Mein Leben als Papa

Der neue Kran treibt mich in den Wahn

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Der fertige Kran und der fertige Papa. Immerhin 9 von 200 Teilen hat er verbaut. 

RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (4 Jahre) und Michel (1 Jahr).

Es ist einer dieser Momente, die ich nicht mag: Mein Sohn steht vor mir und möchte, dass ich ihm beim Zusammenbauen eines neuen Spielzeugs helfe. So was ist gemeinhin eben Papa-Sache. Hannes’ Pech: Sein Papa hat zwei linke Hände. Auf einer Skala von 1 bis 10 bin ich eine 0. Wenn ich einen guten Tag habe, schaffe ich es eventuell, das Spielzeug aus dem Überraschungsei halbwegs sinnvoll zusammenzusetzen.

Nun liegen aber mehr als fünf Teile vor mir. So um die 200. Das Christkindchen hatte Hannes nämlich den heiß ersehnten Holzkran unter den Baum gelegt. 1,13 Meter hoch. Ein tolles Ding. Also gut, mein Sohn. Packen wir es an! „Zuerst sortieren wir mal alles“, weise ich Hannes an, als wüsste ich genau, wie es danach weitergeht. Im halben Zimmer liegen wenig später Bauteile und Schrauben verteilt. „Das sieht doch schon mal gut aus“, lüge ich und versuche, die Anleitung zu verstehen.

Wir starten mit den Rädern. Hannes reicht sie mir an, ich verbinde sie mit der Holzplatte. Klick. Klick, Klick, Kli . . . „Müssen die Dinger nicht andersrum da rein?“, unterbricht mich Hannes. „Sehr gut aufgepasst, mein Junge!“ Das Ganze noch mal von vorn – und fertig. 9 von 200 Teilen sind verbaut.

Der Kran muss nun an Höhe gewinnen. Tut er aber nicht. Stattdessen verliere ich langsam die Nerven, verbreite aber weiter Optimismus. „Können wir das schaffen?“, fragt Papa, der Baumeister. „Jo, wir schaffen das!“, antwortet Hannes.

Gar nichts schaffen wir. Es hilft nichts. „Hol mal die Mama“, kapituliere ich. Wenig später betritt die Frau, die schon dutzende Ikea-Möbel aufgebaut und daran sogar Spaß hat, das Kinderzimmer. Angetrieben von dieser grenzenlosen Zuversicht, die nur passionierten Hobby-Handwerkern zu eigen ist. Ihre Aura verrät: „Das krieg ich hin, kein Problem.“

Sie guckt nicht mal in die Anleitung, sondern nur auf das Kran-Foto auf der Verpackung – und legt los. Dass Michel nebenbei die von Hannes und mir ordentlich sortierten Einzelteile genussvoll durcheinanderwirbelt, macht ihr nichts aus. Der Kran gewinnt plötzlich ganz schnell an Höhe. Eine Viertelstunde später ist er so hoch wie Hannes und bereit für die ersten Einsätze. „War aber wirklich ein bisschen frickelig“, versucht sie mein Versagen dankenswerterweise ein bisschen vor den Kindern zu vertuschen.

Es gelingt ihr nicht. Immer, wenn sich die Seilwinde verhakt oder ein Holzteil ablöst – was häufiger vorkommt, weil der Kran im Dauereinsatz ist –, ruft Hannes nach der Mama. Auch, wenn ich direkt neben ihm und dem Kran stehe. Sein Vertrauen in Papa, den Baumeister, ist nicht mehr da. Immerhin darf ich mir kreative Arbeitsaufträge für Kranführer Hannes ausdenken. Da habe ich eben meine Stärken. Was das Handwerkliche angeht, schauen Hannes und Michel hoffentlich oft der Mama über die Schulter . . .

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