Tag des Gedenkens

Verein und Stadt luden zum stillen Gedenken in den Pferdestall

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Neben Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz gehörte auch Artour Gourari (links), Gemeinderat der jüdischen Kultusgemeinde, zu den Rednern im Pferdestall.

Der „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ fand am 27. Januar in der Remscheider Gedenkstätte statt.

  • Die Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall ist am Remscheider Polizeipräsidium.
  • Anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz gab es dort eine Veranstaltung.
  • Eine Initiative von EMA-Schülern hatte das Projekt Pferdestall 2018 angestoßen. 

Anlässlich des 75. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am Montag hatten die Stadt Remscheid und der Trägerverein der Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall zu einer gemeinsamen Veranstaltung eingeladen. Seit 1996 gilt der 27. Januar als bundesweiter Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. 

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Neben Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz gehörte auch Artour Gourari, Gemeinderat der jüdischen Kultusgemeinde, zu den Rednern. Im Anschluss hatten die Teilnehmer zudem die Gelegenheit, an einer Führung durch die Ausstellung und eines Erweiterungsmoduls zu Bewährungssoldaten teilzunehmen. red

Unser Bericht vom 21.01.2020: Gedenken an NS-Opfer in der Bildungsstätte Pferdestall

Remscheid. Mit Errichtung der Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall 2018 ist es zum zweiten Mal möglich, den „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ am 27. Januar in einer Remscheider Gedenkstätte zu begehen. Zu einer stillen Gedenkminute laden der Verein und die Stadt für Montag, 27. Januar, um 12 Uhr ein. Im Anschluss können Interessierte an einer Führung durch die bestehenden Ausstellungen sowie eines Erweiterungsmoduls zu Bewährungssoldaten teilnehmen. Gäste werden gebeten, das Gelände über die Treppe der Martin-Luther-Straße gegenüber Hausnummer 61 zu betreten.

Die Gedenkstätte Pferdestall am Quimperplatz.

Der „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ am 27. Januar ist in Deutschland seit 1996 ein Gedenktag. Er ist als Jahrestag bezogen auf den 27. Januar 1945, den Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau und der beiden anderen Konzentrationslager Auschwitz durch die Rote Armee im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs. Zum internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust wurde der 27. Januar von den Vereinten Nationen 2005 erklärt. red

Innenminister Reul weiht Gedenkstätte „Pferdestall“ ein

Artikel vom 21.09.18

120 Gäste eröffneten den Pferdestall. Herbert Reul gibt dem Förderverein Planungssicherheit.

Von Andreas Weber

Vor 120 geladenen Gästen wurde die Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall am Polizeipräsidium am Donnerstagmorgen feierlich mit einer Ausstellung eingeweiht. Der Förderverein hält zwar noch keinen Nutzungsvertrag in den Händen, hat aber die größten Hürden auf dem Weg zu einer festen Anlaufstelle am Quimperplatz genommen. NRW-Innenminister Herbert Reul, hochrangiger Ehrengast des anderthalbstündigen Festakts mit Ansprachen und Büfett, ließ keinen Zweifel: „Das Gebäude ist da, sie können planen. Jetzt sind sie in der Verantwortung“, rief er den EMA-Schülern zu, auf deren Initiative hin das Projekt vor drei Jahren angestoßen worden war. „Außergewöhnlich“, nannte es Reul, darauf anspielend, dass es Jugendliche sind, die Geschichtsaufarbeitung zu ihrem Anliegen erklärt haben.

Eröffnung der Gedenkstätte: Roya Banaeian (EMA-Abiturientin 2017) bittet NRW-Innenminister Herbert Reul um einen Eintrag ins Gästebuch.

Im Pferdestall waren im Dritten Reich Verfolgte des NS-Regimes, vor allem Juden, vor ihrer Deportation eingefercht worden. Die Geschichts-AG der EMA um Lehrer Klaus Blumberg fand, dass dieser Ort der richtige sei, um in Remscheid das bislang fehlende, bleibende Gedenken zu ermöglichen. Olaf Wiegand, kommissarischer Schulleiter, verglich den Einsatz seiner Schüler mit der „Never again“-Bewegung in Florida, die sich nach dem Schulmassaker in Parkland am 14. Februar 2018 gebildet hatte. Auch in Remscheid heißt es: Nie wieder.

