Zahlen unterscheiden sich erheblich

Sars-CoV-2: Das Virus ist nur schwer zu verstehen

Die Alten- und Pflegeheime in Remscheid sind mittlerweile durchgeimpft. 
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Die Alten- und Pflegeheime in Remscheid sind mittlerweile durchgeimpft. 

In Remscheid verliert Sars-CoV-2 weiter an Tempo – In Solingen steigen die Fallzahlen dagegen rasant an.

Von Axel Richter und Andreas Tews

Corona-Inzidenzwerte

Remscheid. Nur das Tal der Wupper trennt die Nachbarstädte voneinander, und auch, was die Bevölkerungsstruktur angeht, unterscheiden sich Remscheider und Solinger nicht nennenswert voneinander. Umso mehr überrascht die Zahl der Covid-Fälle in beiden Städten. Denn die unterscheiden sich nicht nur erheblich voneinander; sie laufen auch seit Tagen in gegensätzliche Richtungen.

Eine Sieben-Tage-Inzidenz von 110,5 vermeldete das Robert-Koch-Institut am Dienstag für das annähernd 159.000 Einwohner starke Solingen. Im Vergleich zur Vorwoche ist der Vergleichswert damit um 28,2 gestiegen, während er in Remscheid im gleichen Zeitraum um 7,2 auf aktuell 48,5 zurückging. Wo liegen die Ursachen?

Thomas Neuhaus, Leiter des Corona-Krisenstabes in Remscheid, hält sich mit Bewertungen zurück. „Wir freuen uns natürlich wie Bolle. Wir wissen aber auch, wie schnell die Entwicklung wieder in die andere Richtung gehen kann“, sagt er mit Blick auf die Zeit nach den Sommerferien. Da war Remscheid mit einem Mal Corona-Hotspot.

„Wahrscheinlich gibt es längst eine Remscheider Mutante.“

Thomas Neuhaus, Krisenstab

Fakt ist: Die Alten- und Pflegeheime sind mittlerweile durchgeimpft. Und die Impfung wirkt. In den Einrichtungen sind aktuell keine Neuerkrankungen bekannt. Anfang Dezember hatte schon allein das Infektionsgeschehen im Haus Lennep, in dem sich binnen weniger Tage mehr als 60 Bewohner und 30 Mitarbeiter mit Sars-CoV-2 infizierten, die Inzidenzzahl in die Höhe schnellen lassen.

Doch nicht nur aus den Altenheimen, auch aus den Remscheider Kindertagesstätten dringen keine Hiobsbotschaften. Die Einrichtungen sind zwar zu 45 Prozent belegt. Dennoch herrscht Ruhe. Neuhaus, der auch Schul- und Sozialdezernent ist, begrüßt deshalb eine rasche Wiederöffnung der Schulen und Kitas. Und eine vorgezogene Impfung der Lehrer und Erzieher, wie sie von Berufsverbänden gefordert wird, gestern aber von der Ständigen Impfkommission als unbegründet abgelehnt wurde.

In Solingen hat das Infektionsgeschehen in den Kitas anders als in Remscheid wieder deutlich zugenommen. Eine Erklärung dafür gibt es nicht. Die Stadt reagierte, seit Montag gilt 200 Meter rund um die Einrichtungen Maskenpflicht. Die Ausbrüche wirkten sich auf den Inzidenzwert aus.

Und noch etwas dürfte den Wert höher ausfallen lassen. Solingen testet mehr. 22 415 Tests hat Remscheid von März 2020 bis Februar 2021 vornehmen lassen. In Solingen waren es allein in der Infektionsambulanz Bethanien 46 165. Da dort aber nur knapp ein Drittel aller Infektionen festgestellt wurde, dürfte die Gesamtzahl der Tests noch höher liegen.

„Wir analysieren das Infektionsgeschehen scharf, sagt Stadtsprecher Thomas Kraft.“ Die Stadt lässt die Infizierten deshalb deutlich häufiger auf Mutationen untersuchen, als das in Remscheid der Fall ist. Ergebnis: In Solingen tauchten bislang 91 britische und südafrikanische Varianten auf. In Remscheid sind es lediglich 8.

„Das Verfahren ist aufwendig, die Laborkapazitäten sind begrenzt“, sagt Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Neveling. Außerdem ist die Untersuchung teuer. Vor allem aber sieht Neveling in der Suche nach Mutanten nur geringen praktischen Nutzen. „Ob ich es mit einer Mutante zu tun habe oder mit dem Ursprungsvirus, spielt in der Therapie keine Rolle. Und schützen müssen sich die Menschen vor allen Virusvarianten.“

Davon werde es seiner Einschätzung nach übrigens noch einige geben. Das Virus verändert sich ständig, was Krisenstabsleiter Neuhaus scherzen ließ: „Neben der britischen, afrikanischen oder brasilianischen gibt es wahrscheinlich längst auch eine Remscheider Mutante.“

Das Virus verliert an Tempo

Das Coronavirus hat in Remscheid an Geschwindigkeit verloren. Die Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen liegen derzeit geringfügig unterhalb des Schwellenwertes von 50. Zum Vergleich: Vor zwei Wochen lag die Sieben-Tage-Inzidenz knapp unterhalb von 70. Laut Gesundheitsamt sind aktuell 79 Remscheiderinnen und Remscheider an Covid-19 erkrankt. Die Zahl der Verdachtsfälle liegt bei 422. Die Krankenhäuser vermelden 15 positive Fälle in stationärer Behandlung, 7 Patienten liegen auf der Intensivstation, 2 müssen beatmet werden.

Standpunkt: Natürlich früher impfen

Von Axel Richter

axel.richter@rga-online.de

Die Kinder müssen zurück in den Kindergarten, die Schülerinnen und Schüler müssen zurück in die Schulen. Ihretwegen und ihrer Eltern wegen. Denn nicht wenige Familien sind mit Homeschooling und Homeoffice längst überfordert. Zwar funktioniert der Unterricht auf Distanz heute deutlich besser als in der ersten Coronawelle. Die persönliche Begegnung mit Freunden, Erzieherinnen und Lehrern kann ein Laptop dennoch nicht ersetzen. Für manche Kinder bilden Schule und Kindergarten zugleich die einzige Konstante im Leben. Dort gibt es Menschen, die sich um sie kümmern, was leider nicht mehr in allen Familien selbstverständlich ist.

Um das Sicherheitsnetz, das Schule und Kita ebenfalls bilden, endlich wieder fest zu spannen, müssen diejenigen, die dort arbeiten, selbstverständlich früher geimpft werden. Auch, damit das Netz am Ende nicht mangels Personal zerreißt. Dass die Ständige Impfkommission dafür gestern keinen Anlass sah, ist insofern unverständlich. Wer will, dass wichtige Einrichtungen verlässlich funktionieren, der muss auch dafür sorgen, dass dort sorgenfrei gearbeitet werden kann.

Welche Beschränkungen wegen des Coronavirus gelten aktuell in Remscheid? Das haben wir für Sie in einem Artikel zusammengefasst, den Sie hier finden: Ein Überblick über die Corona-Regeln in Remscheid.

Aktuelle Informationen zur Corona-Situation in Remscheid erhalten Sie in unserem Corona-Blog.

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