Gedenken: Heute vor 75 Jahren

Die Nazis verschleppten mehr als 100 Remscheider

Anna de Swarte, geb. Mandelbaum, 1913 geboren, lebte bis Oktober 1933 in Remscheid, bevor sie vor den Nazis in die Niederlande floh. 1942 wurde sie von dort aus in das KZ Auschwitz deportiert, wo sie am 30. September 1942 umkam bzw. umgebracht wurde. Seit 2007 erinnert in Remscheid ein „Stolperstein gegen das Vergessen“ an sie. Repro: Armin Breidenbach
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Anna de Swarte, geb. Mandelbaum, 1913 geboren, lebte bis Oktober 1933 in Remscheid, bevor sie vor den Nazis in die Niederlande floh. 1942 wurde sie von dort aus in das KZ Auschwitz deportiert, wo sie am 30. September 1942 umkam bzw. umgebracht wurde. Seit 2007 erinnert in Remscheid ein „Stolperstein gegen das Vergessen“ an sie. 

Heute vor 75 Jahren wurde das Konzentrationslager in Auschwitz von der Roten Armee beim Vormarsch in Richtung Westen befreit.

Von Armin Breidenbach

Vor 75 Jahren, am 27. Januar 1945, wurden die Konzentrationslager in Auschwitz (Stammlager, Birkenau und Monowitz) sowie die Stadt Oswiecim (deutsch: Auschwitz) von Soldaten der Roten Armee befreit.

Eröffnet worden war das KZ Auschwitz am 20. Mai 1940 mit 30 kriminellen Häftlingen aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen, die später die wichtigsten Funktionen innerhalb der Häftlingshierarchie innehaben sollten. Zunächst wurden nur Polen in das Lager eingewiesen. Erst im Laufe des Krieges wurden Häftlinge aus dem Deutschen Reich und angegliederten und von der Wehrmacht besetzten Gebieten nach Auschwitz deportiert.

Im Juni 1941 erhielt der Lagerkommandant von Auschwitz, Rudolf Höss, von Heinrich Himmler den Auftrag, dort die Errichtung von Massenvernichtungsanlagen für die „Endlösung“ der Judenfrage zu planen. Bereits im Januar 1942 begannen in Auschwitz die systematischen Massenmorde. Mindestens 1,1 Mio. Menschen sind im Zeitraum von 1940 bis 1945 in Auschwitz umgebracht worden.

Mittlerweile steht fest, dass mehr als 100 Männer, Frauen und Kinder aus Remscheid in den Lagerkomplex Auschwitz verschleppt worden waren, die vier Opfergruppen zugerechnet werden können. Zur ersten Opfergruppe gehörten etwa 35 jüdische Männer, Frauen und Kinder; nur in vier Fällen (Paula Dührenheimer, Emma Eichmann, Rosa Häusler und Hans Helmut Leoni) erfolgte die Deportation in jenes KZ direkt von Remscheid aus.

Joseph Axel gen. Thaler, Minna Cohn, Caroline Lisbeth Fiege, Emmi Frank, Erna Lewin, Max Mildenberg, Leo Oestreich, Elfriede Salomon, Albert Wertheim und Klementine Winter waren – teilweise bereits vor 1933 – von Remscheid aus zunächst in andere, meist größere deutsche Städte gezogen, von dort aus wurden sie später deportiert.

Dieter Harro, Erna, Klaus Martin und Wilhelm Eichenwald sowie Gerd de Jongh, Golde Lerner, Benno und Sophie Löwenstein, Peppi Dora Spira und Anna de Swarte gehörten zu denjenigen, die von Remscheid aus in die Niederlande oder nach Belgien in der Hoffnung emigriert waren, vor den Nazis sicher zu sein. Aber auch sie wurden später in das KZ Auschwitz deportiert. Außerdem waren acht Jüdinnen und Juden von Remscheid aus erst in ein Ghetto oder KZ verschleppt worden, um später nach Auschwitz abtransportiert zu werden. Dies waren Beate Cohen, Emmi Eichmann, Siegmund Freund, Rosa Häusler, Regine Margret Maybaum, Alfred Ross (oder Rohs), Inge Sternberg, Lieselotte Sternberg und Max Sternberg.

Von 70 Remscheider Roma und Sinti überlebten nur 5

Von diesen etwa 35 jüdischen Männern, Frauen und Kindern aus Remscheid überlebten nach derzeitigem Forschungsstand wahrscheinlich nur fünf den Holocaust.

Zur zweiten Opfergruppe gehörten etwa 70 Remscheider Sinti und Roma, die bis auf wenige Ausnahmen in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert worden waren; von diesen überlebten nur etwa zehn. Der ehemalige Remscheider Kriminalsekretär Karl K. sagte nach dem Zweiten Weltkrieg aus, dass die „Zigeuner“ damals auf Anordnung Himmlers „durch die Kripo zusammengezogen worden“ seien. „Es habe damals geheißen, der Transport solle nach Auschwitz gehen.“

Zur dritten Opfergruppe gehört eine unbekannte Zahl von Männern und Frauen aus Remscheid, die weder der jüdischen Glaubensgemeinschaft noch den Sinti und Roma angehörten. Über diese Opfergruppe ist bisher kaum etwas bekannt.

Die vierte Opfergruppe schließlich stellen die jüdischen und nicht jüdischen Häftlinge aus dem Zuchthaus Remscheid-Lüttringhausen dar, die wahrscheinlich ab 1941 von dort aus auf den Weg in das KZ Auschwitz geschickt wurden. Allein am 18. Januar 1943 wurden mindestens neun, wahrscheinlich aber mehr, jüdische Häftlinge des Zuchthauses Lüttringhausen auf den Weg in das KZ Auschwitz geschickt, wo die meisten von ihnen innerhalb weniger Wochen umkamen bzw. ermordet wurden. An einige der Remscheider Auschwitz-Opfer erinnern seit einigen Jahren „Stolpersteine gegen das Vergessen“.

Der Remscheider Soldat Heinrich Werner ging aufgrund seiner Fronterfahrungen in den Widerstand. Der Unteroffizier starb vor 75 Jahren im Zuchthaus.

Wird die Erinnerung an den Holocaust verblassen, wenn die letzten Zeitzeugen verstorben sind? 75 Jahre nach der Befreiung des KZs Auschwitz mehren sich die Forderungen gegenzusteuern. Eine Mehrheit ist für Pflichtbesuche von Schülern in KZ-Gedenkstätten

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