Sicherheit nicht mehr gewährleistet

Die Deutsche Bahn will in Remscheid Gefahrenbäume entfernen

An der Böschung ist die Sicherheit der Gehölze nicht mehr gewährleistet: Die Deutsche Bahn wird deshalb an der Brücke Lenneper Straße Gefahrenbäume entfernen. Foto: Roland Keusch
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An der Böschung ist die Sicherheit der Gehölze nicht mehr gewährleistet: Die Deutsche Bahn wird deshalb an der Brücke Lenneper Straße Gefahrenbäume entfernen.

Ende Februar wird an der Brücke Lenneper Straße auf 500 Meter Länge Vegetation zurückgeschnitten. Auch 45 geschützte Bäume sind dabei betroffen.

  • Selbst 45 geschützte Bäume sollen in Remscheid fallen.
  • DB führt zwischen Oktober und Februar sogenannte Vegetationsrückschnitte entlang ihrer Gleise durch.
  • Punktuell sei mit Lärmbelästigung zu rechnen.

Von Andreas Weber

Remscheid. In der Nacht des 13. Februar 2007 gegen 4.10 Uhr verunglückte ein dreiteiliger Triebwagen der Deutschen Bahn (DB) in Lüttringhausen-Garschagen. Der erste Waggon entgleiste und bohrte sich in die Böschung. Die Betriebsfahrt endete für die drei Eisenbahner im Krankenhaus: Zwei wurden schwer verletzt, nachdem der ansonsten leere Zug in der Dunkelheit ungebremst auf einen Baum geprallt war.

Remscheid: Viel Fläche entlang des Schienennetzes gehört der Deutschen Bahn

Aufgrund des stark aufgeweichten Bodens und stürmischen Windes hatte es das Gehölz aus seinen Wurzeln gerissen und quer über die Schienen gelegt. Der Baum stand in einem Naturschutzgebiet und war in Privatbesitz. Viel Fläche entlang des Schienennetzes gehört aber auch der Deutschen Bahn. Um solchen Unglücken wie vor 13 Jahren in Lüttringhausen vorzubeugen, führt die DB in ganz Deutschland seit 2007 zwischen Oktober und Februar sogenannte Vegetationsrückschnitte entlang ihrer Gleise durch. Dieses Jahr erfolgt eine größere Maßnahme an der Lenneper Straße. Auf 500 Meter Länge werden vom 23. bis 27. Februar auf beiden Seiten der Eisenbahnbrücke 310 Gehölze entfernt. „Darunter sind 45 Bäume, die unter die Schutzsatzung fallen wie Robinien, Ahorn und Eiche“, erläuterte Frank Stiller (Untere Naturschutzbehörde) in der Bezirksvertretung Süd.

Die Fällaktion der DB kurz vor Beginn der Schonfrist für Gehölze, die ab März bis Ende September gilt, sei alternativlos, betonte Stiller. Das Umweltamt hat deshalb grünes Licht gegeben. Die Böschung in Höhe des Abzweigs Breslauer Straße zähle zu den höchsten in Remscheid, berichtete Stiller, vor allem sei das Gelände dort instabil. „Die Hangsicherung hat Priorität“, meinte Frank Stiller.

Beeinträchtigungen auf der S7 -Strecke zwischen Remscheid und Lennep soll es nicht geben

Der Rückschnitt wird an den fünf Tagen jeweils zwischen 23 und 5 Uhr morgens erfolgen. „Punktuell ist mit Lärmbelästigung zu rechnen“, kündigt die Bahn ihre „maschinellen Vegetationspflegearbeiten“ an. Die Anwohner wurden mit einem Flyer informiert. Beeinträchtigungen auf der S7 -Strecke zwischen Hauptbahnhof und Lennep wird es nicht geben.

