Mein Leben als Papa

Boah, Alter! Auf der Suche nach den richtigen Worten

Auf Hühner ist Hannes seit dem letzten Bauernhof-Besuch nicht besonders gut zu sprechen. Foto: gf
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Auf Hühner ist Hannes seit dem letzten Bauernhof-Besuch nicht besonders gut zu sprechen. 

RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (4 Jahre) und Michel (1 Jahr).

Michels Wortschatz explodiert zurzeit. Jeden Tag sprudeln neue Wörter aus ihm heraus. Manche beherrscht er schon perfekt. Zum Beispiel das „Ciao“ mit Handkuss, mit dem er Hannes und mir abends eine „Gute Nacht“ wünscht. Bei Wörtern wie „Ate“ braucht man schon etwas mehr Fantasie, um herauszuhören, dass er gerne Apfelmus essen würde. 

Auch Hannes hat in puncto Kommunikation noch einmal eine Schippe draufgelegt. Der Kindergarten tut sein Übriges dazu. Immer öfter gerate ich mit ihm plötzlich in Diskussionen über Sprache.

Boah, Alter!

Ein riesiger Traktor fuhr neulich an uns vorbei. Mit Reifen, ungefähr so groß wie ich. Beeindruckend! Fand auch Hannes und stieß ein begeistertes „Boah, Alter!“ aus. Abends, als er sich in seinem Superhelden-Kostüm halsbrecherisch auf sein Bett schmiss, wiederholte er: „Boah, Alter!“

„Woher hast du das?“, wollte ich von ihm wissen. Die Namen, die er mir verriet, überraschten mich nicht. Ich erklärte ihm, dass man „Boah, Alter!“ eigentlich nicht sagt. Und dass es stattdessen viel schönere Ausdrücke gibt. „Mein lieber Kokoschinski“ zum Beispiel. Er hat das eine wie das andere seitdem nicht (mehr) benutzt.

Päuerchen

Hannes spielt im Moment sehr gerne Arzt. Ich erfinde dann Krankheiten seiner Stofftiere. Der Affe hatte Magen-Darm. „Du musst ein Päuerchen machen, dann geht’s dir besser“, wies Dr. Hannes an. „Bäuerchen“, korrigierte ich ihn. Hannes glaubte mir nicht. „Also Hannes, dein Papa schreibt sogar für die Zeitung, der kennt sich ein bisschen mit Wörtern und Buchstaben aus“, wurde ich ein wenig deutlicher. Missmutig akzeptierte er seine Niederlage. 

Später am Nachmittag ging es um Zahlen. „Weißt du, wie viel eine Trillion ist?“, fragte er mich. Ich wusste es wirklich nicht. „Du kennst dich vielleicht mit Buchstaben aus, aber nicht mit Zahlen“, merkte Hannes süffisant an.

Ausschütten

„Soll ich dir auch noch Wasser ausschütten?“, fragte ich Hannes am Mittagstisch. „Einschenken heißt das, Papa“, merkte Hannes an. In dem Fall konnte ich ihm nicht das Wasser reichen. Man muss als Papa auch mal einstecken können und nicht nur austeilen.

Verrücktes Huhn

Wir waren mal wieder auf dem Bauernhof. Unter Kühen, Hunden, Schafen und Hühnern geht es Hannes und Michel einfach gut. Bis Hannes die Warnungen ignorierte, seinen Finger nicht zu weit durch den Zaun zu stecken. Es kam, wie es kommen musste: Ein Huhn pickte nach Hannes’ Finger. Tränen flossen.

Abends versuchte ich Hannes noch mal zu erklären, dass das Huhn es gar nicht böse gemeint hatte und dass . . . – Hannes wollte davon nichts hören. „Hör auf, Papa!“, sagte er mir. „Das war einfach ein Scheißhuhn!“ Dem konnte ich nicht widersprechen.

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