Bergische Lösung möglich

Die Maskenpflicht in Remscheid kommt – so oder so

Zum Beispiel in Geschäften sollen Masken zur Pflicht werden - es müssen aber nicht unbedingt medizinische Masken sein (Symbolbild).
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Zum Beispiel in Geschäften sollen Masken zur Pflicht werden - es müssen aber nicht unbedingt medizinische Masken sein (Symbolbild).

Wenn das Land nicht tätig wird, wollen die bergischen Großstädte den Alleingang wagen.

  • Derzeit gibt es in Remscheid keine Maskenpflicht - noch nicht.
  • Denn die Maskenpflicht soll kommen - entweder durch eine Regelung vom Land NRW oder durch eine Verordnung im bergischen Städtedreieck.
  • Noch unklar ist, ob auch Bußgelder verhängt werden sollen, wenn jemand keine Maske trägt.
  • Vom kommenden Montag an ist das Tragen einer Maske beim Einkaufen sowie in Bussen und Bahnen verpflichtend, teilte die Landesregierung am Mittwoch mit.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Remscheid bekommt die Maskenpflicht. Entweder als Teil einer NRW-weiten Regelung oder im Alleingang zusammen mit Solingen und Wuppertal. Das erklärte Remscheids Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) auf RGA-Anfrage nach einer Telefonkonferenz mit seinem beiden Amtskollegen am Dienstagabend. Eine entsprechende Verordnung werde in den kommenden Tagen zwischen den drei bergischen Großstädten abgestimmt. „Das wird nicht morgen oder übermorgen soweit sein, aber Ende dieser oder Anfang nächster Woche.“ Sollte es zwischenzeitlich doch noch eine landesweite Regelung geben, „würde uns das natürlich freuen“, so der OB.

Am Vormittag hatte sich Remscheids Stadtdirektor Sven Wiertz (SPD) in einer Telefonkonferenz mit NRW-Kommunalministerin Ina Scharrenbach (CDU) für die landesweite Einführung einer Maskenpflicht eingesetzt – zusammen mit zahlreichen Vertretern anderer Städte und Landkreise. Dem vorausgegangen war eine neue Entscheidung des städtischen Krisenstabs: „Wir sehen, dass das Thema Abstand ein schwieriges ist“, sagt dessen Leiter Thomas Neuhaus (Grüne) über die ersten Erfahrungen nach den Lockerungen der Corona-Maßnahmen. Deswegen habe man seine Meinung geändert und wolle die Benutzung eines Mund-und-Nase-Schutzes nicht mehr nur empfehlen.

Gleichzeitig kündigte Neuhaus bereits am Mittag an: Werde es keine landeseinheitliche Lösung geben, würden die Oberbürgermeister von Remscheid, Solingen und Wuppertal eine „eigene bergische Lösung“ finden. „Wir hoffen, keinen Alleingang machen zu müssen“, so Neuhaus. Auch um einen Flickenteppich im Land zu vermeiden. Ministerin Scharrenbach wiederum betonte im Anschluss an eine Kabinettssitzung am Nachmittag, dass man zwar eine einheitliche Lösung anstrebe, die Entwicklung aber vorerst nur beobachte.

Das Städtedreieck könnte dem Beispiel von Münster folgen

Damit könnte es zu einem Alleingang des Städtedreiecks kommen - so wie vorher schon in Dorsten, wo seit Dienstag eine Maskenpflicht in städtischen Gebäuden gilt, und in Münster, wo der Mund-Nasen-Schutz ab kommendem Montag in Geschäften, auf Märkten und in Bussen zur Pflicht wird. Auch Bochum hat einen ähnlichen Schritt angekündigt, sollte es keine NRW-weite Regelung geben.

Gelten soll die Pflicht in Remscheid „überall dort, wo sich die Menschen nicht aus dem Weg gehen können“, sagt Thomas Neuhaus. Die Details müssten aber erst noch zwischen den Ordnungsdezernenten der drei Städte abgestimmt werden, sagt OB Mast-Weisz, der betont: „Ich sehe da vor allem zwei Hotspots: den ÖPNV und den Einzelhandel.“

Maskenpflicht und Bußgeld: Wird das Nichttragen teuer?

Juristisch sei der Alleingang ohne weiteres möglich, so Neuhaus: „Wir sind nach dem Infektionsschutzgesetz in der Lage, das selber zu verantworten.“ Unklar ist auch noch, ob Bußgelder verhängt werden sollen. Denkbar sei das, betont Neuhaus: Wer sich an eine solche geltende Regel nicht halte, begehe eine Ordnungswidrigkeit. Die Stadt Münster hingegen hatte angekündigt, auf Geldstrafen zu verzichten. Stattdessen soll es dort möglich sein, Menschen ohne Maske aus dem Geschäft, aus dem Bus oder von Marktplatz zu verweisen.

