Mein Leben als Papa

Meine Sprüche kommen mir irgendwie bekannt vor

Der „halbe Sandkasten“ wurde mal wieder in die Wohnung geschleppt. Das Foto ist allerdings gestellt. Foto: gf
+
Der „halbe Sandkasten“ wurde mal wieder in die Wohnung geschleppt. Das Foto ist allerdings gestellt. 

RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (4 Jahre) und Michel (1 Jahr).

Hannes und Michel haben sich sehr gerne und lieb, streiten aber auch liebend gerne. Das ist normal, sie sind Brüder. Immer häufiger stelle ich fest, dass Hannes mit Michel genauso schimpft wie Papa mit ihm oder Michel. „Jetzt ist aber Feierabend“, weist er seinen kleinen Bruder zurecht, als der mal wieder seine Lieblingsmusik ausschaltet – und er klingt dabei exakt wie sein Papa.

Hannes geht es da nicht anders als mir. Auch ich ertappe mich immer wieder dabei, die alten Sprüche, Weisheiten und Formulierungen meiner Eltern anzuwenden. Aus dem tiefen meines Unterbewusstseins kommen sie vermehrt an die Oberfläche, seit ich selbst Kinder habe. „Zähne putzen, umziehen, ab ins Bett!“, wünsche ich mir abends, wenn der Zeiger der Uhr schon viel zu weit fortgeschritten ist und die übermüdeten Jungs allmählich anfangen, ihrem übermüdeten Papa auf selbigen zu gehen.

Das klappt nicht immer reibungslos, weshalb ich Hannes an manchen Abenden fortan mit „Mein lieber Freund“ anrede und Michel fortwährend mit „Es reicht jetzt“ maßregele. Beliebt ist auch das „Erde an Hannes, bitte melden!“, wenn mal wieder so gar keine Reaktion kommt. Kritische Nachfragen wie „Warum?“ beantworte ich zu vorgerückter Stunde gerne mit der dämlichsten aller Antworten: „Weil ich es sage.“ Fürs Protokoll: Es gibt aber auch sehr viele Abende, an denen wir alle sehr entspannt den Tag Revue passieren lassen, Pläne schmieden und entspannt wegschlummern.

Viele Sätze, die mir selbst noch von früher in den Ohren klingen, fallen am Esstisch. „Probier doch erst mal, dann kannst du immer noch sagen, dass es dir nicht schmeckt“, hab ich als Kind so oft gehört und meistens ignoriert. Warum ärgert es mich, dass Hannes genauso stur is(s)t? Dass ein „Iss langsam!“ bei Michel nicht ankommt, wenn man selbst der Typ „Schlinger“ ist, verwundert eigentlich auch nicht. Und dass von dem, was auf dem Teller liegt, „noch mindestens drei Spatzen satt werden“, hat mich als Kind auch nicht beeindruckt. 

gunnar.freudenberg@b-boll.de

Den Spruch „Auf den Tisch, da kommt der Kuchen, da ha’m die Füße nichts zu suchen“, hat die Mama eingeführt. Kannte ich noch nicht. Der Reim bringt Michel jedenfalls zum Lachen und die Füße wieder in die richtige Position.

Was ich bei mir auch feststelle: Ich neige zur Übertreibung, seit ich Kinder habe. „Michel schleppt gerade wieder ’n halben Sandkasten mit in die Wohnung“, erzähle ich meiner Mutter am Telefon, wie sie es früher erzählt hat, wenn ich mir nach dem Spielen im Garten nicht die Schuhe ausgezogen habe. 

Bis vor kurzem dachte ich übrigens auch noch, dass ich sofort tot umkippe, wenn ich mir Vogelbeeren in den Mund stopfen würde, denn: „Von Vogelbeeren stirbt man!“ Ich habe recherchiert: Tut man gar nicht – essen sollten Kinder sie trotzdem nicht, weshalb ich diese Weisheit auch schon weitergegeben habe.

Denn jetzt bin ich es, der sich um seine Kinder sorgt und sie nach bestem Wissen erziehen will. Und dieses Wissen habe ich nun mal von meinen Eltern mitbekommen. Die Sprüche werden bei Hannes und Michel sicher noch häufiger dazu führen, dass sie die Augen verdrehen. Aber sie wissen auch schon: „Nicht schielen, sonst bleiben die Augen stehen!“

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

A1: Lkw verliert blaue Flüssigkeit
A1: Lkw verliert blaue Flüssigkeit
A1: Lkw verliert blaue Flüssigkeit
Corona: Inzidenzwert bei 139,2 - 41. Todesfall in Remscheid
Corona: Inzidenzwert bei 139,2 - 41. Todesfall in Remscheid
Corona: Inzidenzwert bei 139,2 - 41. Todesfall in Remscheid
Remscheider General-Anzeiger startet Podcast-Reihe
Remscheider General-Anzeiger startet Podcast-Reihe
Remscheider General-Anzeiger startet Podcast-Reihe
Einkaufen beim Bauern wird auch im Bergischen Land immer beliebter
Einkaufen beim Bauern wird auch im Bergischen Land immer beliebter
Einkaufen beim Bauern wird auch im Bergischen Land immer beliebter

Kommentare