Terror gegen Pizzeria

Pizzeria Dallas: Gastronomen wollen keine Selbstjustiz

Andrea und Georgios Tsolakidis vertrauen weiterhin auf Polizei und Rechtsstaat.
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Andrea und Georgios Tsolakidis vertrauen weiterhin auf Polizei und Rechtsstaat.
  • Axel Richter
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Zerstochene Autoreifen, eingeschlagene Scheiben: Die jahrelange Zerstörungswut gegen den Imbiss ist weiter Thema in der Stadt.

  • Seit drei Jahren werden die Betreiber der Pizzeria Dallas in Remscheid regelrecht terrorisiert.
  • Autoreifen werden zerstochen, Fensterscheiben eingeschlagen, Wände beschmiert – der Schaden geht in die Tausende.
  • Das Gastronomen-Ehepaar hat einen Verdacht, wer der Verursacher sein könnte, doch bisher fehlen Beweise.

Remscheid. Das von einem Mann terrorisierte Gastronomenpaar Andrea und Georgios Tsolakidis möchte mit Aufrufen zur Selbstjustiz nichts zu tun haben. „Wir sind nicht daran interessiert, dass Kopfgelder auf denjenigen ausgesetzt werden, der uns das Leben zur Hölle macht“, schreiben die Inhaber der Pizzeria Dallas in Alt-Remscheid: „Falls Sie durch Flyer oder Mundpropaganda etwas anderes hören sollten, so haben wir damit nichts zu tun.“

Wie berichtet, werden dem Wirtepaar seit annähernd drei Jahren die Autoreifen zerstochen, Wände beschmiert oder Fensterscheiben eingeschlagen. Die Tsolakidis’ sind sicher, den Verursacher zu kennen. Allein: Für seine Täterschaft fehlen sowohl Zeugen als auch Beweise. Polizei und Staatsanwaltschaft sind deshalb die Hände gebunden.

Mittlerweile landeten private Fahndungsaufrufe in den Briefkästen der Bürger. „Wir distanzieren uns von solchen Dingen“, schreiben die Tsolakidis’: „Wir möchten auf legale Art und Weise zu unserem Recht kommen. Wir vertrauen weiterhin auf Polizei und Rechtsstaat.“ -ric-

Artikel vom 27.1.2021

Pizzeria Dallas: Terror nimmt kein Ende – und keiner hilft

Zerstochene Autoreifen, eingeschlagene Scheiben: Die jahrelange Zerstörungswut gegen den Imbiss wird Thema in der städtischen Politik. Doch auch hier gibt es keine Hilfe für die Gastronomen.

Von Axel Richter

Remscheid. Der Terror gegen die Pizzeria Dallas in Remscheid wird (k)ein Politikum. Zwar brachte die SPD-Fraktion die Verzweiflung des Gastronomenpaares Andrea und Georgios Tsolakidis auf die Tagesordnung des nach der Kommunalwahl neu gegründeten Ausschusses für Bürgerservice, Ordnung und Sicherheit. Doch Ordnungsdezernentin Barbara Reul-Nocke (CDU) machte unumwunden deutlich, dass, wo Polizisten und Staatsanwälte nicht weiterkommen, der Stadt erst recht die Hände gebunden sind.

Wie berichtet, lebt das Ehepaar Tsolakidis, das an der Theodor-Körner-Straße in Alt-Remscheid einen Imbiss betreibt, seit Jahren in Angst. Autoreifen werden zerstochen, Fensterscheiben eingeschlagen, Wände beschmiert, das Ehepaar beschimpft und beleidigt.

Remscheid: Pizzeria seit Jahren immer wieder beschädigt – Tausende Euro schaden

Seit drei Jahren geht das so. Die Schäden gehen längst in die Tausende. Dabei glauben die Tsolakidis' den Verursacher gut zu kennen. Problem: Es gibt für sein Tun weder Zeugen noch Beweise. Alle Anzeigen, die das Ehepaar bei der Polizei erstattete, blieben deshalb ergebnislos, die Staatsanwaltschaft stellte die Verfahren ein.

„Wir als Stadt können und dürfen nichts unternehmen.“

Barbara Reul-Nocke, Ordnungsdezernentin

Der mutmaßliche Täter – das Ehepaar Tsolakidis spricht von einem ehemaligen Stammgast, der anschreiben ließ, seine Rechnungen aber nie beglichen hat – fühlt sich augenscheinlich sicher.

So sicher, dass er eine seiner jüngsten Schmierereien sogar mit seinem Namen versah. Er weiß: Solange ihn keiner auf frischer Tat ertappt, reicht auch das nicht als Beweis. Im Ausschuss ergriff Burhan Türken (SPD) deshalb die Initiative: „Die Menschen sind verzweifelt. Wir müssen eine Lösung für die Familie finden.“

Remscheid: Terror gegen Imbiss: Es fehlen Beweise – die Stadt kann nicht helfen

Die hätte auch Barbara Reul-Nocke gern, doch: „Mit Blick auf die Gewaltenteilung können und dürfen wir da nichts unternehmen.“ Für die Strafverfolgung seien im modernen Rechtsstaat die Strafverfolgungsbehörden zuständig. Und die bräuchten nun einmal einen Beweis für die Täterschaft. „So lange das nicht der Fall ist, können auch sie nichts tun.“

Roland Gedig (CDU) bat darum, dass der Kommunale Ordnungsdienst die Pizzeria wenigstens regelmäßig bestreifen möge. Das geschieht bereits. Auch bei der Polizei ist der Terror, unter dem die Gastronomen leiden, bekannt. Doch auch eine Gefährderansprache – so etwas gibt es sonst für Fußball-Hooligans – zeigte nicht den gewünschten Erfolg.

Was bleibt? Ein Rat. Das Ehepaar möge auf Videotechnik setzen. Vielleicht gerate der Täter ins Bild, erklärte Barbara Reul-Nocke. Das tat er schon einmal. Allerdings trug er eine Gesichtsmaske. Die Aufnahme war nicht verwertbar.

Immer wieder Ärger, wenn auch nicht so zielgerichtet, macht die Zerstörungswut unbekannter Täter an öffentlichen Gebäuden in Remscheid. Besonders auf das Parkhaus am Remscheider Hauptbahnhof haben sie es abgesehen.

Auf der Alleestraße gibt es ein prominentes Opfer von Vandalismus: Dem Tüpitter-Standbild auf der Alleestraße ist die Glocke abhandengekommen. Randalierer brachen sie aus ihrer Verankerung.

Irrer U-Bahn-Vandalismus in Berlin: Unbekannte beklebten eine Berliner U-Bahn nahezu flächendeckend mit Stickern der Band „Modern Talking“. Dieter Bohlen meldet sich dazu mit deutlichen Worten.

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