Coronavirus

Notbetreuung: Auch in Kitas gilt Mindestabstand

Auch in der städtischen Kita Kremenholler Straße ist Ruhe eingekehrt: Für die Leitung mit Gitta Dicke (links) und Steffi Ackermann-Friedrich besteht Anwesenheitspflicht. Foto: Roland Keusch
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Auch in der städtischen Kita Kremenholler Straße ist Ruhe eingekehrt: Für die Leitung mit Gitta Dicke (links) und Steffi Ackermann-Friedrich besteht Anwesenheitspflicht. 

Alle 60 Einrichtungen sind auf das absolute Minimum runtergefahren. 65 Kinder nehmen das Betreuungsangebot wahr.

Von Andreas Weber

Remscheid. In ihren 35 Berufsjahren als Erzieherin hat Gitta Dicke alle gängigen Krankheiten in ihren Einrichtungen erlebt. Krätze, Läuse, Norovirus, Masern, Hand-Fuß-Mund, Röteln – das Übliche, was Kinder ereilen kann. Deshalb gingen die erfahrene Fachkraft und ihr Team in der städtischen Kita Kremenholler Straße besonnen mit den ersten Einschränkungen durch das Coronavirus um. „Schließlich gibt es das Infektionsschutzgesetz, und wir müssen Hygiene-Standards schon lange einhalten“, verdeutlichte Dicke vergangene Woche im Jugendhilfeausschuss.

Covid-19 zwang allerdings auch in Kremenholl zu noch etwas penibleren Kontrollen. Zu dem Zeitpunkt waren es nur 2 von 87 Kindern, die nicht in die Kita geschickt wurden. „Wir bleiben gelassen“, blickte Dicke im Ausschuss voraus. Neun Tage später ist die Unaufgeregtheit in Kremenholl der Ruhe gewichen. Denn die Zahlenverhältnisse haben sich komplett gedreht: Nur ein Junge und ab kommender Woche zusätzlich ein Mädchen besuchen die Notbetreuung in der viergruppigen Einrichtung, der Rest bleibt daheim.

In allen Kitas ist es seit Montag still geworden. Im Jugendamt notierte Kita-Koordinator Peter Nowack für die 60 Kitas und 60 Tagespflegepersonen in Remscheid nur 65 Kinder von Eltern, die beide in Schlüsselberufen tätig sind und die ansonsten verwaisten Kitas besuchen dürfen. Die Statistik liest sich so: 47 Kinder sind in 23 Kitas untergebracht, 18 Kinder in 14 Tagespflegestellen. Maximal acht Kinder dürfen in einer Kita untergebracht werden, drei bei einer Tagespflege. Die Zahlen datieren von Dienstagnachmittag. Ein paar weitere Kinder könnten hinzukommen. Denn alles ändert sich rasend schnell. Ständig trudeln Mails aus dem Ministerium in Düsseldorf ein. „Wir denken nur von Tag zu Tag“, sagt Gitta Dicke. Die 61-Jährige hat mit ihrer Stellvertreterin Steffi Ackermann-Friedrichs Anwesenheitspflicht. Ansonsten ist den Erwachsenen weitgehend Heimarbeit auferlegt worden. Vor allen denjenigen mit Vorerkrankungen und einem Alter jenseits der 60 Jahre.

Notbetreuung in Remscheid: Nicht mehr als drei Kinder bilden eine Kleingruppe

15 Köpfe zählt das Kremenholler Team, in dem es einen Mann gibt. Hieß es anfangs, fünf Erwachsene dürfen zeitgleich in einer Kita sein, so ist diese Anweisung seit gestern hinfällig. Neuester Stand: Nur die Leitungen und die Fachkräfte, die die wenigen Kids betreuen, müssen da sein. Für die Kinder gilt: Nicht mehr als drei sollten eine Kleingruppe bilden. Darüber hinaus werden sie gesplittet. Auch das Personal ist verpflichtet, einen gebührenden Mindestabstand voneinander zu halten. Was bei den weitläufigen Räumen in Kremenholl nicht schwerfällt.

Wer nicht vor Ort ist, hat Stubenarrest im Arbeitsmodus verordnet bekommen. Zuhause soll an Bildungsdokumentationen über die Kinder gearbeitet, Elterngespräche vorbereitet und an dem bestehenden Kita-Konzept weiter gefeilt werden. „Alle Bausteine werden überarbeitet, jeder von uns hat einen Teilbereich zugewiesen bekommen“, stellt Gitta Dicke fest. Es sind genau die zeitintensiven Aufgaben, zu denen die Erzieherinnen im hektischen Gruppenalltag sonst kaum kommen. „Im Jahr haben wir zwei Konzeptionstage und alle drei Wochen eine zweistündige Mitarbeiterbesprechung.“

In Kremenholl wechselt sich das Team bis 19. April im Wochen-Rhythmus in der Kinderbetreuung ab. Profiteure sind die Handwerker, die die Kita in der Kremenholler Straße 60a, zurzeit im Haus hat. Reparaturen und Sanierungen können ungestört durchgeführt werden. Gitta Dicke gibt sich keinen Illusionen hin: „Mit der nächsten Email kann es auch für die Handwerker neue Anweisungen geben.“

In unserem Live-Blog finden Sie aktuelle Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Remscheid. Er wird laufend aktualisiert.

BETREUUNG IN SCHULEN

GRUNDSCHULEN In der Primarstufe werden laut Angaben des Krisenstabes 65 Kinder betreut. Zwei Schulen betreuen keine Kinder, die anderen zwischen 1 und maximal 10 Kindern.

FÖRDERSCHULEN An den Förderschulen wird ein Kind betreut, an der Hauptschule keins.

SEKUNDARSTUFE Außer Berufs- und Weiterbildungskollegs sind es in der SEK I zwei Schüler, drei weitere sind angekündigt.

Standpunkt: Berechtigte Sorgen

Von Andreas Weber

andreas.weber@ rga-online.de

In vielen Berufen geht nichts mehr, andere wiederum bräuchten angesichts der sich überschlagenden Nachrichtenlage und sich überholender Entscheidungen dringend eine Verschnaufpause. Die Schließung von Kitas und Schulen hat die städtischen Fachämter in den vergangenen Tagen nonstop gefordert. Nicht zuletzt die Grundlage für die Betreuung der Kinder hat ihre Fallstricke. Die Lücken mussten sich die Rathaus-Mitarbeiter in ungezählten Mails und Telefonaten anhören. 

Viele Eltern treiben berechtigte Sorgen um. Dass beide Elternteile in Schlüsselberufen tätig sein müssen, um Betreuung für ihre Kinder zu bekommen, kann Familien in finanzielle Nöte stürzen. So kann es sein, dass der Vater keinen systemrelevanten Beruf ausübt, aber nun zuhause die Kinder hüten muss, obwohl er das deutlich höhere Einkommen verdient. Gegen diesen Tribut, den Corona fordert, ist die Stadt in ihrem Ermessensspielraum machtlos.

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