Mein Leben als Papa

Klassenerhalt! „Und nächstes Jahr werden wir Meister, Papa!“

Trost von Hannes nach dem sicher geglaubten Abstieg. Am Ende wurde aus Werder-Sicht zum Glück doch noch alles gut. Foto: lf
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Trost von Hannes nach dem sicher geglaubten Abstieg. Am Ende wurde aus Werder-Sicht zum Glück doch noch alles gut. 

RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (4 Jahre) und Michel (1 Jahr).

Ich hätte Hannes eine schönere erste Saison mit Werder gegönnt. Stattdessen wurde dem Neu-Fan und mir die vielleicht schlechteste grün-weiße Saison aller Zeiten zugemutet. Mich schmerzte das, Hannes blieb cool. 

Als ich 1986 wegen Rudi Völler, der damals noch für Bremen Tore schoss, Werder-Fan wurde, spielten wir um den Titel. Dass die Bayern am Ende doch noch Meister wurden, fand ich als Fünfjähriger nicht so schlimm. Der zweite Platz war ja auch okay.

Als Hannes in dieser Saison wegen Papa Werder-Fan wurde, ging es für uns trotz großer Ziele nur gegen den Abstieg. Dass der Klassenerhalt am Ende doch noch mit Hängen und Würgen gelang, rührte mich als fast Vierzigjährigen fast zu Tränen. Für Hannes aber wäre auch die Zweite Liga okay gewesen.

Ich habe aufgehört, dagegen anzukämpfen: Fußball spielt in meinem Leben immer noch eine verdammt große Rolle. Auch und gerade in Corona-Zeiten. Außer Fußball gab es in den vergangenen Wochen ja sonst nicht so viel Abwechslung.

Hannes in dieser historisch miesen Saison an meiner grün-weißen Seite zu haben, war für mich ein Glücksfall. Immer wenn ich mit meiner Wut über ein Gegentor mal wieder nicht wusste, in welches Tischbein ich diesmal beißen sollte, sprach Hannes mir Mut zu. „Nächste Woche gewinnen sie ganz bestimmt in Paderborn.“ Und so kam es.

Als nach der Niederlage gegen Mainz der Abstieg quasi schon feststand, nahm er seinen Papa fest in den Arm und tröstete ihn. Hat die Evolution nicht eigentlich vorgesehen, dass es umgekehrt sein muss?

Aber Hannes musste ja auch nicht getröstet werden. Er glaubte noch an einen Sieg gegen Köln und die Relegation. Und so kam es. Schließlich hatte er sich ja auch gewünscht, dass Werder in der Ersten Liga bleibt, nachdem ihm eine Wimper ausgefallen war. Oder lag es doch daran, dass ich aus Aberglaube gegen Köln ein uraltes Glückstrikot trug, Hannes auf einen anderen Platz im Wohnzimmer setzte und Michel für das Spiel Werder-Bremen-Wechselgesänge beigebracht hatte? Ich ruf „Werder“ – er antwortet „Bämen“. Oder wie die Oma sagt: „Du machst die Kinder total bekloppt.“

Im Fahrwasser dieser ganzen Emotionen ist tatsächlich auch Michel auf das Werder-Schiff aufgesprungen. Alles was mit Fußball zu tun hat, ist für ihn Werder. Tritt er gegen einen Ball, ruft er „Tor für Werda“, schiebt aber trotzdem immer ein „0:0“ hinterher. Und Hannes formt dazu ein Viereck mit den Händen und ruft „Videobeweis.“ Macht wirklich Spaß mit den beiden. Oder wie die Mama sagt: „Womit habe ich das verdient?“

Die Relegationsspiele gegen Heidenheim musste ich ohne meine Jungs durchstehen. Die Anstoßzeit war einfach zu spät. „Mach dir keine Sorgen, Papa. Werder gewinnt 2:0“, flüsterte Hannes seinem nervösen Papa vor dem alles entscheidenden Rückspiel zu, dann schlief er sanft ein. 

Ein Sieg gelang Werder zwar nicht, das 2:2 reichte aber, um Hannes am nächsten Morgen mit einem „Wir bleiben drin“ wecken zu können. Zusammen schauten wir uns Videos der jubelnden Werder-Spieler an. Solche Bilder gab es diese Saison sonst nur von Bayern. Hannes machte das euphorisch: „Und nächstes Jahr werden wir Meister, Papa!“

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