Kommt eine Corona-Testpflicht am Arbeitsplatz?

Arbeitgeberverband und Gewerkschaftsbund zum Corona-Testen in Firmen

Tests in Unternehmen wollen beide, doch ob das zur Pflicht werden soll, da gehen die Meinung von Peter Lange und Dr. Marcus Jankowski auseinander.
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Tests in Unternehmen wollen beide, doch ob das zur Pflicht werden soll, da gehen die Meinung von Peter Lange und Dr. Marcus Jankowski (Foto unten) auseinander.

Während die Politik auf Bundes- und Landesebene noch diskutiert, sind die Rollen vor Ort in Remscheid klar verteilt.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Die Arbeitnehmer-Vertreter fordern sie, die der Arbeitgeber lehnen eine gesetzliche Verpflichtung ab.

Dr. Marcus Jankowski, Vorsitzender des Remscheider Arbeitgeberverbandes, setzt zum Beispiel weiterhin auf eine freiwillige Umsetzung in den Firmen: „Letztlich kann sich kein Unternehmen leisten, fahrlässig Covid-19-Infektionherde entstehen zu lassen“, sagt er – und verweist darauf, dass die Remscheider Firmen längst ihre Hausaufgaben in Sachen Hygienekonzept gemacht hätten.

Dr. Marcus Jankowski (l.) vom Arbeitgeberverband ist gegen eine Pflicht, Peter Lange vom DGB dafür.  

Derweil sind Peter Lange, Vorsitzender des DGB in Remscheid, freiwillige Selbstverpflichtungen nicht mehr genug: „Dort, wo es Gefahrensituation für eine Ansteckung in den Betrieben gibt, muss den Mitarbeitern mindestens zweimal pro Woche ein kostenfreies Testangebot durch den Arbeitgeber gemacht werden.“ Lange denkt dabei vor allem an Situationen, bei denen der notwendige Abstand nicht eingehalten kann. Und fordert deswegen auch, dass allen Mitarbeiter, die grundsätzlich von zu Hause Arbeiten können, diese Möglichkeit auch eingeräumt wird.

Remscheid: Über den Ablauf von Tests ähnliche Vorstellungen

Obwohl über die Frage der Pflicht uneins, haben Arbeitgeber und Gewerkschaften über den Ablauf solcher Tests ganz ähnliche Vorstellungen. Sinnvoll sei, dass sich die Kollegen „bereits zu Hause selbst testen, so das zunächst positiv getestete Personen den Betrieb gar nicht erst betreten“, sagt Peter Lange. Und auch Dr. Marcus Jankowski meint: „Schon aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes wäre die Vorortumsetzung problematisch.“ Deswegen appelliere man an die Eigenverantwortung der Mitarbeiter, sich bei einem positiven Schnelltest in Quarantäne zu begeben und einen PCR-Test nachschieben.

„Die bisherigen Erfahrungen in der Pandemie zeigen, dass in Betrieben, in denen Betriebsräte vorhanden sind, in Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern gute Sicherheitskonzepte eingerichtet haben, die auch gut gelebt werden“, berichtet Lange. Probleme gebe es eher in Firmen ohne Arbeitnehmervertretung: „Auf diese Betriebe sollten Berufsgenossenschaften und staatliche Aufsicht bei der Überwachung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes generell und gerade in diesen Zeiten einen stärkeren Fokus legen.“

Dr. Marcus Jankowski, neben seinem Ehrenamt beim Arbeitgeberverband hauptberuflich Geschäftsführer des Sägeband-Herstellers Robert Röntgen GmbH, ist für sein Unternehmen übrigens bereits tätig geworden. Man habe Selbsttest bei zwei Anbietern bestellt und warte derzeit auf die Lieferung, berichtet er. Im Gegensatz zu den Forderungen vieler Wirtschaftsverbände sei er auch bereit, die Kosten dafür zu tragen, bei zwei Tests pro Woche immerhin rund 10.000 Euro pro Monat, sagt Jankowski: „Die Rechnung zur Coronakrise wird am Ende kommen, da müssen wir diese nicht noch größer machen.“

Welche Beschränkungen wegen des Coronavirus gelten aktuell in Remscheid? Das haben wir für Sie in einem Artikel zusammengefasst, den Sie hier finden: Ein Überblick über die Corona-Regeln in Remscheid.

Aktuelle Informationen zur Corona-Situation in Remscheid erhalten Sie in unserem Corona-Blog.

Standpunkt: Schnelle Lösung muss her

Von Sven Schlickowey

sven.schlickowey@rga.de

Sie wollen beide das gleiche, sind beim Weg dorthin aber unterschiedlicher Meinung: Gewerkschaften und Arbeitgeber streiten über eine mögliche Testpflicht in Unternehmen. Während der DGB-Vorsitzende auf die schwarzen Schafe verweist, denen wohl nur mit einer Vorschrift beizukommen ist, fürchtet der Arbeitgebervertreter zusätzliche Bürokratie, womit ja vor allem die Firmen bestraft würden, die sich auch ohne Pflicht vorbildlich verhalten. Dass freiwilligen Selbstverpflichtungen der Wirtschaft nicht immer zu trauen ist, hat die Vergangenheit gezeigt. Dass aber in der Kürze der Zeit, in der nun eine Lösung her muss, ein neues und kaum zu überwachendes Bürokratiemonster helfen soll, glaubt vermutlich auch niemand. Statt also die paar Firmen, die nun entgegen jeder Vernunft nichts unternehmen, irgendwann mal mit einem Bußgeld zu bestrafen, wäre es vermutlich sinnvoller, die überwiegende Mehrheit der Unternehmen bei der Besorgung der Tests zu unterstützen. Denn das wird schon schwierig genug.

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