Konflikte könnten mehr werden

Corona: Jugendhilfe erkennt noch keine Zunahme häuslicher Gewalt

Egbert Willecke leitet den Fachdienst Jugend. Foto: Roland Keusch
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Egbert Willecke leitet den Fachdienst Jugend. 

Fachdienstleiter Egbert Willecke vermutet, dass vieles im Dunkeln liegt. Schulen und Kitas stehen Kindern aus problembelasteten Familien offen.

  • Die Corona-Krise stellt Familien vor große Herausforderungen.
  • Fälle häuslicher Gewalt und andere familiäre Konflikte könnten zunehmen, fürchten Experten.
  • Seit dieser Woche können Kinder aus Familien, in denen es Probleme gibt, in die Notbetreuung gehen.

Von Manuel Böhnke

Remscheid. Schulen und Kitas sind geschlossen, das Freizeitangebot ist gering, Eltern arbeiten von zu Hause aus, sorgen sich unter Umständen um ihren Job – die Corona-Krise stellt Familien vor große Herausforderungen. „Befürchtungen, dass es in Familien zu Konfliktlagen kommen kann, die durch das ungewohnte ständige Beisammensein befördert werden können, sind nicht aus der Luft gegriffen“, bestätigt die Stadt. Bislang kann Egbert Willecke aber keine signifikante Steigerung bei den Fällen häuslicher Gewalt und anderen Formen der Kindeswohlgefährdung in Remscheid feststellen. Doch der Leiter des Fachdienstes Jugend vermutet: „Da kommt eine Menge im Dunkeln auf uns zu.“

Grund für diese Einschätzung seien die derzeit wenigen sozialen Kontakte außerhalb der Familie. Mögliche Vorfälle werden deshalb nicht bekannt. Auch Dr. Jana Schrage geht davon aus, dass einige Dinge erst auffallen, wenn der Betrieb in Schulen und Kitas wieder normal läuft. „Da rechnen wir vermehrt mit Anfragen, weil erst dann Sachen offensichtlich werden, die während der Krise vorgefallen sind.“

Corona in Remscheid: Hotline für Familien eingerichtet

Zwischen 60 bis 110 Kindern werden derzeit pro Tag in Kitas oder in der Kindertagespflege betreut. In den kommenden Tagen könnte diese Zahl steigen. Denn seit dieser Woche ist es möglich, Kinder, die in einer prekären Familiensituation leben, tagsüber in Kitas oder Schulen betreuen zu lassen – auch wenn ihre Eltern nicht zur „kritischen Infrastruktur“ gehören. Die Maßnahme soll Spannung aus problembelasteten Familien nehmen.

Trotz der schwierigen Situation sind die Akteure der Jugendhilfe bemüht, Kontakt zu den Familien zu halten. Dies geschieht etwa telefonisch oder per Videochat. Zudem verweist Dr. Jana Schrage auf die Hotline für Familien-, Jugend- und Lebensberatung. Sie ist von montags bis freitags zwischen 8 und 16 Uhr unter Tel. 16 38 88 erreichbar. „Einige Anrufe pro Tag“ gehen dort laut Schrage ein.

Corona-Krise: Für Familien ist es wichtig, dem Tag Struktur zu geben

Grundsätzlich sei es für Familien derzeit wichtig, dem Tag eine Struktur zu geben. „Im Schlafanzug zu bleiben und um 16 Uhr zu frühstücken, ist nicht optimal“, erklärt die Psychologin. Hilfreich könne es sein, feste Zeiten zum Essen, Lernen oder Arbeiten und Spielen festzulegen. Gleichzeitig sollten Eltern in Sachen Lernen von ihren Kindern nicht zu viel erwarten: „Man darf sie nicht belasten, als wäre die Situation normal. Denn das ist sie nicht.“

Einen positiven Nebeneffekt hat Dr. Jana Schrage trotz aller Probleme an der Corona-Krise festgestellt: Viele Jugendliche freuen sich ihrer Beobachtung nach auf den Tag, an dem sie wieder normal zur Schule gehen können, in ihre soziale Gemeinschaft zurückkehren. „Sie merken aktuell, dass Schule mehr ist als das aus ihrer Sicht nervige Lernen.“

Die Menschen in Deutschland sind angehalten, zuhause zu bleiben. Viele befürchten: Die häusliche Gewalt wird zunehmen. Familienministerin Franziska Giffey sieht vor allem in den Städten ein Problem - was auch erste Zahlen zeigen.

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