Mein Leben als Papa

Michel braucht keinen Superhelden – er hat ja Hannes

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Beschützer, Freunde, Rivalen, oder einfach: Brüder.

RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (4 Jahre) und Michel (1 Jahr).

Superhelden stehen bei Hannes gerade ganz hoch im Kurs. Handtuch schwingend und mit Augenmaske kämpft er in der Wohnung gegen das Böse, das abwechselnd von der Mama oder mir dargestellt wird. Michel weicht ihm dabei nicht von der Seite.

Wo Hannes ist, ist Michel nicht weit. Was Hannes macht, ist für Michel automatisch interessant. Michel braucht keinen Superhelden, er hat ja einen großen Bruder. Und der freut sich, dass aus dem kleinen Michel allmählich ein echter Spielkamerad wird. „Komm Michi, wir gehen spielen.“ Dieser Satz aus Hannes’ Mund klingt in Michels Ohren wie Musik.

Dann zischen beide ab – und für Mama und Papa bietet sich beim Frühstück, Mittag- oder Abendessen noch die Gelegenheit, einen kleinen Nachschlag in trauter Zweisamkeit zu genießen. Zu viel Zeit dürfen wir uns aber nicht lassen. Studien haben herausgefunden, dass sich Geschwister in diesem Alter ungefähr alle zehn Minuten streiten. Daran halten sich Hannes und Michel ziemlich genau.

Michel baut die Strecke der Holzeisenbahn um – Hannes ist wütend. Hannes reißt die Figur von Feuerwehrmann Sam aus seinen Händen – Michel ist wütend. Oder umgekehrt. Je nach Laune und Müdigkeitsgrad wird dann geschimpft/gepetzt/geschrien/gehauen. Je nach Heftigkeit müssen Mama und Papa dann nichts tun/schlichten/beruhigen/wie ein Ringrichter beim Boxen dazwischen gehen.„Jetzt bin ich echt sauer, Michi“, hallt es bei Hannes noch kurz nach, dann geht es weiter.

Wenn es irgendwie geht, versuchen wir, Auseinandersetzungen vorbeugend zu verhindern. Zu Weihnachten gab es deshalb auch für Michel den bei Hannes sehr beliebten Tiptoi-Stift. Tippt man mit dem Stift auf bestimmte Bilder in den speziellen Büchern, erklingen passende Geräusche, Sprache oder Musik. Jetzt haben beide diesen Stift, aber natürlich möchten beide immer genau das Buch haben, das sich der andere gerade anschaut. Jedes Umblättern einer Seite führt zu heftigem Protest.

Abgesehen von den kleinen Machtkämpfen sind Hannes und Michel aber ein Herz und eine Seele. Vor allem beim Klettern, Rennen und Rangeln sind beide froh, den anderen zu haben. Hannes macht etwas, Michel schaut sich alles ab und setzt es sofort um. Nicht selten folgt eine Liebeserklärung von Hannes. „Du bist mein allergrößter Schatz“, sagt er dann zu seinem kleinen Bruder – und Mama und Papa sind gerührt.

Haben wir mal ein wenig lauter mit Michel geschimpft, kann er sich der Solidarität seines großen Bruders übrigens immer sicher sein. Selbst wenn es Hannes selbst war, den Michel geärgert hat. „Willst du zu mir?“, fragt er dann mitfühlend zu dem traurig-schmollenden Michel. Und der nimmt die breiten Schultern von Superheld Hannes dankbar an.

Ob Hannes zu Hause ist, hat sogar Auswirkungen auf Michels Schlafverhalten. Wenn Hannes im Kindergarten ist, fällt es Michel nicht schwer, frühzeitig seinen Mittagsschlaf zu halten. Am Wochenende aber ist die Gefahr zu groß, irgendetwas zu verpassen, was der große Bruder gerade anstellt – und er findet keine Ruhe. Da half neulich nur eine Autofahrt. Nach der ersten Kurve war Michel schon weggedöst. Und tankte Kraft für weitere Schandtaten mit Hannes.

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