Mein Leben als Papa

FC Papa: Wenn Fußballer schwanger werden

Papa Freudenberg ist meistens nur noch als Torwart im Einsatz. Und auch nur dann, wenn nicht zu viele abgesagt haben. Foto: gf
+
Papa Freudenberg ist meistens nur noch als Torwart im Einsatz. Und auch nur dann, wenn nicht zu viele abgesagt haben. 

RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt von seinem Alltag als Vater von Hannes (4 Jahre) und Michel (1 Jahr).

Montagabends. 20.15 Uhr. Sporthalle. Fußball mit den Jungs. Es gibt diesen einen Termin in der Woche, der mir seit über 20 Jahren heilig ist. Doch es fängt an, zu bröckeln. Aus der einst besten Hobbyfußball-Truppe der Stadt, die bei Turnieren immer einen Pokal mitgenommen hat, ist schleichend ein ziemlich müder Haufen geworden. Was auch daran liegt, dass viele Kicker in den vergangenen Jahren Papa geworden sind.

In der Formel 1 heißt es, dass ein Kind einen Fahrer eine Sekunde pro Runde langsamer macht. Uns machen die Kinder, zumindest die kleinen, einfach träge. Jeden Montag wird in der WhatsApp-Gruppe gezittert, ob abends gespielt werden kann. Eine Wasserstandsmeldung jagt die nächste. Haben dann doch endlich mal wieder mindestens acht Leute zugesagt, verabschiedet mich Hannes mit hohen Erwartungen: „Papa, heute musst du zehn Tore für mich schießen!“ Und Michel reißt seine Arme hoch und jubelt euphorisch: „Tooor!“

Um ehrlich zu sein, brauche ich für zehn Tore mittlerweile drei Monate. Denn wenn ich merke, dass ich müde bin, gehe ich lieber ins Tor und schmeiße mich in die Schüsse der Mitspieler. So diese denn da sind.

Dominik, der drahtige Abwehrspieler, kommt seit der Geburt seiner Tochter vor fast einem Jahr gar nicht mehr. Er musste sich zwischen Basketball und Fußball entscheiden und gab uns einen Korb.

Tim, die flexibel einsetzbare Stimmungskanone, hat sogar schon drei Kinder. Rein statistisch ist davon eines immer krank oder will nicht einschlafen. Seine Standardnachricht: „Komme zehn Minuten später“.

Ali, der schlitzohrige Stürmer, ist noch länger dabei als ich, hat aber immer öfter familiäre Verpflichtungen. Absagen wie „Kann heute nicht, muss zum Laternenbasteln in den Kindergarten“ sind keine Seltenheit.

Robin, der technisch versierte Dauerläufer, hält sich trotz seiner zwei kleinen Töchter noch ziemlich wacker und ist fast immer da. Es sei denn, er weilt im Urlaub. Inzwischen vorwiegend auf Langeoog.

Thomas, der Sturmtank mit dem harten Schuss, kämpft seit der Geburt seines zweiten Kindes vor einen halben Jahr gegen einen wachsenden Bauchansatz und schneller ausgehende Puste. Immer wichtiger ist ihm das Bierchen nach dem Spiel geworden. Gut für ihn: Auch fast alle kinderlosen Mitspieler haben in den vergangenen Jahren ordentlich zugelegt. Eine Art Co-Co-Schwangerschaft unter Fußballern.

Zum Glück gibt es in unserem Team aber noch Methusalem André. Mit seinen 50 Jahren macht er uns vor, was auch als Papa und älterer Herr fußballerisch noch möglich ist. Kein Bauch, keine Klagen. Er wetzt die Linien rauf und runter wie Joshua Kimmich. Vielleicht, weil seine Kinder schon aus dem Gröbsten raus sind und er sich nebenbei als Jugendtrainer fit hält.

Er macht auch mir Hoffnung, dass sich mein Traum in ein paar Jahren doch noch erfüllen wird: Montagabends. 20.15 Uhr. Sporthalle. Fußball mit MEINEN Jungs – und natürlich den anderen Papas.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

SPD will Straße nach Willi Hartkopf benennen
SPD will Straße nach Willi Hartkopf benennen
38 Prostituierte sind in Remscheid gemeldet
38 Prostituierte sind in Remscheid gemeldet
Polizei ermittelt nach Mülltonnen-Brand in Lüttringhausen
Polizei ermittelt nach Mülltonnen-Brand in Lüttringhausen
A1: Zwölf Tonnen schweres Wohnmobil kippt nach Reifenplatzer
A1: Zwölf Tonnen schweres Wohnmobil kippt nach Reifenplatzer

Kommentare