RGA-Aktion

Helft uns helfen: Wenn Mama zu große Ängste hat

Kinder von psychisch erkrankten Eltern haben es im Alltag oft schwer. Die Schwere und die Traurigkeit, aber auch die Ängste bekommen sie hautnah mit. Das „Netzwerk Kleine Helden“ hilft im Alltag. Symbolfoto: Kusch/dpa
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Kinder von psychisch erkrankten Eltern haben es im Alltag oft schwer. Die Schwere und die Traurigkeit, aber auch die Ängste bekommen sie hautnah mit. Das „Netzwerk Kleine Helden“ hilft im Alltag.

Joel (7) wächst bei seiner psychisch kranken Mutter auf. Im Alltag bekommen beide Unterstützung.

Von Anja Carolina Siebel

Joel (Namen von der Redaktion geändert) liebt seine Mama. Das sagt er oft. Und wer ihn kennt, der weiß das auch. Und auch für Nora S. ist ihr siebenjähriger Sohn ihr Ein und Alles. Die beiden sind ein gutes Team.

Dass der Alltag und das Miteinander der beiden so gut funktioniert, war nicht immer selbstverständlich. Denn Nora S. ist psychisch erkrankt. Sie leidet an einer posttraumatischen Belastungsstörung und Depressionen. Ihre Kindheit war schwierig, die Mutter trank exzessiv Alkohol. „Als Joel dann auf der Welt war, wollte ich alles perfekt machen. Ich wollte einfach, dass er es gut hat“, erzählt die 37-Jährige. Und gerade dieser Anspruch, dieses unbedingte Wollen machte ihr Angst. Große Angst.

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Sie hat immer gern gearbeitet. Auch in der ersten Zeit, als Joel im Kindergarten war. Irgendwann ging das aber nicht mehr. Zu viele Ängste und Sorgen plagten die junge Mutter.

Nora S. wandte sich in ihrer Hilflosigkeit ans Jugendamt. „Ich wusste, ich musste aktiv werden.“ Das Amt stellte ihr eine flexible Erziehungshilfe an die Seite. Die Flexiblen ambulanten Erziehungshilfen bieten Familien, Kindern und Jugendlichen in Problemsituationen Hilfe und Unterstützung im Alltag. Dabei werden die Hilfesuchenden aktiv mit einbezogen. „Das hat uns sehr getröstet“, erinnert sich Nora S. Denn auch Joel brauchte etwas Unterstützung. Er hatte unter anderem Schwierigkeiten mit dem Sprechenlernen, musste zum Logopäden. Zudem klammerte er sich stark an seine Mama, konnte kaum ertragen, wenn sie auch nur eine kurze Zeit aus dem Haus ging. Das verunsicherte Nora  S. noch mehr. „Ich dachte, ich habe meine Ängste auf ihn übertragen.“

Die Flexible Erziehungshilfe kann nur eine begrenzte Zeit im Alltag der Familie bleiben. „Die Zeit war aber wertvoll“, sagt Nora S. Sie wusste dennoch, dass die schwierige Phase noch lange nicht vorüber war und dass sie vor allem auch etwas für sich selbst tun musste, um ihren und den Alltag ihres Sohnes gut meistern zu können.

Zugute kam Nora  S. das „Netzwerk Kleine Helden“. Das Netzwerk besteht aus verschiedenen Trägern, die thematisch miteinander verbunden sind. Durch die Vernetzung ist es möglich, Familien schnelle Hilfen zu bieten. Zudem gibt es Angebote wie das Kinder-Kunstprojekt oder Beratung an Schulen, die durch Spenden finanziert werden. Weil diese Netzwerkarbeit so wertvoll und für die Betroffenen immer wieder heilsam ist, unterstützt der RGA das „Netzwerk Kleine Helden“ dieses Jahr mit der Spendenaktion „Helft uns helfen“.

Den Haushalt hat Nora S. gut im Griff

HELFT UNS HELFEN

SUMME 14 500 Euro sind bisher bei der RGA-Aktion „Helft uns helfen“ schon zusammengekommen. Die Aktion läuft noch bis Februar 2020. Wir danken jetzt schon allen Spenderinnen und Spendern für die Unterstützung.

BEGÜNSTIGTE Dieses Jahr gehen die Spenden an das Netzwerk „Kleine Helden“ und das Jugendcafé „Juca“ in Wermelskirchen, das mit der Schultour und dem „Youthnited Festival“ Kinder und Jugendliche selbstbewusster und stärker macht.

Nora S. bekam dadurch einen Kontakt zu „Augusta Hardt Horizonte“. Sie nimmt seitdem dort am „Betreuten Wohnen“ teil. Ulrike Brieske von „Horizonte“ steht der alleinerziehenden Mutter seitdem zur Seite. Sie berät, wenn es um alltägliche Dinge wie Erziehung oder Haushaltsführung geht. „Ihren Haushalt hat Frau S. aber im Griff“, betont Ulrike Brieske und schaut in eine saubere, aufgeräumte Wohnung. „Das ist mein Gerüst, meine Sicherheit“, erklärt Nora  S. Sie hält ihre vier Wände sauber, hat es gern gemütlich mit ihrem Sohn. Aber Ulrike Brieske unterstützt auch, wenn es um die Arbeit geht, die Nora S. so gern wieder aufnehmen würde: „Das ist mein großes Ziel, irgendwann wieder ganz normal zu arbeiten“, sagt Nora S. Bis dahin wird es noch etwas dauern, aber sie und Joel sind auf einem guten Weg.

Inzwischen darf Mama auch mal aus dem Raum oder aus dem Haus gehen. Und es gibt einen neuen Mitbewohner bei den beiden. „Ehrenmann“ ist eine Bartagame, die in einem schönen Terrarium im Wohnzimmer wohnt. „Ihn zu beobachten, das beruhigt mich“, sagt Joel.

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