So entsteht eine Maske in wenigen Schritten

Man braucht ein 33 x 16 cm großes Stück Stoff sowie je zwei 16 x 5 und 90 x 5 cm lange Streifen.
Man braucht ein 33 x 16 cm großes Stück Stoff sowie je zwei 16 x 5 und 90 x 5 cm lange Streifen. © Melanie Clemens
Zunächst jeweils die beiden offenen Seiten aller vier Streifen nach innen klappen und bügeln.
Zunächst jeweils die beiden offenen Seiten aller vier Streifen nach innen klappen und bügeln. © Melanie Clemens
Das große Stück kochfeste Baumwolle muss zu einem Quadrat gefaltet werden.
Das große Stück kochfeste Baumwolle muss zu einem Quadrat gefaltet werden. © Melanie Clemens
Im nächsten Schritt ist es erforderlich, den Stoff in drei gleich breite Falten zu legen.
Im nächsten Schritt ist es erforderlich, den Stoff in drei gleich breite Falten zu legen. © Melanie Clemens
Der Draht wird in einen der beiden kürzeren Streifen (16 Zentimeter Länge) eingelegt.
Der Draht wird in einen der beiden kürzeren Streifen (16 Zentimeter Länge) eingelegt. © Melanie Clemens
Die beiden kurzen Streifen – einer mit, einer ohne Draht – an die Maskenränder stecken und festnähen.
Die beiden kurzen Streifen – einer mit, einer ohne Draht – an die Maskenränder stecken und festnähen. © Melanie Clemens
Maskenseiten mit den langen Streifen einfassen und über die kompletten 90 Zentimeter vernähen.
Maskenseiten mit den langen Streifen einfassen und über die kompletten 90 Zentimeter vernähen. © Me lanie Clemens
Fertig ist die Behelfs-Mund-Nasen-Maske.
Fertig ist die Behelfs-Mund-Nasen-Maske. © Melanie Clemens

Für den Krisenstab sei die Maskenpflicht ein probates Mittel, die Zahl der Corona-Neuinfektionen weiter zu senken, sagt Thomas Neuhaus. Das könne auch helfen, die seit Montag geltenden Lockerungen nicht wieder rückgängig machen zu müssen. „Wer diese Lockerungen will, muss auch etwas dazu beitragen“, sagt Burkhard Mast-Weisz, der zudem betont, dass man dafür keine medizinischen Masken benötige. „Ich verstehe, dass sich alle nach Normalität sehnen, aber die haben wir noch nicht“, so Thomas Neuhaus: „Wir sind noch lange nicht über den Berg.“ 

Maskenpflicht in Deutschland: So ist die Lage

Bisher haben 13 der 16 deutschen Bundesländer verschiedene Varianten der Maskenpflicht beschlossen, die teils schon in Kraft sind oder bald in Kraft treten sollen. Keine landesweiten Regelungen gibt es bislang nur in Niedersachsen, Brandenburg und NRW. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) begründete dies unter anderem damit, dass eine flächendeckende Versorgung mit Masken derzeit nicht sicher gestellt sei.

So entsteht eine Maske in wenigen Schritten: Melanie Clemens hat sich für den RGA an die Nähmaschine gesetzt. Wir erklären, wie man sich eine Maske selbst nähen kann.

Autofahren sollte man mit Mundschutz jedoch nicht unbedingt: Das wird nur in Ausnahmefällen geduldet. Die Polizei verweist auf Regelungen für Autofahrer während der Coronakrise.

Standpunkt: Dann lasst sie uns halt tragen

Von Sven Schlickowey

sven.schlickowey @rga-online.de

Nun also auch noch die Maskenpflicht. Wir haben so viele neue Regeln gelernt in den vergangenen fünf, sechs Corona-Wochen, da kann ein Stück Tuch vor dem Gesicht ja eigentlich nicht mehr viel ausmachen, könnte man meinen. Doch die NRW-Landesregierung sträubt sich. Auch weil es nicht genug Masken gebe, sagt sie. Schlüssig wirkt diese Begründung nicht, weil die Kommunen ja ausdrücklich auch Behelfsmasken aus Baumwolle und sogar Schals und Halstücher zulassen wollen. 

Ich denke: Wenn auch nur die Chance besteht, dass diese Masken dazu beitragen, der Normalität wieder einen Schritt näher zu kommen, dann lasst sie uns halt tragen. Gelten soll die Maskenpflicht ja eh nur in Geschäften, in Bussen und an ähnlichen Orten. Und albern sieht man mit einer solchen Maske auch nur dann aus, wenn man der Einzige ist, der eine trägt.

In unserem Live-Blog finden Sie alle Informationen rund um das Coronavirus in Remscheid. Der Blog wird laufend aktualisiert.

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