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„Lennep darf kein Hotspot werden“

Im Einsatz für Lennep: Klaus Kreutzer, Vorsitzender des Verkehrs- und Fördervereins. Archivfoto: Roland Keusch
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Im Einsatz für Lennep: Klaus Kreutzer, Vorsitzender des Verkehrs- und Fördervereins. 

Vereinschef Klaus Kreutzer zeigt Verständnis dafür, dass wegen Corona Veranstaltungen ausfallen mussten.

Von Frank Michalczak

Herr Kreutzer, wie haben Sie denn in den letzten Monaten die Corona-Krise erlebt - als Vorsitzender des Verkehrs- und Fördervereins und als Geschäftsmann?

Klaus Kreutzer: Das Vereinsleben in Sachen Veranstaltungen ist im ersten Halbjahr 2020 leider völlig zum Erliegen gekommen. Rosenfest: ausgefallen. Mittelalter Markt: ausgefallen. Osterfeuer: ausgefallen. Das war und ist natürlich alles nicht schön. Wir sehen allerdings die Notwendigkeit ein. Lennep darf kein Hotspot wie Heinsberg, Gütersloh oder Ischgl werden. Dennoch ist dies nur eine scheinbare Ruhe. Intern sind wir quicklebendig und basteln an vielen Dingen. Geschäftlich hat es uns als Sanitätshaus Kreutzer ebenso stark getroffen wie viele Kollegen im Einzelhandel. Dennoch bin ich sehr stolz auf unsere Mannschaft, die täglich Höchstleistungen in der Krise unter deutlich erschwerten Bedingungen vollbringt. Denken Sie nur daran, dass meine Mitarbeiter täglich mit dieser unsäglichen Gesichtsmaske Kunden bedienen müssen.

Sie richten Jahr für Jahr das Oktoberfest in Lennep aus. Wird daraus nun ein November- oder Dezemberfest? Bis zum 31. Oktober sind schließlich Großveranstaltungen untersagt.

Kreutzer: Derzeit haben wir einen Antrag auf Genehmigung des Oktoberfestes eingereicht. Wir sind zuversichtlich, dass der Antrag im Rathaus auch abgearbeitet wird. Das jedenfalls hat mir der Oberbürgermeister versprochen. Gleichzeitig hat er mir auch mitgeteilt, dass er skeptisch ist, ob das Fest 2020 stattfinden kann. Das Oktoberfest wird stattfinden – ob das 2020 sein wird, das kann heute niemand sagen. Genauso wenig kann ich vorhersagen, wer den Fassanstich durchführt, immerhin haben wir vorher Kommunalwahlen.

Sollte das Oktoberfest nicht stattfinden können. Welche Folgen hätte dies für die Vereinsarbeit?

Kreutzer: Sollte das Oktoberfest ausfallen und hier reden wir ja heute nur von dem Termin 2020 und auch das ist, wie gesagt, hypothetisch, hat das in erster Linie Folgen für die Besucher. Mehr als 5000 Gäste freuen sich auf diese Veranstaltung. Das macht den Verein stolz und auch ein wenig demütig.

Wie sehen denn die Pläne Ihres Vereins für 2021 aus? Wird es zum Beispiel den Mittelalter Markt im Hardtpark wieder geben?

Kreutzer: Traditionell planen wir die Veranstaltungen erst im Herbst für das Folgejahr. Sorgen macht mir, ob unsere Partner im Veranstaltungsbereich die Krise um Covit 19 wirtschaftlich überleben werden. Hier habe ich teilweise ganz desaströse Mitteilungen erhalten. Mein Mitgefühl ist bei den kleinen Solo-Künstlern, die durch das Fördernetz des Bundes einfach durchgerutscht sind.

Themenwechsel: Die Verkehrsführung zum historischen Stadtkern wurde kürzlich wieder in der Bezirksvertretung angesprochen. Angeregt wurde, an der Hertie-Kreuzung geradeaus eine Zufahrt zu schaffen. Was halten Sie davon?