„Wie in Parkland ist das Eurer Beharrlichkeit zu verdanken“, meinte Wiegand und sprach „von tief empfundenen Respekt“. Hans Heinz Schumacher, Vorsitzender des Vereins Gedenk- und Bildungsstätte, schloss nahtlos an: „Was kann unserer Gesellschaft besseres passieren, als wenn junge Menschen sich auf diese Weise engagieren, Orte der Erinnerung fordern und schaffen.“ Schumacher dankte neben Herbert Reul („Dass wir in kurzer Zeit so weit fortgeschritten sind, haben wir ihm zu verdanken“), auch Polizeipräsident Markus Röhrl und seinen Mitarbeitern. Röhrl, acht Monate im Amt, mochte seinen Anteil nicht zu hoch hängen, versicherte aber: „Wir wollen, dass der Pferdestall auch zu einem Ausstellungs- und Lernort für Polizeibeamte wird.“ Es höre sich pathetisch an, sagte Röhrl, „aber der Pferdestall ist eine Herzensangelegenheit“.

Besuch im Pferdestall wird zur Pflicht für junge Polizeibeamte

Hier harrten einst Menschen ihrer Deportation. Derzeit beherbergt der Pferdestall zwei Ausstellungen. Das aber nur vorübergehend.

Der Polizeipräsident erinnerte daran, dass sich zu Zeiten des Nationalsozialismus auch „Polizeibeamte zu einem Werkzeug des Unrechtregimes“ gemacht hätten. Auf den Pferdestall bezogen, erkannte er: „Viele Polizisten haben sich an diesem Ort an schlimmen Verbrechen beteiligt, sie sind zu Tätern geworden.“ Bezogen auf den alarmierenden Rechtsruck in dieser Gesellschaft mahnte Röhrl: „Der Firnis unserer Demokratie ist dünn.“ Auch deshalb dürfe es keine „geschichtsvergessene Polizei“ geben. „Ich werde den Besuch von dieser und weiteren Ausstellungen für alle neuen, jungen Beamten im Bereich des Präsidiums Wuppertal anordnen“, erklärte der Polizeichef unter dem Beifall der Zuhörer.

AUSSTELLUNG

PFERDESTALL Die neue Ausstellung, die ab sofort im Pferdestall, Quimperplatz, präsentiert wird, beschäftigt sich auf 16 Tafeln mit „Im Schatten der Erinnerung: Schandtaten und Verbrechen im Westen“. Die Ausstellung, die aus Mainz kommt, beschäftigt sich mit der NS-Besatzung in den Benelux-Staaten (Belgien, Niederlande, Luxemburg). Termine für den Besuch können über das Sekretariat des EMA-Gymnasiums vereinbart werden.

Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz freute sich angesichts des „immer dreisteren Auftretens von Nationalisten, Rechtsextremen und Reichsbürgern“, dass sich junge Menschen „gegen jede Form eines Angriffs auf unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung wehren“. Der OB dankte auch den anderen Remscheider Gymnasien, die sich zum Beispiel auch an der Pflege der Stolpersteine beteiligen. Und die EMA-Schüler um Festakt-Moderator Francesco Lo Pinto lobte er: „Dass sich das ,Who is who’ städtischer und weiterer Repräsentanten an einem Donnerstagmorgen hier versammelt, ist eine Leistung.“

Zu den Festrednern im Backsteinbau zählte Roman Franz, Vorsitzender des Landesverbandes NRW der Sinti und Roma. „Mich beeindruckt das Engagement sehr.“ Vor 40 Jahren begann Franz mit seiner Arbeit. „Damals wäre eine solche Gedenkstätte hier nicht möglich gewesen“, stellte Franz fest. Es habe ein Sinneswandel stattgefunden. „Heute hören uns die Menschen zu.“

Auch die Jugend habe sich positiv geändert. „Man muss ihnen auch die Chance geben“, fügte er hinzu. Die erhalten sie nun im Pferdestall, der für das Gedenken nur noch wenig verändert wird. Den gern zitierten Satz „Wehret den Anfängen“ teilt Roman Franz nicht ganz. Denn: „Wir sind nicht mehr bei den Anfängen, sondern längst mittendrin.“

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