Alte Deponie

Bei Starkregen säuft die Hofschaft Morsbach ab

Gigantischer Blick auf die alte Deponie von Christian Mählers Haus an der Hammerstraße. Ein Gelände, von dem später einmal die Remscheider einen herrlichen Weitblick genießen können sollen. Foto: Andreas Weber
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Gigantischer Blick auf die alte Deponie von Christian Mählers Haus an der Hammerstraße. Ein Gelände, von dem später einmal die Remscheider einen herrlichen Weitblick genießen können sollen. 

Am Fuß der alten Deponie sorgen sich die Morsbacher und fordern: Die TBR müssen die Abflüsse besser reinigen.

Von Andreas Weber

Remscheid. In der Nacht auf den 10. Juni 2018 ging die Ortschaft Morsbach unter. Mal wieder. Das Hoffest der Morsbacher auf dem Grundstück der Töbelmanns musste am späten Abend abgebrochen werden, nachdem sich die Fluten, die über die Ackerstraße herunterschossen, in der Dorfniederung Bahn brachen, Häuser und deren Keller überschwemmten. Christian Mähler gehörte zu den Gästen, die das Glas aus der Hand stellten und als freiwilliger Feuerwehrmann mit den Kameraden schnelle Hilfe leistete.

Land unter in Morsbach im Juni 2018: Das muss nicht sein, sagt Christian Mähler und verweist auf zugewucherte Wassergräben. 

28 Monate später stapft Christian Mähler mit dem CDU-Stadtverordneten Norbert Schmitz und dem RGA den steinigen Fußweg hoch, der sich von den Ausläufern der Ackerstraße zur alten Deponie windet. Auf halber Höhe zum Wertstoffhof stößt der Pfad auf eine asphaltierte, nicht öffentliche Straße, eine Zufahrt für die Technischen Betriebe Remscheid (TBR). Sie endet am Böschungsrand der Deponie an einem verschlossenen Tor mit zwei Flügeln. An dieser Stelle, zeigt Mähler dem Redakteur, läuft es bei Unwetter aus dem Ruder. Die Wassermassen, die von oben herunterschießen, treten über die zugewachsenen Gräben, reißen Schlamm, Steine und Äste mit sich, die sich dann an dem Gitter stauen, abgeleitet werden und über den Waldweg ins Tal wälzen.

„Irgendwie ist das hier vergessenes Land.“

Norbert Schmitz, Ratsmitglied

Bei dem Starkregen 2018 wurde der Wanderweg zerstört. Die TBR mussten die fußläufige Verbindung zur Solinger Straße wieder herrichten. Was damals zum wiederholten Male passierte, müsste nicht sein, ärgert sich Mähler. „Das Problem wird bleiben, wenn niemand die Abflüsse vernünftig reinigt“, warnt der Anwohner aus der Hammerstraße. 

Er selbst ist nicht betroffen, wohl aber sein Vater Gustav Adolf, der unten im Tal zu den Opfern zählt, wenn die Fluten außer Kontrolle geraten. Mehrmals hat Gustav Adolf den Missstand beklagt. „Es heißt bei der TBR zwar, man werde schauen und es abstellen, aber es passiert nichts.“ Christian Mähler befürchtet deshalb: „Beim nächsten Starkregen säuft die Hofschaft wieder ab.“ Mähler ist mit Schmitz im Morsbach groß geworden. Die Natur vor der Tür hatten die Jungs einen Abenteuerspielplatz. „Aber ich erinnere mich auch an brennenden Hausmüll auf der Kippe und tote Rehe, die wohl an verseuchtem Wasser verendet waren“, denkt Schmitz zurück.

Bei Unwettern staut sich an diesem Deponietor das Wasser und schießt linkerhand den Wanderweg runter, beklagt Christian Mähler. 

Heute wird alles getan, Remscheid ein starkes Stück Freifläche mit Fernblick intakt zurückzugeben. Die Rekultivierung der einstigen Müllkippe läuft auf Hochtouren. Bis 2024, spätestens 2025 soll sie durch die TBR abgeschlossen sein. Anfang 1976 ging die Müllverbrennungsanlage Küllenhahn in Wuppertal in Betrieb, im Juli 2009 wurde die Deponie an der Solinger Straße geschlossen.

Ulrich Dreesen verspricht, sich des Problems anzunehmen

2002 war mit dem Bau des Vorschüttkörpers begonnen worden. Seither wird die Stabilisierung und Verdichtung des riesigen Steilhangs zwischen dem Fürberg und Vieringhausen vorangetrieben. Ein gewaltiges Areal mit einem Höhenunterschied von 125 Metern wird in fünf Bauabschnitten hergerichtet. Der zweite läuft. 170 000 qm beträgt die Rekultivierungsfläche, aufgeteilt in 120 000 Quadratmeter Böschung und 50 000 qm Plateau.

Oben auf dem Kopf soll sich der beengte Wertstoffhof adäquat ausbreiten können, wahrscheinlich noch vor dem Ende der Rekultivierung 2024. Denn so wie sich die Menschen im Tal vor dem Wasser fürchten, so graut den Anwohnern an der Solinger Straße vor den täglichen Rückstaus, die sich an der Einfahrt zum Wertstoffhof bilden – verbunden mit Lärm, Dreck und Behinderungen im fließenden Verkehr Richtung Solingen. TBR-Chef Michael Zirngiebl weiß um die Problematik, die sich entspannen wird, wenn der Wertstoffhof mehr Kunden aufnehmen kann. Auch Diplom-Ingenieur Ulrich Dreesen, seit 28 Jahren an der Deponie und federführend mit der Rekultivierung betraut, verspricht den Mosbachern Abhilfe. Er werde sich Gräben und Wasserführung anschauen und Lösungen prüfen, erklärte Dreesen dem RGA. Norbert Schmitz findet, dass Morsbach die Aufmerksamkeit verdient: „Irgendwie ist das hier vergessenes Land.“

Aus Deponie könnte ein Park werden

Die Grundlage für eine künftige Freizeitfläche, auf der sich die TBR-Führung heute einen Park zum Spaziergehen, Ausruhen und Erholen vorstellen kann, wird derzeit an der alten Deponie gelegt. Damit der riesige Steilhang nicht abrutscht, wird er mit 2,60 Meter dickem Material befestigt: Auf eine Tragschicht von 50 Zentimetern kommt eine mineralische Dichtung aus Ton mit 30 cm, eine Entwässerungsschicht von 30 cm sowie on top ein 1,50 Meter dicker Rekultivierungsboden.

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