Mein Leben als Papa

Hannes’ imaginärer Freund heißt Zwiebel

Hannes’ Kontakt zum imaginären Kollegen Zwiebel ist rege. Foto: Udi
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Hannes’ Kontakt zum imaginären Kollegen Zwiebel ist rege.

RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (4 Jahre) und Michel (1 Jahr).

Auf einmal war er da: Zwiebel. Hannes kennt Zwiebel nicht etwa aus dem Kindergarten oder aus irgendeiner Fernsehserie. Zwiebel entspringt der Fantasie seines Gehirns. Hannes hat sich einen imaginären Freund zugelegt. Oder genauer: einen imaginären Kollegen. 

Zwiebel ist natürlich nur sein Spitzname. Mit richtigem Namen heißt Hannes’ Kollege Maxi Herbrich. Oder auch mal Troy McLawara. Da legt sich Hannes nicht so fest, was diesen imaginären Typen noch ein bisschen mysteriöser als ohnehin schon macht.

Was Hannes von Zwiebel erzählt hat: Er ist 45 Jahre alt und hat lange Zeit in Island in der Nähe eines Vulkans gelebt. Nachdem dieser ausbrach und er ganz viele Menschen vor dem Tod gerettet hat, wohnt Zwiebel jetzt in der fünften Etage eines Hochhauses in Bremen mit Blick auf das Weserstadion. Ab und zu spielt er sogar für Werder. Aber meistens hat er keine Zeit, weil er mit mehr als 40 Berufen sein Geld verdient. Unter anderem ist er Zeitungsredakteur („Da macht er die gleichen Sachen wie wir, Papa.“), Polizist, Feuerwehrmann, Rennfahrer, Kuhmelker und Angler. Täglich kommen neue Berufe dazu.

Aber warum taucht dieser Zwiebel gerade jetzt in Hannes’ Leben auf? Fehlt es Hannes etwa an Aufmerksamkeit, seit ich im Homeoffice arbeite und ihn manchmal abweisen muss? Vermisst er in der Corona-Zwangspause die anderen Kinder im Kindergarten und sucht deshalb Zuflucht in seiner Fantasie? Kann er mit seinen vier Jahren Realität und Fantasie noch nicht unterscheiden?

Früher wurde das plötzliche Erscheinen eines imaginären Freundes oft als ungesundes Zeichen für irgendwelche Missstände bei den Kindern angesehen. Die heute gängige Meinung der Wissenschaft gefällt mir besser. Da werden Kinder mit Fantasiefreunden als besonders kreativ und sprachlich begabt beschrieben. Außerdem setze Fantasie Intelligenz voraus. Auch gute soziale Kompetenzen werden diesen Kindern zugesprochen.

gunnar.freudenberg@b-boll.de

Ich glaube, Zwiebel hilft Hannes dabei, diese momentan auch für ihn außergewöhnliche Zeit zu verarbeiten. Während Michel mit einem „Papa Arbeit“ meistens akzeptiert, dass ich am Schreibtisch sitze und erst später Zeit zum Spielen habe, ist Hannes einfach gerne Teil von Papas Alltag.

So wie ich zwischendurch immer wieder mit meinen Kollegen telefoniere, kommuniziert auch Hannes viel mit Zwiebel. Dann klemmt er sich das Telefon so wie ich unters Kinn, wandert so wie ich durch das Arbeitszimmer und antwortet Zwiebel so wie ich meinen Kollegen mit „Ja“, „Nein“ oder einem Lachen. 

Zwiebel interessiert sich für alles, kann alles und ist für Hannes ein echter Held. Ich höre seinen Geschichten über Zwiebel gerne zu. Ich glaube, ich weiß sogar, warum er Zwiebel heißt. Hannes hat nämlich mit einem Ohr mitbekommen, als ich meine Kollegin Anja Siebel einmal scherzhaft mit „Hallo, Frau Zwiebel“ begrüßt habe.

Vor ein paar Tagen lag übrigens ein Brief von Zwiebel im Briefkasten, in dem er von neuen Heldentaten berichtete. Von der Tante geschrieben. Hannes traute seinen Augen nicht. „Gibt es Zwiebel wirklich?“, fragte er ungläubig. Immer wieder. Irgendwann wichen aber seine Zweifel. „Es gibt Zwiebel also wirklich.“ In der Realität. Und in seiner Fantasie.

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