Mein Leben als Papa

Mal irgendwo hinfahren? Nur mit der Schubkarre!

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Abendprogramm in Zeiten von Corona. 

RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (4 Jahre) und Michel (1 Jahr).

Hätten meine Arme nicht schlapp gemacht, würden Hannes und Michel wohl immer noch in der Schubkarre sitzen und sich kutschieren lassen. Eng aneinander gekuschelt und zufrieden mit der Welt. Aber bevor Michels Augenlider den Wettstreit mit der untergehenden Sonne verlieren konnten, musste die Fahrt leider enden. 

Das Wetter spielt zum Glück auch in Corona-Woche zwei ohne Kindergarten und mit Papa im Homeoffice mit. Und der Eindruck, dass Hannes und Michel den Frühling, den leeren Terminkalender und das intensivere Familienleben in vollen Zügen genießen, verfestigt sich von Tag zu Tag. „Möchtet ihr mal an die Talsperre fahren oder eine Wald-Safari machen?“, frage ich sie. Und die Antwort ist immer dieselbe: „Garten!“, fordert Michel. Und Hannes übersetzt: „Nö, wir möchten lieber im Garten spielen.“ Quasi eine freiwillige Ausgangssperre.

Weil wir auch das angrenzende Grundstück unserer ehemaligen Vermieter mitbenutzen dürfen, steht uns allerdings wirklich ein wahrer Garten Eden zur Verfügung. Gold wert in diesen Zeiten! Klassiker wie der Piraten-Sandkasten, die Matschecke und das Quadro-Klettergerüst wurden von Hannes nach dem langen Winter wie alte Freunde begrüßt und dankbar wieder in Beschlag genommen.

Manchmal macht es gar den Anschein, als würden Hannes und Michel die Corona-Pause mit Kreativität besiegen wollen. So ist aus dem alten Freigehege für die Schildkröten ein Dinosaurier-Park geworden. Tyrannosaurus rex, Triceratops und Diplodocus aus Hannes’ Kinderzimmer haben hier ein neues Zuhause gefunden. Höhlen, Seen und Berglandschaften arrangiert Hannes gekonnt um sie herum. Die fünf Euro Eintritt, die er abends von Papa für einen Besuch in seinem Dino-Park verlangt, sind absolut angemessen.

Michel kann sich auch für kleinere Tiere begeistern. Unter den alten Steinplatten am Gewächshaus teilen sich Spinnen, Kellerasseln und Regenwürmer ein schattiges Plätzchen. Und hier hat auch Michel gelernt, zu teilen. Er schnappte sich einfach einen Regenwurm und teilte ihn in zwei Stücke. Stecken solche Aktionen eigentlich von Natur aus in Kindern drin? Hannes stimmte das passende Lied an: „Hörst du die Regenwürmer husten?“ Und ich wurde wieder an Corona erinnert. „Die nicht auch noch.“

Selbst wenn es morgens noch zu kalt für den Garten ist, erfreut uns der Blick nach draußen. Im Baum direkt vor Hannes’ Zimmer ist ein Meisen-Pärchen ins Vogelhäuschen eingezogen und baut eifrig ein Nest. Das wird von Michel genauso eifrig kommentiert. „Da!“, fliegt die Meise mit dem Stöckchen im Schnabel ins Häuschen. „Da!“, fliegt sie wieder raus. 

Hannes beobachtet lieber die Amseln vor der mit Efeu berankten Wand vor Michels Fenster. Denn hier finden spektakuläre Revierkämpfe statt und werden von Hannes mit offenem Mund und einem „Alter!“ quittiert. Spiderman kann einpacken. Ohnehin bleibt der Fernseher im Moment erfreulich oft aus.

Ob sie nicht langsam einen Lagerkoller bekäme, wollte meine Mutter am Telefon von meiner Frau wissen. „So alleine mit den drei Männern zu Hause.“ Die Mama musste verneinen. Bis jetzt – man kann es nicht anders sagen – tut uns allen diese Corona-Pause gut.

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