Corona-Krise

5700 Firmen beantragen Kurzarbeit - Folgen für den Ausbildungsmarkt

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Ein sehr negativer Trend zeichnet sich für den Ausbildungsmarkt ab.

Corona-Krise: Die Zahlen im Städtedreieck übersteigen alles Dagewesene. Das hat auch Folgen für den Ausbildungsmarkt.

  • Im Bergischen Städtedreieck haben rund 5700 Betriebe Kurzarbeit angezeigt.
  • Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Wirtschaft übertrifft alles bisher Dagewesene.
  • Ansturm der Firmen auf die Arbeitsagentur ist groß.

Von Stefan Prinz

Martin Klebe, Chef der Arbeitsagentur, bittet um Geduld.Archivfoto: Doro Siewert

Remscheid. Im bergischen Städtedreieck haben rund 5700 Betriebe (Stand 27. März) Kurzarbeit angezeigt. Das hat gestern die Arbeitsagentur Solingen-Wuppertal auf Nachfrage mitgeteilt. Dabei handelt es sich um eine Schätzung, da noch nicht alle Anträge verarbeitet worden seien. „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann auch noch keine Aussage zur Anzahl der betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer getroffen werden“, heißt es aus der Agentur. Diese Daten liegen immer erst mit mehreren Monaten Verzögerung vor.

„Wir mobilisieren alle verfügbaren Kapazitäten.“
Martin Klebe Leiter der Arbeitsagentur

Klar ist schon jetzt: Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Wirtschaft übertreffen alles bisher Dagewesene: Gegenüber der Finanzkrise im Jahr 2009 ist die Zahl der Kurzarbeit-Betriebe fast vier Mal so hoch. Seinerzeit hatten 1 500 Firmen Kurzarbeit angezeigt, wobei damals der Schwerpunkt auf der Industrie lag. Im Unterschied zu damals seien jetzt wesentlich mehr Branchen von der Krise betroffen.

Corona-Krise übertrifft auch in Remscheid alles bisher Dagewesene

Der Ansturm der Firmen auf die Arbeitsagentur ist aktuell so groß, dass sich die Behörde organisatorisch ganz neu aufstellen musste, um möglichst viel Personal für die Bearbeitung der Anträge freimachen zu können: „Wir mobilisieren alle verfügbaren Kapazitäten, um möglichst rasch die benötigten Leistungen zu überweisen“, betont Martin Klebe, Leiter der Arbeitsagentur. „Aufgrund der extrem hohen Zahl eingegangener Anzeigen auf Kurzarbeitergeld bitte ich um Verständnis und Geduld, dass die Bearbeitung und Zahlbarmachung der Gelder etwas Zeit beanspruchen wird“, sagt Klebe.

Bergische Industrie- und Handelskammer sieht die Entwicklung mit Sorge

Auch die Bergische Industrie- und Handelskammer (IHK) sieht die Entwicklung mit Sorge: „Das übertrifft alles, mit dem wir vor kurzem rechnen konnten“, erklärt Thomas Grigutsch, der in der IHK für den Bereich Unternehmensförderung und -sicherung zuständig ist. Die Kurzarbeit sei nun der Rettungsanker für viele Unternehmen, um diese Krise überstehen zu können.

„Im Gastronomiebereich sind es sogar 40 Prozent.“
Thomas Grigutsch, bei der IHK verantwortlich für Unternehmensförderung über drohende Insolvenzen

Die IHK befürchtet, dass es in der Folge zu zahlreichen Insolvenzen kommen könnte. Einer Umfrage zufolge rechnet jeder zehnte Unternehmer mit einer drohenden Insolvenz. „Im Gastronomiebereich sind es sogar 40 Prozent“, so Grigutsch.

Der bergische CDU-Bundestagsabgeordnete Jürgen Hardt betont: „Durch Kurzarbeit werden die Betriebe von den Lohnkosten und Sozialversicherungsbeiträgen entlastet. Wenn das Wirtschaftsleben wieder weitergehen kann, können auch die Arbeitnehmer von heute auf morgen sofort ihrer Tätigkeit nachgehen“, so Hardt. „Die Erfahrung aus der Finanzkrise zeigt, dass dies ein großer Vorteil ist.“

Arbeitsmarktzahlen sind derzeit nicht sehr aussagekräftig

Der bergische Arbeits- und Ausbildungsmarkt ist in einer starken Bewegung. Aus diesem Grund seien die Arbeitsmarktzahlen nicht sehr aussagekräftig, heißt es aus der Arbeitsagentur. Denn die Zahlen seien vor rund zwei Wochen, zu Beginn der Corona-Krise erhoben worden.

Ein sehr negativer Trend zeichnet sich für den Ausbildungsmarkt ab. Denn in den vergangenen sechs Monaten sei die Zahl der Ausbildungsplätze im Städtedreieck bereits gesunken. Die Corona-Krise werde diesen Trend voraussichtlich weiter verstärken, glaubt die Agentur für Arbeit. 

IG METALL

FORDERUNG Der Remscheider IG-Metall-Chef Marko Röhrig fordert eine Korrektur bei der Kurzarbeit. Rückwirkend zum 1. März würden den Arbeitgebern die Beiträge zur Sozialversicherung zurückerstattet. Das gilt für den Arbeitgeber- und den Arbeitnehmeranteil. Röhrig findet das nicht gerecht. „Die Weitergabe des Arbeitnehmeranteils der Sozialversicherungsbeiträge würde vielen Menschen finanziell helfen und ist auch ein Gebot der Gerechtigkeit. “

STANDPUNKT Diese Zahl lässt hoffen

Von Stefan Prinz

stefan.prinz @rga-online.de

Die Corona-Krise erwischt die bergische Wirtschaft mit voller Wucht: 5700 Firmen haben bereits Kurzarbeit angemeldet. Weitere dürften demnächst folgen. Das ist eine Zahl, die es so seit dem Zweiten Weltkrieg noch nicht gegeben hat. Aber bei aller Dramatik sollte nicht übersehen werden: Diese Zahl lässt auch hoffen. Denn damit wird deutlich, wie groß der finanzielle Schutzschirm ist, den der Staat für die Wirtschaft aufgespannt hat. Davon werden viele Unternehmen unseres Bergischen Landes profitieren. 

Nach dem Ende der Corona-Maßnahmen muss allerdings vermieden werden, dass diese Betriebe in die Insolvenz rutschen. Wir Kunden können dabei mithelfen: Indem wir so bald als möglich all jene Händler, Solo-Selbstständige und alle anderen Betriebe unterstützen, die in unserer Stadt ihre Leistungen anbieten. Nach dem Gebot „Abstand halten“ ist das dann der wichtigste Betrag, Solidarität zu zeigen.

Anteil an arbeitslosen Jugendlichen ohne Abschluss ist in den vergangenen zehn Jahren gestiegen.

Das BZI erweitert sein Orientierungsangebot auf die Industrie. Firmen sollen davon profitieren.

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