Interview

"Hurra Kinderlieder" unterhält Groß und Klein

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Die lustig animierten Musikvideos von "Hurra Kinderlieder" bilden meist den Alltag der Geschwister Frida und Karlchen und ihrer Familie ab.
  • Gunnar Freudenberg
    VonGunnar Freudenberg
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Kai Hohage ist der Mann hinter dem erfolgreichen Youtube-Kanal. Seine Videos werden millionenfach geklickt.

Das Gespräch führte Gunnar Freudenberg

Eltern mit Kindern kommen an seiner Musik kaum vorbei: Kai Hohage (51) veröffentlicht seine Songs unter dem Namen „Hurra Kinderlieder“ bei Youtube und ist damit äußerst erfolgreich. Knapp 1,3 Millionen Abonnenten folgen ihm. Die lustig animierten Musikvideos, die meist den Alltag der Geschwister Frida und Karlchen und ihrer Familie abbilden, werden bis zu 135 Millionen Mal abgerufen.

Herr Hohage, wissen Sie, dass ich Ihre Stimme heute nicht zum ersten Mal höre?

Kai Hohage: Oh, dann haben Sie vermutlich Kinder und ein Lied von mir gehört?

Genau, beim Zähneputzen wollten meine Jungs mal wieder „Hacki Backi“ hören.

Hohage: Solche Rückmeldungen bekomme ich oft. Neulich erzählten mir Eltern, dass sie ihre Tochter mit diesem Lied überhaupt erst dazu gebracht haben, sich die Zähne zu putzen. Die Idee dazu kam mir übrigens im Schlaf. Irgendwann nachts dachte ich, Hacki Backi wäre doch ein guter Name für ein kleines Monster, das in einem Zahnputzlied auftaucht. Aufgeschrieben hatte ich mir die Idee nicht, aber zum Glück war sie morgens noch in meinem Kopf.

Mit Ihrer Firma „Hörzauber“ schreiben und produzieren Sie seit 2002 Lieder, Hörspiele und Geschichten für Kinder. War das immer schon Ihr Plan?

Hohage: Nein, einen richtigen Plan hatte ich eigentlich gar nicht, bevor ich anfing, für verschiedene Radiostationen und später auch für Fernsehformate zu arbeiten. Ich war schnell vor allem auf Lieder und kleine Comedyserien spezialisiert, die zum Beispiel auch bei Radio RSG liefen. Irgendwann bekam ich mit, dass die Kinder meines Bruders viel Spaß an meinen Liedern hatten. Ich habe dann später zum Beispiel Lieder für die Diddl-Maus geschrieben und an Hörspielen für Kinder mitgewirkt. So bin ich irgendwie in der Kinderecke gelandet. In meinem Studio in Hamburg arbeite ich nun jeden Tag an tollen Projekten für Kinderohren.

Wie ist das Projekt „Hurra Kinderlieder“ entstanden?

Hohage: Vor vier Jahren sollte ich für jemanden, der Youtube-Videos macht, ein lustiges Lied schreiben. Aber ich dachte, ich schreibe lieber ein Lied für mich selbst und probiere es mal mit einem Video. Ein Künstler hat dann die Animation für das Lied „Der Pavianpopo“ geliefert. Nach kurzer Zeit wurde es schon 40 000 Mal aufgerufen. Mit dem „Pavianpopo“ bin ich dann in Berlin beim Major-Label Universal Music vorstellig geworden. Die waren auch ganz angetan, nahmen mich unter Vertrag und wollten, dass ich weitere Lieder schreibe. So hat sich nach und nach ein Hurra-Kinderlieder-Kosmos entwickelt.

Die Lieder sind sehr liebevoll animiert. Spielt das für den Erfolg eine Rolle?

Hohage: Auf jeden Fall. Lieder und Bilder gehören für mich bei Hurra Kinderlieder zusammen. Ich habe die Figuren mit verschiedenen Animatoren zusammen

Das kleine Monster Hacki Backi hat seinen Auftritt im Zahnputzsong.

entworfen und tausche mich regelmäßig mit ihnen aus. So haben wir die Familie mit den Geschwistern Frida und Karlchen, Mama, Papa, Oma und dem Hund geschaffen. Schon beim Schreiben der Lieder habe ich ihre Figuren im Kopf. 

