Mein Leben als Papa

Irgendwo zwischen Capri-Fischern und Toten Hosen

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Stehen so vielleicht bald bei „Rock am Ring“: Hannes und Michel.

RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (4 Jahre) und Michel (1 Jahr).

Man macht sich ja so bestimmte Vorstellungen davon, wie sich ein Leben mit Kindern entwickelt. Ich bin zum Beispiel davon ausgegangen, die nächsten sechs, sieben Jahre im Kinderzimmer und bei Autofahrten mit Hannes und Michel ausschließlich Lieder im Stile von Rolf Zuckowski, den ich im Gegensatz zu vielen anderen Vätern sogar ziemlich gerne mag, zu hören. 

So kann man sich täuschen. Immer mehr meiner alten Musikalben finden nach und nach den Weg von meinem CD-Regal in die Obhut der Kinder. Zum Beispiel die Alben von Helge Schneider, die es Hannes angetan haben. Kindgerechter Blödsinn mit einfachen Melodien. Er weiß jetzt, dass das Katzeklo die Katze froh macht und dass das Käsebrot ein gutes Brot ist. Er singt diese Lieder zwischendurch immer mal wieder und erfindet auch neue Strophen dazu. Original und Fälschung liegen dann ganz dicht beieinander.

Michel ist natürlich begeistert, wenn Hannes singt. Überhaupt mag er Musik. Bislang war er mehr Bewegungskünstler als Sänger. Mit ganz eigenem Tanzstil. Jetzt hat er aber auch seine Gesangstimme entdeckt und versucht sich sogar an Melodien. Vor allem das Lied über die Capri-Fischer mag er sehr. Und daran bin ich nicht ganz unschuldig.

Von mir existiert nämlich ein altes Video, aufgenommen während eines Italien-Urlaubs, in dem ich das Lied voller Inbrunst schmettere. Michel will es sich immer wieder ansehen und animiert mich täglich, das Lied mit ihm zu performen. „Bella, bella, bella“, stimmt Michel zuckersüß mit Blick in meine Augen an – und ich steige mit „Marie“ ein: „Bleib mir treu, ich komm zurück morgen früh.“ Die CD „Urlaubslieder aus Italien“ wandert also in Michels Zimmer.

gunnar.freudenberg@b-boll.de

In fremde Länder geht es auch, wenn wir Mamas altes Keyboard anschmeißen. Hauen Hannes oder Michel nicht gerade selbst in die Tasten, darf sogar der Papa ran. Und dann befolge ich den Rat von Rolf Zuckowski, man möge seinen Kindern Angebote machen und ihnen verschiedene Musikrichtungen vorstellen. Jazz, Klassik, Techno, Schlager, Pop, Tango, Sirtaki, Hip Hop und Marschmusik – ich hole alles raus, was die Soundfiles im Keyboard zu bieten haben. Und Hannes und Michel holen alles aus sich raus. „Abzappeln“ beschreibt wohl am besten, was hier passiert. Wie gut, dass wir unten im Haus wohnen.

Für Hannes kann die Musik im Moment gar nicht laut genug sein. Mal sehen, was Papas CD-Regal noch so hergibt. Probieren wir es zum Einstieg doch mal mit den Toten Hosen. Volltreffer! Die etwas langsameren Lieder drückt Hannes schnell weiter. Er mag es, wenn aus voller Kehle über eisgekühlten Bommerlunder, vom Paradies und von Alex’ Horrorshow gesungen wird. Oder besser: geschrien. Der Inhalt ist ihm egal. Irgendwas macht die Musik mit ihm. Und auch mit Michel. Campino hat Rolf Zuckowski im Autoradio abgelöst.

Vor den beiden Enkeltöchtern der Nachbarn, beide ungefähr so alt wie meine Jungs, hatte Hannes auch schon seinen ersten Auftritt zur Musik der Toten Hosen. Er tigerte mindestens so wild durch den Garten wie Campino über die Bühne. Bei den Mädels kam seine Show bestens an. Mit Groupies hätte ich auch erst in ein paar Jahren gerechnet.

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