Mein Leben als Papa

Wir hätten noch Stunden auf Opas Dachboden verbringen können

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„Nimm et mit!“ Opa kontrolliert Hannes’ und Papas Besuch auf dem Dachboden. 

RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (4 Jahre) und Michel (1 Jahr)

Mein ganzes Leben lang war der Dachboden für mich tabu. „Da fällste durch“, warnte mich mein Vater immer. Nur er kenne den sicheren Weg zwischen Rigipsplatten, Brettern und Holzbalken. Dabei übte dieser dunkle Ort schon als Kind immer einen großen Reiz auf mich aus. Lagerten da doch zum Beispiel eine alte Märklin-Eisenbahn, Super-8-Filme und die Koffer, die unter lautem Stöhnen meines Vaters immer nur bei Urlauben herunterbugsiert wurden.

Seit etlichen Jahren hat auch mein altes Zeugs dort oben auf dem Dachboden meiner Eltern Patina angesetzt. „Richtig coole Sachen liegen da noch von mir“, erzählte ich Hannes und musste ihn nicht überzeugen, seinen Opa beim nächsten Besuch darum zu bitten, die Leiter aus der Garage zu holen, um auf den Speicher zu kraxeln. Denn auch Hannes fand diesen geheimen Ort, der nur mit einer Leiter zu erreichen ist, schon immer faszinierend. Und weil ein Opa seinem Enkelkind prinzipiell nichts abschlagen kann, zog er sich die Bollerbuxe an und mit Hannes von dannen.

Als ich oben ankam, wurde ich überrascht: „Komm, geh du hoch!“, erfüllte der an der Schulter lädierte Vater seinem knapp 40 Jahre alten Sohn einen Kindheitstraum. „Auf der linken Seite kannst du nicht durchkrachen.“ Hätte ich das schon früher gewusst. . . 

Was mich bei tropischer Hitze im Dunkeln erwartete, war nicht weniger als eine Reise in meine Vergangenheit. Erinnerungen in jedem einzelnen Karton. Unter anderem Panini-Alben aus den 80er Jahren, Formel-Eins-Modellautos, Natur- und Sportbücher, eine Biografie über David Hasselhoff und jede Menge Eisenbahn-Zubehör.

gunnar.freudenberg@b-boll.de

Ich bekam fast gar nicht mit, dass auch Hannes auf den Dachboden klettern durfte. Mit vier Jahren! „Boah, ist das cool“, freute er sich und leuchtete mit seiner Taschenlampe in der Hand wirklich jeden Winkel aus. „Hier bleiben wir!“

In der Tat hätte ich noch Stunden hier verbringen können. Meinem Vater war aber daran gelegen, die Kartons loszuwerden. „Nimm et mit!“, trieb er mich minütlich an, wenn ich mal wieder von einem Fundstück schwärmte. So wie er es immer sagt, wenn ich in meinem Elternhaus irgendwas von früher in den Händen halte: „Nimm et mit!“

Wir nahmen fast alles mit. Die Folge: Hannes ist jetzt ein bisschen aus der Zeit gefallen. Beim Fußballspielen ist er manchmal Rudi Völler, bei Wettrennen mit dem Rad Michael Schumacher. Oder Knight Rider. Michel stürzte sich zu Hause gleich auf den alten Märklin-Lokschuppen und schaffte das, was weder dem Opa in den 50er noch dem Papa in den 80er Jahren gelungen war: Er brach eine Tür ab. 

Und die Mama? Der gelang es auf wundersame Weise, all meine wunderbaren Erinnerungen in unserer Wohnung zu verstauen. Weil Mamas das irgendwie immer schaffen.

Ein paar Tage später waren wir bei ihren Eltern zu Besuch. Nicht auf dem Dachboden, dafür aber in der Garage. Diesmal ging es mit einem weiteren Schwung an Büchern und Inline-Skates im Gepäck nach Hause. Und vor dem nächsten Besuch bei Oma und Opa sag ich Hannes, dass da auch noch eine Tischtennisplatte steht . . .

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