In meiner Vorstellung singen Sie über Ihre eigene Familie. Ist da was dran?

Hohage: Wir haben drei Jungs – drei, sieben und zehn Jahre alt. Natürlich fließt da viel aus unserem Leben in die Lieder mit ein. Lieder wie „Aufräumblitz“ oder „Pusten, Trösten, Pflaster drauf“ haben ihren Ursprung im Alltag. Meine Söhne singen zum Glück sehr gerne und haben Spaß an den Liedern. Und die Mama wird von meiner Frau gesungen. Es ist ein richtiges Familienprojekt und eine Herzensangelegenheit geworden.

Was macht für Sie ein gutes Kinderlied aus?

Hohage: Mein Hauptaugenmerk liegt auf den Texten. Kinder sollen sich darin wiederfinden. In meinen Liedern muss immer irgendwas passieren. Ich singe nicht über Kinder, sondern Kinder erleben in meinen Liedern Geschichten - meistens lustige. Ganz wichtig ist mir auch, dass Kinder alles verstehen. Wenn meine Söhne ein neues Lied von mir hören und über eine Zeile stolpern, weiß ich eigentlich schon, dass ich sie ändern muss.

Ihre Lieder sind sehr bekannt, Ihren Namen und das Gesicht dazu kennen aber nur die wenigsten. Hätten Sie nicht Lust, selbst mehr im Vordergrund zu stehen – wie zum Beispiel Rolf Zuckowski oder Volker Rosin?

Hohage: Ich bin einfach mehr eine Studiomaus. Mich macht es glücklich, wenn ich in meinem Studio aus einer guten Idee ein tolles Lied entwickeln kann. Und für Youtube, Spotify und Co. muss jedes Lied gut werden, sonst wird es nicht angesehen und mitgesungen. Früher hab ich zwar auch mal in verschiedenen Bands

Kai Hohage hat die Welt von „Hurra Kinderlieder“ erschaffen. Sein neustes Lied „Ich mach das“ wurde gestern veröffentlicht.

gespielt, aber das war immer nur Spaß. Für Liveauftritte und großes Shows habe ich zu viel Lampenfieber, das fängt schon Tage vor dem Auftritt an. „Hurra Kinderlieder“ sollte von Anfang an quasi ohne mich berühmt werden.

Wohin soll sich „Hurra Kinderlieder“ noch entwickeln?

Hohage: Vor allem möchten wir noch viele schöne Lieder und Videos machen. Es gibt schon CDs und DVDs, vielleicht wird es auch mal ein Buch oder Merchandising-Artikel geben. Dafür muss das Projekt noch etwas wachsen. Im Moment genieße ich die Freiheit, mir neue Lieder ausdenken zu können, die dann wirklich zu den Kindern finden. Das ist einfach schön!


Hintergrund

Zur Person: Kai Hohage wurde 1969 in Dortmund geboren. Er studierte „Medien-Planung, -Entwicklung und -Beratung“ in Siegen und arbeitete für verschiedene Radio- und Fernsehformate als Autor. Er lebt mit seiner Frau und seinen drei Söhnen in Hamburg. Für seine Firma „Hörzauber“ schreibt und produziert der 51-Jährige seit 18 Jahren Lieder, Hörspiele und Geschichten für Kinder.

Hurra Kinderlieder: Die Lieder und animierten Videos sind bei Youtube unter dem Kanal „Hurra Kinderlieder“ zu finden. Einige Lieder gibt es auch auf Englisch und Schwizerdütsch. Die 46 Videos wurden über 700 Millionen Mal abgerufen. „Eine tolle Zahl, aber direktes Feedback von Eltern und Kindern erfüllt mich mit mehr Stolz“, sagt Hohage. Von „Hurra Kinderlieder“ gibt es zwei CDs und eine DVD.

Kai Hohages neustes Lied "Ich mach das" wurde gestern veröffentlicht. Es soll Kindern Mut machen: 

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