Coronavirus: Remscheid wird auf Null gesetzt

Der Jahrgang Q2 der Sophie-Scholl-Schule trauert um die Absage von Abschlussfahrt und Schulveranstaltungen. Foto: Roland Keusch
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Der Jahrgang Q2 der Sophie-Scholl-Schule trauert um die Absage von Abschlussfahrt und Schulveranstaltungen. 

Im Kampf gegen das Coronavirus sind Schulen und Kitas ab Montag geschlossen. Kino, H2O, Theater, Museen bleiben dicht.

Von Axel Richter

Remscheid. Die angehenden Abiturientinnen und Abiturienten der Sophie-Scholl-Gesamtschule trugen ihre Enttäuschung am Freitag auf den Schulhof und alle Partys mit einem kleinen schwarzen Sarg symbolhaft zu Grabe. „Wenn wir Pech haben, werden uns unsere Abizeugnisse einfach nur zugeschickt“, sagte Jahrgangssprecherin Anna-Lena Lebernegg. Es wäre nicht das einzige Ungemach, das mit dem Coronavirus auf die Schulen zukommt.

Am Montag schließt die Stadt vorläufig bis zum 19. April alle Schulen und Kindertagesstätten. Noch bis Mittwoch wird in den Schulen eine vorübergehende Betreuung sichergestellt, dann erlischt auch sie. Nur für Kinder, deren Eltern in systemrelevanten Berufsfeldern arbeiten, die für die Daseinsvorsorge unentbehrlich sind, also zum Beispiel Feuerwehrmänner, Polizisten, Ärzte wird es danach noch eine Not-Betreuung geben. Sie kann unter Tel. 16 28 93 beantragt werden.

Mit der Schul- und Kitaschließung folgt die Stadt den jüngsten Vorgaben der Landesregierung und lässt darüber hinaus ein ganzes Maßnahmenbündel folgen, das den Virus Sars CoV-2 in Remscheid ausbremsen soll.

„Ich hoffe, dass ab Ende April, Anfang Mai die Infektionsrate abnimmt.“ Dr. Frank Neveling, Gesundheitsamt

Danach sind ab sofort und bis auf weiteres alle öffentlichen Veranstaltungen unabhängig von der Teilnehmerzahl verboten. Das gilt für die Kinovorstellungen im Cinestar wie für die Veranstaltungen von Westdeutschem Tourneetheater, Rotationstheater und Schatzkiste. Ebenso wird der Sauna- und Badebetrieb im H2O eingestellt. Geschlossen sind außerdem alle städtischen Kultureinrichtungen – also das Teo Otto Theater, die Museen sowie die Volks- und die Musik- und Kunstschule.

Remscheid: Soziales Leben durch Coronavirus „auf Null“ gesetzt

„Wir wissen, dass wir damit das soziale Leben in Remscheid auf Null setzen“, erklärt Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD). Allein: „Dieses Maßnahmenpaket ist die einzige Möglichkeit, um eine deutliche Verlangsamung der Virusausbreitung zu erzeugen und das Ansteckungsrisiko einzudämmen. Es gilt, jede Art von sozialer Interaktion zu unterbinden, die verzichtbar ist. Wir müssen alles unternehmen, um die Infektionsketten zu unterbrechen. Remscheid muss gesund bleiben.“

Deshalb werden auf Anweisung des Gesundheitsamtes auch das Sana-Klinikum und die Altenheime ab sofort den Besucherverkehr reduzieren. Dazu dienen noch andere Maßnahmen. Die Busse fahren ab sofort wie in den Ferien. Die vordere Tür beim Fahrer bleibt geschlossen, der Ticketverkauf wird eingestellt.

Das Coronavirus legt auch den Sport in Remscheid komplett lahm. Es gibt nur noch absagen, nichts geht mehr. Auch Fußballer, Handballer und Co. müssen dem Virus Tribut zollen. Hier ist eine Übersicht mit den Sport-Absagen.

Coronavirus: Beratungstelefon erhält Unterstützung

Dr. Frank Neveling, Leiter des Gesundheitsamtes, dessen Telefon zuletzt selten stillstand, erwartet in der kommenden Woche Unterstützung von bis zu zehn Medizinern. Sie werden Anrufern Rede und Antwort stehen, die am Telefon Rat suchen. Insbesondere zur Unterstützung älterer Menschen haben sich zudem die Kirchen im Rathaus angesagt. Senioren und Kranke gelten als Hauptrisikogruppe und sollten vorübergehend ihre sozialen Kontakte reduzieren.

Helfen die Schritte und haben am Ende auch die angehenden Abiturienten der Sophie-Scholl ihr Opfer nicht umsonst gebracht? „Ich bin kein Prophet“, sagt Dr. Frank Neveling. „Ich habe die Hoffnung, dass Ende April, Anfang Mai die Infektionsrate abnimmt.“ Dafür sprächen der Beginn einer wärmeren Jahreszeit und die Zahlen aus China. Dort gehen die Neuerkrankungen laut Weltgesundheitsorganisation zurück. 

In Remscheid liegt die Zahl der Infizierten weiterhin bei sieben. Wie die Stadt berichtet, wurde zuletzt ein Mann positiv auf das Coronavirus getestet, der zuvor in Südtirol im Urlaub war. Danach zeigte er erste Symptome einer Erkrankung. Der Mann befindet sich wie alle anderen Erkrankten in häuslicher Quarantäne. Alle Infizierten zeigen eine leichte Verlaufsform der Erkrankung.

Alle aktuellen Entwicklungen zur Situation erfahren Sie in unserem Coronavirus Live-Blog für Remscheid.

Standpunkt: Schüler als Vorbild

Von Sven Schlickowey

sven.schlickowey @rga-online.de

Abschlussfahrten, bunte Abende, vielleicht sogar die Zeugnisvergabe und der Abi-Ball – alles wird abgesagt. Wer in diesem Jahr seinen Abschluss macht, muss auf vieles verzichten. Das gilt übrigens auch für Freisprechungen von Gesellen und ähnliche Veranstaltungen. Natürlich geht Sicherheit vor Feiern. Aber genauso natürlich darf man sich als Betroffener genau darüber ärgern. Abi macht man schließlich nur einmal im Leben. Und auch einen Gesellenbrief bekommt man nicht allzu oft überreicht. 

Da ist die „Trauerfeier“ der Sophie-Scholl-Schüler eine bemerkenswerte Aktion, die zeigt, dass die Schülerinnen und Schüler zwar enttäuscht sind, sich aber nicht unterkriegen lassen. So dienen die jungen Menschen quasi als Blaupause, als Vorbild für uns alle: Ändern können wir die Umstände nicht, wir können aber dafür sorgen, dass die Umstände uns nicht alles vermiesen.

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