Mein Leben als Papa

Kein Winter, wie er früher einmal war

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Scheibenkratzen und Ausflüge in den Garten sind für Hannes und Michel die bisherigen Höhepunkte des Winters.

RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (4 Jahre) und Michel (1 Jahr).

Wir hatten so viele Pläne für diesen Winter geschmiedet. Wollten die Nachbarn mit Schneebällen bewerfen. Wollten ein Iglu für die ganze Familie bauen. Wollten Michel zeigen, wie man einen Schneeengel macht. Und natürlich Schlittenfahren. „Vom Weltall bis zur Erde“, wie Hannes es formuliert, wenn er etwas wirklich Großes vorhat. 

Nichts von alledem konnten wir bislang umsetzen. Gelegentliches Scheibenkratzen am Morgen ist bislang der Höhepunkt. Weil der Winter kein echter Winter ist, sondern eigentlich ein April. Mal regnet es ohne Pause, mal stürmt es – und mal weckt die Sonne erste Frühlingsgefühle. Gar nicht so einfach, bei diesen wechselnden Bedingungen auf die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder zu reagieren.

Michels Wunsch ist nicht so wechselhaft wie das Wetter. Er möchte raus. Immer. Ohne Übertreibung: Am vergangenen, total verregneten Wochenende sagte er mindestens 20 Mal nur ein Wort: „Garten!“ Ging zum Fenster, zur Tür oder zum Schuhschrank und sprach abwechselnd Hannes, die Mama oder mich an: „Garten!“ Sein Wunsch blieb unerfüllt.

Hannes hat sich mit dem ausbleibendem Schnee arrangiert. Sieht er Sonne, ist er gedanklich schon im Sommer. „Können wir das Planschbecken auf der Wiese aufbauen?“, fragte er, als sei das bei 8 Grad eine echt prima Idee. Nach zähen Verhandlungen stand der Kompromiss in seinem Kinderzimmer: ein mit Bällen gefülltes Planschbecken, in das man herrlich vom Hochbett aus hineinrutschen kann. Die Sonne und die Rutsche erinnerten ihn wohl auch an das Freibad um die Ecke. Auf meinem Schreibtisch fand ich abends eine gepackte Schwimmtasche vor. „Die soll da stehenbleiben, bis du mit ihm ins Freibad fährst“, erklärte mir die Mama.

gunnar.freudenberg@b-boll.de

Bis dahin wird Hannes vermutlich weiter Mütze und Schal tragen. Als ich ihm neulich an einem ziemlich warmen Tag mal erlaubte, ohne Mütze das Haus zu verlassen, war er empört. „Ich brauch doch meine Mütze, Papa!“ Hannes, das Gewohnheitstier.

Auch im Garten, den wir ohne Regen natürlich gerne aufsuchen, läuft eigentlich alles wie gewohnt. Jetzt werden eben Schneeglöckchen statt Sonnenblumen gegossen – und der Sand ist halt matschiger. Die Gesichtshaut der Jungs ist genauso rot wie im Sommer. Allerdings vor Kälte und nicht vor Hitze. Mit nur einem Wort beendet Michel deshalb in der Regel den Ausflug ins Freie: „Kalt.“ Dann geht es wieder rein. Zum Planschbecken.

Bewusst hat Michel mit seinen anderthalb Jahren noch keinen Schnee erlebt. Sicher wäre er begeistert. Noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben, dass er ihn in diesem Winter noch kennenlernt und Hannes ein paar unserer Schnee-Pläne umsetzen kann. Aber ganz ehrlich: Noch lieber hätte ich schon Frühling!

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