Das Konzept des Vegetationsrückschnittes folge „guter forstwirtschaftlicher Praxis“, teilt eine Bahnsprecherin in Düsseldorf mit. Belange des Natur- und Umweltschutzes würden dabei umfassend berücksichtigt. Die Bahn teilt die Arbeiten grob in zwei Bereiche: In einer Rückschnittszone, die von der Gleismitte aus gesehen mindestens sechs Meter weit nach links und rechts reicht, werden Pflanzen und Bäume einmal im Jahr bodentief zurückgeschnitten. Über die sechs Meter hinaus existiert eine Stabilisierungszone, bei der die Inspektoren schauen, welche Bäume störanfällig oder krank sind, um sie bei Bedarf zu entfernen.

Remscheid: Kein Ausgleich für entferntes Grün geplant

Weil umgestürzte Bäume auf Gleisen, Äste in den Oberleitungen und abrutschende Erde durch Starkregen ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen, macht sich die Bahn mit Millionenaufwand sturmsicherer. „Für die Inspektion sind ab 2018 noch mehr Fahrwegpfleger und Förster im Einsatz. Ihre Aufgabe ist es, in der Stabilisierungszone – außerhalb des Sechs-Meter-Raums – Bäume und weitere Pflanzen zu identifizieren, die durch Standort, Zustand oder Form eine mögliche Störungsquelle darstellen könnten“, heißt es bei der Bahn. Der Baumbestand wird dabei durch die Fachleute eingehend inspiziert, digital katalogisiert und ausgewertet. Diese Daten bilden die Grundlage für eine zielgerichtete Vegetationsentwicklung entlang der Bahngleise.

In der Bezirksvertretung fragte Vorsitzender Stefan Grote (SPD), ob es einen Ausgleich für das entfernte Grün geben werde. Dies ist nicht der Fall, antwortete Stiller. Die Bahn ist dazu – weil es hier um Sicherheit geht – nicht verpflichtet. 

VEGETATIONSPROGRAMM

BAHN  2016 reagierte die Bahn im Rahmen ihrer Qualitätsoffensive „Zukunft Bahn“ auf Sperrungen durch unwetterbedingt umgestürzte Bäume mit einem erweiterten Vegetationsprogramm. An Hot-Spots werden Bäume auch außerhalb des 6-Meter-Bereichs im V-Schnitt gefällt. Für das auf zwei Jahre ausgelegte Programm standen 16 Millionen Euro zur Verfügung. Nach 2018 wurde es ausgeweitet.

STANDPUNKT: Keine Kompromisse

Von Andreas Weber

Die Deutsche Bahn AG zählt zu den größten Waldbesitzern Deutschlands. Rund 20 000 Hektar nennt sie ihr eigen. Es sind Flächen, die intensiv gepflegt werden müssen. Die meist vielen hundert Kilometer langen, aber schmalen Streifen entlang des bundesweiten Schienennetzes entscheiden über Menschenleben, Einschränkungen und Ausfälle im Fahrbetrieb. Extremwetter nehmen zu, Starkregen, Stürme oder Schneemassen legen Gleise und Zugverkehr lahm. 

Die Bahn hat deshalb ein Vegetationsmangement eingeführt, für das mittlerweile mehr als 1000 Mitarbeiter im Einsatz sind. Was entlang der Gleise als nicht standsicher eingestuft wird, muss zurückgeschnitten oder gefällt werden. Immer wieder gibt es Beschwerden, weil auf diese Weise Natur verschwindet, aber für die Sicherheit der Fahrgäste und des Personals ist eine freie Wegstrecke einfach unerlässlich. Kompromisse kann es da nicht geben. 

Bis zu 300 Bäume haben Sturmtief Sabine nicht heil überstanden. Das Forstamt hat in den Parks und im Wald mit den Aufräumarbeiten begonnen. Die mehr als 13.000 Bäume entlang der Remscheider Straßen und in den Grünanlagen haben mächtigen Durst. Jeder einzelne von ihnen braucht je nach Größe mehrere hundert bis tausend Liter Wasser pro Tag.

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