Kreutzer: Die Diskussion um die Ausrichtung des historischen Stadtkerns verfolge ich seit Jahrzehnten. Aus dem Jahr 1959 berichtete mir mein Vater von einer Veranstaltung, die im nicht mehr vorhandenen Saal im König von Preußen stattfand. Oberbürgermeister Walter Frey versprach damals, den Lennepern aus dem beschaulichen Örtchen ein „bergisches Rothenburg“ zu machen. Ich möchte das Ergebnis und die Leistungen von Politik und Verwaltung danach nicht kommentieren.

Es gibt auch die Position, den historischen Stadtkern gänzlich für den Kundenverkehr zu sperren. Spätestens wenn das DOC eröffnet, dürfte die Debatte aufflammen. Wie ist Ihre Position?

Kreutzer: Ich glaube nicht, dass das DOC irgendeine Auswirkung auf den historischen Stadtkern haben wird. Wer will heute mit Sicherheit voraussagen, ob das DOC überhaupt gebaut wird? Immerhin werden noch Gerichte darüber entscheiden. Um Investor McArthurGlen ist es doch erstaunlich ruhig geworden. Hat das etwas zu bedeuten? Auffällig ist, dass die Investoren immer noch keine Ausführungsplanung vorgelegt haben. Nach übermäßiger Eile geschweige nach Zuversicht sieht das aus meiner Sicht nicht gerade aus.

„Die Planungen zu Lenneps Kö reichen zurück bis ins Jahr 1978.“

Klaus Kreutzer über die Modernisierung der Kölner Straße Die Kölner Straße gilt als Sorgenkind. Seit etlichen Jahren machen Sie darauf aufmerksam, dass eine Modernisierung dringend erfolgen muss – hin zu mehr Aufenthaltsqualität. Nun werden in einem ersten Schritt der Brunnenplatz an der Sparkasse und der Buswendepunkt am Kreishaus umgestaltet. Ist das der große Wurf?

Kreutzer: Die Planungen zu Lenneps Kö reichen zurück bis ins Jahr 1978. Damals habe ich Vorschläge gemacht und Diskussionen angestoßen. Der Verkehrs- und Förderverein Lennep hat mit der Universität Wuppertal einen Studentenwettbewerb ausgelobt. Es gab hervorragende Ergebnisse, Preise wurden vergeben. Mich ärgert sehr, dass bereits Geld in Düsseldorf bewilligt wurde, das Remscheid nicht abgerufen hat. Es wird sich aufgrund der dramatischen Finanzlage der Stadt mittelfristig hier nichts mehr ändern. Es werden weitere Einzelhandelsgeschäfte aufgeben. Die Versäumnisse fallen uns spürbar auf die Füße. Ich sehe den OB einmal im Jahr nach dem Karnevalszug mit einem Besen die Kö entlang gehen. Ihm werden außer dem Schmutz noch andere Schandflecken auf der ehemaligen Einkaufsmeile aufgefallen sein.

Am 13. September sind Kommunalwahlen. Was sollte die neue Bezirksvertretung unbedingt anpacken?

Kreutzer: Zunächst einmal finde ich es völlig falsch, an dem Wahltermin festzuhalten. Kleine Parteien und Gruppen werden massiv benachteiligt. Wo bitte soll in der Pandemiezeit eine Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner erfolgen? Das neu- oder altgewählte Stadtoberhaupt wird sich bei dieser Lage noch den Segen des Oberverwaltungsgerichts in Münster abholen müssen. Die größte Misere der Stadt ist ihre finanzielle Handlungsunfähigkeit. Da gibt es vielfältige Ansätze, dies zu verbessern. Beispiele? Okay. Außer den Technischen Betrieben führt nach meiner Kenntnis keine städtische Tochter nennenswerte Beiträge an die Mutter ab. Thema Rathaus: Vergleichen könnte man auch einmal die Entwicklung der Mitarbeiteranzahl von vor dem Ratsbeschluss, diese zu reduzieren, und dem Stand heute. Thema Gewerbesteuer: Wo bleibt die Ansiedlung neuer Betrieb? Schauen Sie einmal nach Radevormwald, nach Hückeswagen oder Wermelskirchen. Was machen die eigentlich anders als unsere Wirtschaftsförderung. Es sind aber Wahlen – und wer will sich da unbeliebt machen?

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