Nach 21 Uhr ist die Innenstadt fast menschenleer

Die Ausgangssperre in Remscheid zeigt Wirkung

Die Ausgangssperre lässt die Alleestraße zu einer Geisterallee werden. Niemand ist hier unterwegs.
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Die Ausgangssperre lässt die Alleestraße zu einer Geisterallee werden. Niemand ist hier unterwegs.

Firmen haben sich auf die Situation vorbereitet.

Von Michelle Jünger

Remscheid. Dämmriges Licht fällt gerade noch so auf die Alleestraße. Es ist 21 Uhr an diesem sehr kühlen Dienstagabend und damit tritt in Remscheid erstmalig die Ausgangssperre in Kraft. Die Stadt mutet beinahe geisterhaft an. Es sind kaum Menschen unterwegs, manche kommen gerade erst von der Arbeit oder führen den Hund aus.

Die Ausgangssperre kommt aber für den ein oder anderen überraschend und kurzfristig. So zum Beispiel für Wolfgang Wanders. „Ich höre und lese eigentlich jeden Tag Nachrichten. Mir war das gar nicht bewusst“, sagt er und sputet sich dann, nach Hause zu kommen. Aus abendlichen Spaziergängen wird so also nichts.

Can Isik, Tobias Görder und Aleksandra Schulten kommen von der Arbeit und sind auf dem Weg zum Müngstener, um nach Hause zu fahren.

Die meisten, die nun unterwegs sind, sind Arbeitnehmer. Entweder kommen sie von der Spätschicht oder beginnen um 22 Uhr mit der Nachtschicht. Mustafa Cakir arbeitet in der Produktion bei Mannesmann und nutzt die öffentlichen Verkehrsmittel. Für ihn ist es also kein Problem, zur Arbeit zu kommen. „Ich fahre mit dem Bus, aber Kollegen, die normalerweise von ihren Frauen zur Arbeit gebracht werden und keinen Führerschein haben, mussten jetzt schnell umplanen“, erzählt er. Sorgen um eine Kontrolle macht er sich auch nicht. Die Firma hat ihm rechtzeitig mit der Bescheinigung versorgt, dass er zu Zeiten der Ausgangssperre auf dem Weg zur Arbeit ist.

Remscheid: Ordnungsdienst kontrolliert an den Knotenpunkten

Das ist auch gut so, denn der Kommunale Ordnungsdienst kontrolliert die vorerst bis Sonntag erlassene Ausgangssperre und sucht dabei vor allem die Knotenpunkte auf, die viele Menschen anziehen. Doch auch dort herrscht an diesem Dienstag gähnende Leere. Die Remscheider scheinen sich an die Bestimmungen der Ausgangssperre zu halten.

Mustafa Cakir muss zur Nachtschicht und wartet auf den Bus. Eine Bescheinigung des Arbeitgebers hat er dabei.

Eine Remscheiderin, die namentlich nicht genannt werden möchte, ist auch eine der wenigen, die noch unterwegs sind. Sie kommt gerade von der Spätschicht und ist auf dem Weg nach Hause. Sie ist von ihrem Arbeitgeber sehr gut ausgestattet, sowohl am Arbeitsplatz als auch jetzt während der Ausgangssperre. „Wir haben bereits seit Beginn der Pandemie solche Genehmigungen vorliegen, falls die Maßnahme kommt“, sagt sie. Jeden Tag läuft sie den Weg von etwa zwanzig Minuten zur Arbeit hin und wieder zurück. Sie sagt aber, dass sie merkwürdigerweise auf dem ganzen Weg dem Ordnungsamt tatsächlich nicht begegnet sei. Sie ist davon ausgegangen, mehr Kontrollen zu sehen oder auch selbst kontrolliert zu werden. „Das Einzige, was ich bemerkt habe, ist vermehrter Autoverkehr“, sagt sie dann mit Blick zu der Hauptverkehrskreuzung am Hauptbahnhof.

Remscheid: Firmen haben sich vorbereitet

Das muss nicht zwangsläufig mit der Ausgangssperre zu tun haben. Aber es ist möglich, dass einige Arbeitnehmer lieber das Auto statt dem Bus genommen haben, um den Kontrollen etwas aus dem Weg zu gehen. Zu den Maßnahmen selbst sagt die Remscheiderin, dass sie sie verstehen kann, auch wenn sie sich nicht sicher ist, ob die Ausgangssperre nun das Heilmittel für die Inzidenzwerte in Remscheid ist.

„Natürlich ist es lästig und nervig, aber ich für meinen Teil bin bereit, alles zu tun, damit wir aus dieser Lage wieder rauskommen“, sagt die Remscheiderin, die eine hochbetagte Mutter zu Hause hat und diese auch schützen will.

Auch sonst sieht man wenig Verstöße gegen die Corona-Bestimmungen. Masken, weite Abstände, die Laune ist generell verhältnismäßig gut. Jeder empfindet die Maßnahmen irgendwie als lästig, aber gleichzeitig als notwendig. Doch lösen sie auch nach wie vor Verunsicherung aus.

Aleksandra Schulten, Tobias Görder und Can Isik kommen von der Spätschicht bei Vaillant und wollen mit dem Zug Richtung Solingen in den Feierabend. „Ich weiß gar nicht, ob in Solingen auch Ausgangssperre herrscht“, sagte Can Isik. Das wäre aber auch gar nicht so schlimm. Denn auch ihr Arbeitgeber hat sie alle rechtzeitig mit der Bescheinigung ausgestattet, dass sie noch unterwegs sein dürfen. So kurzfristig die Ausgangssperre in Remscheid auch erlassen wurde, die Firmen haben sich vorbereitet.

Hintergrund

Seit dem 13. April 2021 gilt bis einschließlich dem 18. April in Remscheid zwischen 21 Uhr und 5 Uhr die Ausgangssperre, da die 7-Tage-Inzidenzwerten von 200 dauerhaft überschritten wurden. Über eine Verlängerung wird dann entschieden.

Städtische Parks wie der Kuckuck im Südbezirk bleiben nun geschlossen. Das sorgt in Teilen der Politik für Unmut.

Die Polizei hat von Dienstag auf Mittwoch im Zeitraum von 21 Uhr bis 5 Uhr früh zwölf Verstöße gegen die Ausgangssperre festgestellt.

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