Mein Leben als Papa

Pappa ante portas: Keine Erholung für die Mama

Und plötzlich steht der Papa vor der Tür – und bleibt. Foto: lf
+
Und plötzlich steht der Papa vor der Tür – und bleibt. 

RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt in seiner Kolumne immer samstags vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (4 Jahre) und Michel (1 Jahr).

Wenn ich Urlaub habe, komme ich mir vor wie Heinrich Lohse aus Loriots Film „Pappa ante portas“. Plötzlich finde ich mich im Alltag meiner ohne mich eingespielten Familie wieder und stelle ihr unter der Woche Papa-freies Leben auf den Kopf.

„Jetzt müssen wir uns aber beeilen“, ermahnt die Mama um 8.30 Uhr. Und meint damit ausdrücklich nicht nur Hannes, sondern auch mich, der noch im „Schlawanzuch“ auf dem Spielteppich liegt, obwohl Hannes um spätestens 9 Uhr im Kindergarten sein muss.

Im Urlaub möchte ich mich nicht nur selbst ein bisschen erholen, sondern auch die Mama entlasten und ihr ein paar erholsamere Tage ermöglichen. So richtig gelingt mir das aber nicht, glaube ich. Zum Beispiel beim Essen. Während sie mit Kartoffeln, Nudeln, Gemüse und Tomatensoße oft eine ganze Woche lang gut über die Runden kommt, genügt mir das manchmal nur als Beilage. Immerhin stelle ich mich dann selbst an den Herd und koche für sie mit.

Eines Abends war die Mama nach langer Zeit sogar mal wieder mit Freunden essen, während Hannes, Michel und ich darum kämpften, wer als Erstes die Augen schließt.

Gut geschmeckt hätten die Spezialitäten vom Balkan, berichtete die Mama am nächsten Morgen. „Aber das Essen war richtig heiß, das kenne ich gar nicht mehr.“ Aus Gewohnheit habe sie ihren Freunden sogar angeboten, ihnen ihr Essen klein zu schneiden.

Auch ein Besuch im geliebten schwedischen Möbelhaus verläuft mit ihren drei Männern im Schlepptau enttäuschender als ohne. Statt entspannt durch die Wohnausstellung zu schlendern, wurden diesmal alle Abkürzungen genommen, um schnell in die Spielzeugabteilung zu kommen und dort Weichen für die Holzeisenbahn zu kaufen. Zur Belohnung wartete für sie am Ausgang zumindest Softeis. Also die an der Waffel herunterlaufenden Tropfen des Eises, die Michel nicht schnell genug aufschlecken konnte.

Meinen gut gemeinten Vorschlag „Geh doch mal zum Friseur und lass dich verwöhnen“ kam bei ihr leider falsch an. „Seh ich so schlimm aus?“, fragte sie – und ich versichere auch an dieser Stelle noch einmal: Nein, tust du nicht!

Leider war das Wetter in meiner Urlaubswoche ziemlich bescheiden. Einmal lugte die Sonne aber doch am späten Nachmittag aus einem rosafarbenen Himmel hervor. Nichts wie raus! Aber nicht mit Hannes und Michel, die gerade andere Pläne hatten, obwohl sie sonst doch so gerne an die frische Luft gehen. „Macht nichts“, sagte die Mama. „Mir reicht es, wenn ich den Sonnenuntergang durch die von Kinderhänden beschmierten Fenster sehen kann.“

Nein, erholsamer als andere Wochen war meine Urlaubswoche für die Mama nicht. Das beweist sogar der neue Fitness-Tracker, den sie nun nachts um ihr Handgelenk trägt. Ihre Tiefschlafphasen lagen zwischen 19 Minuten und knapp über einer Stunde.

Und jetzt steht auch noch auf der Kippe, ob wir in meinem nächsten Urlaub nach Holland fahren können – Corona sei Dank. Das wiederum könnte die Mama, die die Berge liebt, verschmerzen. Bleiben wir eben wieder zu Hause. Auch okay. Denn: Erholsam war meine Urlaubswoche für uns vielleicht nicht, aber trotzdem schön.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Die Lieblingsmarke ist wie ein bester Freund
Die Lieblingsmarke ist wie ein bester Freund
Neue Kita in Hasten: Der Rohbau steht
Neue Kita in Hasten: Der Rohbau steht
Ausgebüxter Junghund sorgt für Polizeieinsatz in Remscheid
Ausgebüxter Junghund sorgt für Polizeieinsatz in Remscheid
Feuerwehr löscht Küchenbrand in der Nordstraße
Feuerwehr löscht Küchenbrand in der Nordstraße

Kommentare