Mein Leben als Papa

Nein, das Blaue da ist kein Schmetterling!

Farbwirbel? Urzeitknäuel? Ein Schmetterling? Oder einfach: Michels Gekritzel. Fotos: gf
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Farbwirbel? Urzeitknäuel? Ein Schmetterling? Oder einfach: Michels Gekritzel. 

RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (4 Jahre) und Michel (1 Jahr).

Noch bevor Michel morgens frühstückt, sich ein Buch ansieht oder die Spielzeugautos fahren lässt, hat er nur eines im Sinn: „Malen!“ Selbstständig nimmt er sich Stifte und Blätter aus der Schublade, setzt sich an seinen kleinen Tisch und legt los. Ein Bild nach dem anderen entsteht. Mit Farbwirbeln, Urzeitknäueln oder wie man das altersgerechte Gekritzel eben sonst nennen soll. 

Gegenständliches sucht man in seinen kompositorisch durchaus gelungenen Werken vergeblich. Das wäre auch zu viel verlangt. In Michels Alter wollen Kinder nicht malen, damit es aussieht wie „in echt“, sondern sie freuen sich einfach, dass durch ihr Tun plötzlich etwas auf dem Papier ist, was vorher nicht da war. Das weiß ich ja alles. 

Trotzdem stelle ich Michel beknackte Fragen wie: „Ist das Blaue da ein Schmetterling?“ Oder: „Soll der grüne Strich der Papa sein?“ Michel bejaht meine Fragen. Immer. Und denkt sich wahrscheinlich: „Was soll der Quatsch?“

Das wiederum denke ich mir allerdings auch, wenn Michel beim Malen mal wieder seine Grenzen überschreitet. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich erwarte ja gar nicht, dass er den Papierrand als Grenze akzeptiert. Striche auf dem Maltisch stören nicht weiter und lassen sich schnell entfernen. Aber muss er denn auch auf Heizung, Fußboden und Rollo seine künstlerische Ader ausleben? Und muss er die Stifte wirklich stundenlang in der Hand halten? Irgendwann wird es uns zu bunt!

Hannes hat nie mit Stiften rumgesaut. Einmal hat er der Mama und dem Papa in einem seiner Bücher Brillen gemalt. „Weil ihr auch Brillen tragt“, erklärte er und erntete dafür Lob statt Tadel. Im Gegensatz zu Michel hat sich Hannes nie wahnsinnig viel Mühe beim Malen gegeben. Es gibt zwar einen von der Mama liebevoll gestalteten Ordner mit Hannes’ gesammelten Werken aus seinen ersten vier Lebensjahren. Darunter auch ein paar ganz nette Kopffüßler. Aber ganz ehrlich: Die Qualität ist insgesamt überschaubar – und eine Entwicklung kaum zu erkennen.

Vom Leben und von Hannes gezeichnet: der Papa

Lange Zeit habe ich ihn dennoch für seine Bilder gelobt. Wie man das als liebender und harmoniesüchtiger Papa eben so macht. „Richtig schön, mein Junge!“ statt „Mein Gott, Hannes! Ist das dein Ernst?“

Erst kürzlich, vielleicht hat er mich vorher genervt oder ich hatte einfach einen schlechten Tag, habe ich Hannes die Wahrheit gesagt, als er gerade über Michels Werke spottete. „Michel malt genauso schön wie du. Eure Bilder kann man gar nicht unterscheiden.“ Das traf ihn und weckte seinen Ehrgeiz.

Seitdem malt Hannes mit Michel um die Wette. Blumenwiesen, Dinos, Vulkane und Porträts aller Familienmitglieder werden in Serie produziert. Mittlerweile macht es ihm sogar richtig Spaß. Seine Bilder sind vielleicht noch keine Offenbarung, aber sie werden immer besser. Und Zeit, an seinen Malkünsten zu feilen, hat er im Moment ja mehr als genug . . .

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