Corona-Krise

Corona-Regeln: Was passiert mit den Kontaktdaten beim Friseur?

Der Mindestabstand gilt nach wie vor in allen Bereichen.
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Der Mindestabstand gilt nach wie vor in allen Bereichen.

Kunden müssen derzeit ihre Kontaktdaten beim Friseur, im Fitnessstudio oder im Restaurant hinterlassen. Aber was passiert damit? Werde ich kontaktiert, wenn bei einem anderen Gast das Coronavirus festgestellt wird?

Von Axel Richter

Remscheid. Ob beim Friseur, im Fitnessstudio oder beim Restaurantbesuch: Überall sieht sich der Kunde dazu angehalten, seine Kontaktdaten zu hinterlassen. Sie sollen helfen, Infektionsketten zu durchtrennen.

Was geschieht eigentlich mit den Daten?

Hat das Gesundheitsamt jemanden positiv auf Sars-CoV-2 getestet, recherchieren die Mitarbeiter, an welchen Orten der Patient sich aufgehalten hat. Hat er an bis zu drei Tagen vor Beginn der ersten Krankheitssymptome zum Beispiel in einem Restaurant gesessen, können die Listen, die dort ausliegen, dabei helfen, etwaige Kontaktpersonen zu ermitteln. „Wenn Sie der Corona-Positive sind und zum Beispiel an Tisch 9 gesessen haben, können wir aus den Listen ersehen, wer an Tisch 10 gesessen hat“, erklärt Dr. Frank Neveling, Leiter des Remscheider Gesundheitsamtes. Danach nehmen die Behörden Kontakt zu dem Menschen an Tisch 10 auf. Gab es Gesprächskontakt? Ein Anhusten? Im Idealfall helfen die Listen, alle Kontaktwege von infizierten Personen nachzuvollziehen und das Virus an seiner weiteren Verbreitung zu hindern.

Wie lange werden die Daten vorgehalten?

„Nicht länger als vier Wochen“, sagt Dr. Neveling. Das Coronavirus hat eine Inkubationszeit von bis zu zwei Wochen. Weil die Mediziner aber noch nicht genau wissen, wie Sars-CoV-2 funktioniert, wurden noch zwei Wochen draufgerechnet. Danach muss das Unternehmen – der Friseur, das Fitnessstudio, das Restaurant – die Listen vernichten.

Wer ist für den Datenschutz verantwortlich?

Grundsätzlich die Betriebe, die sie erheben. Daran hat sich in Corona-Zeiten nichts geändert. Sie haben auch dafür zu sorgen, dass die Daten nicht von anderen eingesehen werden dürfen. Theoretisch dürften die Listen also nicht einfach ausgelegt werden. In der Praxis ist das nicht unbedingt der Fall.

Geben die Daten verlässlich Auskunft?

Nein. Auch hier sind die Gesundheitsbehörden auf die Mitwirkung der Bürger angewiesen. „Ich habe schon Einträge von Herrn Mustermann gesehen“, erzählt Neveling. Nicht jeder hinterlässt gern freiwillig seinen Namen samt Telefonnummer oder Adresse.

Ist die Abneigung dagegen begründet?

Das kommt auf den Individualfall an. Fakt ist, das lässt sich leicht beobachten: Nicht jedes Unternehmen führt pausenlos Aufsicht über die Kundenliste, die deshalb von anderen Gästen eingesehen werden kann. Neveling sieht die Erhebung dennoch gelassen. „Es handelt sich um Daten, die in der Regel auch dem Telefonbuch entnommen werden können. Es geht ja nicht um die Bankverbindung oder medizinisch sensible Daten.“

Gab es schon einen Infektionsfall, der mit Hilfe der Kundendaten nachverfolgt werden konnte?

Nein. Bislang mussten die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes noch zu keinem Betrieb ausrücken, um die Kundenlisten einzusehen. Hintergrund: Die Pflicht zur Erhebung gilt erst seit 14 Tagen und die Zahl der Neuinfektionen hält sich in Remscheid in engen Grenzen. Für die Behörden ist das kein Grund, davon abzulassen. „Wir haben in Ostfriesland gesehen, dass die Verbreitung des Coronavirus auf einen Schlag wieder an Geschwindigkeit zunehmen kann“, sagt der Leiter des Gesundheitsamtes. Es gebe deshalb nach wie vor keinen Anlass, dem Virus mit Sorglosigkeit zu begegnen.

Drohen den Betrieben Konsequenzen, wenn sie sich nicht an die Regeln halten?

Ja. Die Unternehmen sind zur Einhaltung der Infektions- und Hygieneschutzmaßnahmen verpflichtet. Das heißt, sie müssen dafür sorgen, dass Ihre Kunden Abstand zueinander halten können. Und dazu zählen auch die Listen mit den Kundendaten. Die Behörden kontrollieren die Einhaltung der Regeln. Wer sich nicht daran hält, riskiert in letzter Konsequenz die Geschäftsschließung - unabhängig davon, ob es in seinem Betrieb zu einem Corona-Fall gekommen ist oder nicht.

In unserem Live-Blog finden Sie aktuelle Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Remscheid.

Auch beim Thema Reisen und Urlaub gibt es einige Lockerungen. Wir beantworten die häufigsten Fragen zu Pfingsten: Wohin kann man trotz Corona verreisen?

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