Mein Leben als Papa

Michels Wortschatz ist explodiert!

+
Nicht nur Michels Wortschatz, auch das Gemüse im Gewächshaus wird immer größer. 

RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (4 Jahre) und Michel (1 Jahr).

Ich trödel ja selbst gerne rum. Aber manchmal bummeln Hannes und Michel sogar mir zu sehr. Dann übernehme ich die Antreiber-Rolle von der Mama und sage Sätze wie: „So Kinder, wer möchte denn jetzt mal frühstücken?“ Oder: „Wer putzt sich denn heute als Erster die Zähne?“ Michels Konter sitzt: „Du!“, antwortet er wie aus der Pistole geschossen. Und alle müssen lachen. 

Durch unsere Reaktion wird er natürlich darin bestärkt, immer wieder mit „Du“ zu antworten. Bis er die Sache mit den Personalpronomen allerdings richtig versteht, dauert es noch eine Weile. Hab ich gedacht. Anderntags antwortet er aber plötzlich auf meine Frage „Wer möchte ein Eis zum Nachtisch?“ mit: „Ich!“

Ungläubiges Staunen bei der Mama und mir eingedenk dieses sprachlichen Fortschritts. Hannes sorgt sich dagegen um sein Eis. „Nein, ich!“, erwidert er. Und wird vom kleinen Bruder erneut übertrumpft: „Nein, ich. Michel!“ Kein Zweifel: Mit „Ich“ meinte er tatsächlich sich selbst. Junge, Junge, mein Junge!

Michels Sprachentwicklung hat in den vergangenen Wochen richtig Fahrt aufgenommen. Sein Wortschatz ist förmlich explodiert. Liegt vielleicht auch daran, dass er coronabedingt unheimlich viel Zeit mit „Haja“, wie Michel seinen großen Bruder nennt, verbringt und viel von ihm übernimmt. 

Aus dem Kindergarten hat Hannes zum Beispiel den schönen Ausdruck „Alter Schwedel“ mitgebracht. Ja, mit „L“ am Ende, das lässt er sich nicht wegdiskutieren. Michel hat diese Redewendung längst verinnerlicht. Irgendetwas total Aufregendes muss passiert sein, wenn er sie benutzt. Das weiß ich schon. „Papa, Papa! Alter Schwedel!“ empfängt er mich nach der Arbeit im Garten und zieht mich zum Gewächshaus. Und wirklich: Krass! Die Kresse ist ein ganzes Stück gewachsen. „Alter Schwedel!“, bestätige ich ihn und schiebe noch ein „Mein lieber Kokoschinksi“ hinterher, um mein Erstaunen zu unterstreichen und ihm eine noch anspruchsvollere Alternative ans Herz zu legen.

Auch beim anschließenden Wettrennen gegen meine beiden Söhne staune ich über Michels Ansagen, als alle ihre Startposition eingenommen haben. „Auffi, fetti, looos!“, ruft er. Weil auch Michel selbst losrennt, verstehe ich es als „Auf die Plätze, fertig, los!“ und nicht als an Papa gerichtetes „Auf, Fetti, los!“, was nach zehnwöchiger Corona-Trägheit durchaus auch im Bereich des Möglichen wäre. Ich muss mich kaum noch anstrengen, Hannes gewinnen zu lassen. Michel kommt abgeschlagen, aber glücklich als Dritter ins Ziel. „Wonnen!“ – also „Gewonnen“ – jubelt er.

gunnar.freudenberg@b-boll.de

„Mal!“, fordert Michel und meint: „Noch mal!“ Das Weglassen der Vorsilbe gefällt Hannes so sehr, dass er das Wort von Michel übernommen hat. Auch er fordert: „Mal!“ Noch ein Schluck „Wawa“ für alle und es heißt wieder: „Auffi, fetti, looos!“ Diesmal hat Papa die Nase vorn, aber Michel kommt wieder glücklich als Dritter ins Ziel und jubelt: „Wonnen!“

So geht es noch ein paar Runden weiter, bis Michel genug hat. „Satt“, sagt er schließlich. Was in diesem Fall nicht heißt, dass er nicht mehr hungrig ist, sondern dass er kein Bedürfnis mehr nach Laufen hat. „Satt“ kann er aber auch beim Zähneputzen oder Puzzeln sein. „Satt“ ist für Michel ein universell einsetzbarer Begriff, um eine sache zu beenden.

Also gut, gehen wir mal wieder rein. „Wer möchte denn jetzt abendessen?“, frage ich. „Iiich!“, rufen beide zeitgleich. Und Michel fügt mit einem Grinsen leise hinzu: „Sammen!“

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Corona: Zahl der Todesfälle steigt weiter -  OB und Krisenstabsleiter zur aktuellen Lage
Corona: Zahl der Todesfälle steigt weiter - OB und Krisenstabsleiter zur aktuellen Lage
Corona: Zahl der Todesfälle steigt weiter - OB und Krisenstabsleiter zur aktuellen Lage
Corona: Diese Gastronomen bieten Abholung oder Lieferung an
Corona: Diese Gastronomen bieten Abholung oder Lieferung an
Corona: Diese Gastronomen bieten Abholung oder Lieferung an
Corona: Diese Regeln gelten speziell in Remscheid
Corona: Diese Regeln gelten speziell in Remscheid
Corona: Diese Regeln gelten speziell in Remscheid
Schloss Burg startet virtuellen Weihnachtsmarkt
Schloss Burg startet virtuellen Weihnachtsmarkt
Schloss Burg startet virtuellen Weihnachtsmarkt

Kommentare