Corona-Krise

Bestattungen in Remscheid nur noch im engsten Kreis

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Sonja Gröne (l.) richtet ein Grab im Begräbniswald Kempkenholz her. Bettina Kalbitz hält das Ergebnis für die daheim gebliebenen Angehörigen des Verstorbenen auf einem Foto fest. 

Die Teilnehmerzahl wird wegen Corona auf zehn Personen beschränkt. Die neue Regeln sind für alle Beteiligten eine Herausforderung.

  • Bestattungen sind in Remscheid nur noch im engsten Familienkreis zulässig.
  • Eine Arbeitsgruppe beschäftigt sich damit, wie Trauerfeiern allen Widrigkeiten zum Trotz würdevoll ablaufen können.
  • Fest steht die Grenze von maximal zehn Gästen.

Von Manuel Böhnke

Remscheid. Wer dieser Tage einen geliebten Menschen verliert, hat nicht nur mit dem Verlust an sich, sondern zusätzlich mit der Tatsache zu kämpfen, dass er unter Umständen nicht an dessen Beisetzung teilnehmen darf. Denn um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, sind Bestattungen nur noch im engsten Familienkreis zulässig. Teilnehmen dürfen maximal zehn Personen. „Wir müssen uns auch mit Blick auf die landesgesetzlichen Vorgaben der Corona-Schutz-Verordnung von Ritualen lösen, die für uns üblich sind, wenn wir jemand Nahestehenden verabschieden“, heißt es von der Stadt.

Krisenstab der Stadt Remscheid beauftragte Arbeitsgruppe

Eine vom Krisenstab beauftragte Arbeitsgruppe beschäftigt sich unter anderem damit, wie Trauerfeiern allen Widrigkeiten zum Trotz würdevoll ablaufen können. Zudem geht es um die Frage, wie man Menschen begleiten kann, die eine nahestehende Person durch Covid-19 verloren haben. Denn damit sei mit zunehmendem Infektionen zu rechnen. Neben Mitarbeitern der Stadt gehören der Arbeitsgruppe Bestattungsunternehmer und religiöse Vertreter an.

Wer zum engsten Familienkreis einer Person zählt, wird im Einzelfall entschieden. Fest steht jedoch die Grenze von maximal zehn Gästen. Pfarrer, Trauerredner, Bestatter, Sargträger und das Friedhofspersonal gehören nicht dazu. Alle Anwesenden – die Sargträger ausgenommen – müssen einen Mindestabstand von 1,5 Metern zueinander halten. „Sollte es Beschwerden oder Schwierigkeiten mit der Umsetzung dieser Maßnahme geben, ist das Ordnungsamt zuständig“, teilt die Stadt mit.

Remscheid: Bestattungsunternehmen filmt Trauerfeier für Angehörige

„Zum Teil ist es natürlich dramatisch, wenn jemand beispielsweise nicht zur Bestattung seines besten Freundes gehen kann“, sagt Sonja Gröne vom Bestattungsunternehmen Gröne und Kalbitz. Ihre Kollegin Bettina Kalbitz und sie haben allerdings festgestellt, dass die allermeisten Angehörigen Verständnis für die Vorschriften haben. „Teils sind sie sogar dankbar, dass mehr als zwei Personen kommen dürfen.“

Diese Erfahrung hat auch Frank Pinnow gemacht. „Man muss diese Nachricht vernünftig vermitteln“, weiß der Inhaber von Alfred Roth Bestattungen. Dennoch seien in dieser Woche zu einer Beerdigung 17 Gäste gekommen. „Es war nicht einfach, einen Teil nach Hause zu schicken“, sagt Pinnow. Doch das seien eben die aktuellen Vorgaben.

Trauerfeiern dürfen in Remscheid nur unter freiem Himmel stattfinden

Die gibt es nicht nur mit Blick auf die erlaubte Personenanzahl. So dürfen Trauerfeiern nur unter freiem Himmel stattfinden. Der Sarg muss bereits vor Beginn am Grab stehen. „Wir sind dankbar, dass wir uns mit den Trauernden vor der Kapelle treffen dürfen, wo man ein Foto des Verstorbenen oder Blumenschmuck aufstellen kann. Das ist ein kleiner Startpunkt“, sagt Jürgen Behr. Der Pfarrer gehört zum Pastoralteam der katholischen Gemeinde St. Bonaventura. Er und seine Kollegen seien darauf bedacht, weiterhin so viele Riten wie möglich aufrechtzuerhalten, die das Trauern erleichtern.

Seine evangelische Kollegin Kristiane Voll verweist auf den Wert des Trauerns in Gemeinschaft. Nicht gemeinsam von einem geliebten Menschen Abschied nehmen zu können, sei für viele Menschen ein harter Schlag. Mit Gesprächen und intensiver Seelsorge versuchen die Geistlichen, dieses Loch in den kommenden Wochen und Monaten zu stopfen.

Remscheid: Zusammenzukommen zu einem späteren Zeitpunkt möglich  

Außerdem wollen es die Stadt und die beiden Kirchen auf Wunsch möglich machen, zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal auf dem Friedhof zusammenzukommen, um in einem größeren Rahmen an der verstorbenen Menschen zu gedenken.

Bis es soweit ist, versuchen die Beteiligten, das Beste aus der Situation zu machen. „Wir zelebrieren sehr ausgiebig am Grab“, sagt Sonja Gröne. Zudem werde die Grabstelle aufwendiger dekoriert und versucht, eine Musikanlage als Ersatz für die Orgel anzubieten.

Und auch für diejenigen, die nicht vor Ort sein dürfen, gibt es eine Lösung. „Auf Wunsch halten wir die Zeremonie auf Video fest“, erklärt Gröne. Für Freitag war sogar eine Beisetzung angekündigt, die Verwandte des Verstorbenen per Videochat live verfolgt haben.

BESTATTUNG

ISLAM Auch muslimische Bestattungen sind von den Vorgaben betroffen. Sie können laut Stadt weiterhin ohne Sarg erfolgen, wenn mit der Todesbescheinigung nachgewiesen wird, dass der Verstorbene nicht an einer meldepflichtigen Krankheit – insbesondere Covid-19 – erkrankt war.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Corona-Virus lesen Sie in unserem Live-Blog.

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