Mein Leben als Papa

Halbzeit im Kindergarten: Den kleinen Hannes gibt’s nicht mehr

Der knapp drei Jahre alte Hannes an seinem ersten Kindergartentag. Eine gefühlte Ewigkeit her. Foto: gf
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Der knapp drei Jahre alte Hannes an seinem ersten Kindergartentag. Eine gefühlte Ewigkeit her. 

RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (4 Jahre) und Michel (1 Jahr).

Beim Blick auf die Fotos, die an seinem ersten Tag im Kindergarten gemacht wurden, mag man es kaum glauben. Aber: Es ist immer noch dieselbe Tasche, mit der Hannes morgens in den Kindergarten geht. Wirkte sie anfangs noch riesig an seinem Körper, sieht sie jetzt eher aus wie ein kleines, elegantes Handtäschchen. Genau zwei Jahre ist es her, seit für ihn und uns ein neuer Lebensabschnitt begann. Genau zwei Jahre Kindergarten hat er noch vor sich. Ich vergleiche das Leben ja gerne mit einem Fußballspiel: Demnach ist für Hannes jetzt Halbzeit.

In die zweite Hälfte geht er nicht mehr als schüchterner Nachwuchsspieler, der darauf bedacht ist, keine Fehler zu machen, sondern als gestandener Bundesligaspieler. Als einer, der vorangeht. „Ich gehör jetzt zu den Großen“, sagt er selbst, obwohl das alterstechnisch noch gar nicht stimmt. Aber wer einen Kopf größer ist als viele Vorschulkinder, fühlt sich eben so. Und es gibt im Alltag ja auch deutliche Zeichen dafür, ein Großer zu sein. Zum Beispiel darf Hannes jetzt mit Messern hantieren. Natürlich nur beim Mittagessen. Am Mittagstisch lässt sich die Evolution der Kindergartenkinder am besten veranschaulichen: Plastikteller – Glas statt Becher – Messer.

Seine Trainer, also die Erzieherinnen, kennen Hannes’ Stärken und Schwächen und wissen genau, wie sie ihn einsetzen können. Als eine Art Sechser, wie man im Fußball sagt. Als einer, der alles im Blick hat. Und als Verbindung zwischen den jungen und den alten Mitspielern im FC Kindergarten. Den kleinen Joshua nahm er gleich an die Hand und zeigte ihm alles, was wichtig ist im Kindergarten. Mit dem großen Theo, der jetzt in die Schule kommt, diskutiert er über Fußball und das Sonnensystem. Die gleichaltrigen Freunde lädt er nacheinander zu uns nach Hause ein. Oder lädt sich bei ihnen ein. 

Auch seine geliebte „Frau Günther“ sprach er neulich an: „Du kannst doch mal zum Spielen in unseren Garten kommen.“ Sogar mit den Müttern der anderen Kinder ist er im Austausch. „Stimmt es, dass der Papa von Bela mal in der 1. Liga Volleyball gespielt hat?“, wollte er wissen. Belas Mama war überrascht. „Stimmt. Woher weißt du das denn?“, fragte sie ihn zurück. „Von meinem Papa.“ Irgendwann hatte ich ihm das mal erzählt. Und muss aufpassen, nicht irgendwann mal etwas Schlechtes über andere Eltern zu erzählen. Bislang gab es dazu aber keinen Grund.

gunnar.freudenberg@b-boll.de

Erstaunlich ist auch, wie gut Hannes der Wiedereinstieg nach der langen Corona-Pause gelungen ist. Und wie schnell er und die anderen Kinder die neuen Regeln akzeptiert haben. Einbahnstraßenregelung im Flur? Flatterband im Garten? Ist okay. Der Trainer gibt die Taktik vor. Zu Hause zeigt mir Hannes dann, was er gelernt hat. Wie ich mir meine Hände korrekt wasche, zum Beispiel. Denn: „Du machst das total falsch, Papa!“

Dass es trotzdem manchmal Tage gibt, an denen Hannes einfach keine Lust auf Kindergarten hat, finde ich ganz normal. Ich hab auch nicht immer Lust zu arbeiten. Und dann? Ziehen wir es beide trotzdem durch. Wenn ich Hannes dann am frühen Nachmittag abhole, was in Corona- und Homeoffice-Zeiten geht – sehe ich fast immer einen fröhlichen Jungen aus der Tür stapfen. Und keinen kleinen Jungen mehr.

Michel kommt meistens mit. Weil er Hannes morgens vermisst. Und weil auch er den Kindergarten schon sehr mag. Ein Jahr muss er sich noch gedulden, dann geht es auch für ihn los. Mein Tipp: Michel ist eher der Typ Vollblutstürmer. . .

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