Beratungsstellen für Frauen befürchten Gewalt-Anstieg

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Christel Steylaers ist Gleichstellungsbeauftragte. 

Quarantäne, Kontaktverbot: Daheim kann es derzeit krachen. Die Polizei verzeichnet allerdings nicht mehr Einsätze.

  • Kontaktverbot in Remscheid birgt Konfliktpotenzial.
  • Beamte sind für Einsätze speziell geschult.
  • Frauen, die Hilfe benötigen, können sich an die Frauenberatungsstelle wenden.

Von Melissa Wienzek und Kristin Dowe

Remscheid. 287 Remscheiderinnen und Remscheider befinden sich zurzeit in angeordneter häuslicher Quarantäne. Die Zahl der Menschen, die zu Hause sind, ist aber weitaus höher: Viele bleiben freiwillig daheim, halten sich an die Kontaktsperre, nehmen restliche Urlaubstage, betreuen ihre Kinder oder arbeiten im Homeoffice. Die ganze Zeit gemeinsam in den eigenen vier Wänden – das birgt Konfliktpotenzial.

Keine Zunahme von Einsätzen wegen häuslicher Gewalt in Remscheid

Eine Zunahme von Einsätzen wegen häuslicher Gewalt habe die Polizei im Städtedreieck bislang nicht zu verzeichnen, kann Alexander Kresta, Sprecher der Polizei Wuppertal, auf Nachfrage beruhigen. „Wir hoffen, dass sich dieser Trend weiterhin fortsetzt.“ Besondere Vorkehrungen im Hinblick auf häusliche Gewalt treffe die Polizei angesichts der Corona-Krise nicht. „Einsatzanlässe dieser Art gehören quasi zum Alltagsgeschäft, jede Situation gestaltet sich jedoch anders“, betont Kresta.

Die Beamten seien für solche Einsätze speziell geschult, und die polizeilichen Maßnahmen hingen immer stark vom Einzelfall ab. „Manchmal können familiäre Streitigkeiten auch kommunikativ gelöst werden. Sollte es erforderlich sein, wird gegen den Aggressor eine Wohnungsverweisung von zehn Tagen ausgesprochen“, erläutert der Polizeisprecher einen Aspekt des Gewaltschutzgesetzes. „Weitere Schritte müssen von Geschädigten über das zuständige Gericht veranlasst werden.“

„Man kennt das Phänomen von Weihnachten.“
Christel Steylaers, Gleichstellungsbeauftragte Remscheids

Gleichstellungsbeauftragte befürchtet mehr Gewalthandlungen in Remscheid

Die Frauenberatungsstellen in Remscheid erwarten allerdings, dass Gewalthandlungen gegen Frauen und Kinder zunehmen werden. „Das war mein erster Gedanke, als es hieß, alle sollen zu Hause blieben“, sagt Christel Steylaers, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt. „Man kennt das Phänomen von Weihnachten. Man geht sich dann schnell schon mal auf den Geist.“ Daraus resultierten oft Konflikte, die zuweilen in Gewalt ausarteten. „Dass die Polizei noch keine gestiegenen Einsätze verzeichnet, liegt vielleicht daran, dass das Wetter schön ist und man sich zumindest zeitweise noch ein wenig aus dem Weg gehen kann.“ Sollte das Wetter umschlagen, könnte das gleiche allerdings auch mit dem Haussegen geschehen.

Frauen, die Hilfe benötigen, können sich an die Frauenberatungsstelle, Tel. 66 24 66, das Frauenhaus, Tel. 99 70 16, oder die bundesweite, kostenlose Hotline Tel.  (0 80 00) 11 60 16 wenden. Diese ist rund um die Uhr erreichbar. Es gibt dort auch eine Chatberatung.

hilfetelefon.de

Anlässlich des Weltfrauentags erklärt Christel Steylaers, welche Hürden es noch gibt. Die Remscheiderinnen verschaffen sich Gehör – beim Fest anlässlich des Internationalen Frauentags.

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