Mein Leben als Papa

Alltag zwischen Spiderman und Bügelperlen

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Michel genießt den Wald.

RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg schreibt heute über das Leben im Lockdown mit Hannes (5) und Michel (2).

Von Gunnar Freudenberg

Dieser Winter-Lockdown kann wirklich an den Nerven zerren. Draußen ist es meist usselig, und es gibt nur wenig, mit dem man sich ablenken kann. Hannes und Michel, die noch nicht zur Schule gehen und im Moment auch nicht in den Kindergarten oder zur Spielgruppe können, wollen beschäftigt sein. Oft gelingt ihnen das alleine schon ziemlich gut. Aber manchmal braucht es natürlich auch die eine oder andere Idee, um die Tage für alle nicht zu lang werden zu lassen. . .

Es lebe der Sport:

Es ist zum Ritual geworden: Jeden Abend kontrolliert Hannes auf meiner Fitness-App die Anzahl meiner Schritte, die ich am Tag gemacht habe. Und wenn ich arbeiten muss, sind das viel zu wenige. „Nur 700, Papa. Mama hatte mehr als 6000“, redet mir Hannes ins Gewissen. Deshalb machen wir jetzt morgens zusammen Sport: Spiderman-Workout bei Youtube. Das ist im Prinzip nichts anderes als die Telegymnastik, die man noch aus den 80er Jahren vor Augen hat. Nur in cool.

Ein Mann in Spiderman-Kostüm statt in engen Leggings macht die Fitnessübungen vor; es gibt Punkte, wenn man sie geschafft hat. Bei Hannes und Michel ist der Ehrgeiz geweckt.

Papa wird zum Spiderman

Auch wenn ich feststelle, dass mir Liegestütze früher wesentlich leichter fielen, bin ich hinterher verschwitzt, aber glücklicher. Hannes und Michel geht es genauso. Das Dumme nur: Mein Handy liegt während der Übungen auf dem Tisch. Und abends hab ich schon wieder nicht mehr als 700 Schritte gemacht.

Nur für die Kinder geeignet ist das Boxset für Kinder, das wir – wie fast alle befreundeten Familien mit kleinen Kindern – neulich im Discounter erstanden haben.

Zum Dampfablassen. Hannes nutzt den Punchingball schon ganz gut und haut ordentlich drauf. Michel mag das neue Sportgerät auch, nutzt es aber auf seine Art. „Boxi, Boxi“ trällernd, stellt er sich davor und schubst ihn sanft hin und her. Nicht jeder kann zum Muhammad Ali geboren sein. Rollschuhlaufen ist schon eher Michels Ding. Weil Eislaufen nirgendwo möglich ist, werden eben Roll- statt Schlittschuhe angezogen, und unser Wohnzimmer wird zur Bühne von Starlight Express. Mit Michel als Dampflok Rusty und Hannes als E-Lok Electra.

Raus an die Luft:

Zeit, die man im Wald verbringt, ist nie verschwendete Zeit. Zum Glück lieben Hannes und Michel den Wald und brauchen dort kein besonderes Programm. Manchmal ist ein Besuch im Wald aber zeitlich nicht drin, dann reicht auch eine Viertelstunde im Dauerregen vor der Tür. Pfützenspringen ist nicht nur ein Hobby von Peppa Wutz. Dass man das Halteverbotsschild auch als Feuerwehrrutschstange benutzen kann, hat Hannes alleine herausgefunden und perfektioniert. Und Michel geht fast nie in den Garten, ohne unter die schweren Steinplatten zu gucken. Irgendwas krabbelt da schließlich immer. Sehr viel Spaß für sehr kleines Geld machen auch die Fallschirmspringer, die in die Luft geschmissen werden und dann im besten Fall sanft zu Boden gleiten. Die kann man auch ganz einfach beim Spazierengehen in die Tasche stecken. Der beste Spaziergang im Lockdown führte übrigens nicht in den Wald, sondern auf die Wuppertaler Sambatrasse. Ein gar nicht mal so kleiner Teil der Trasse führt nämlich über eine Brücke durch den Zoo. Löwen, Tiger, Zebras und Weihnachtsbäume fressende Elefanten waren wirklich eine willkommene Abwechslung.

Irgendwas mit Medien:

So ehrlich muss man sein: Ohne Fernsehen guckt man mit Kindern jetzt manchmal ziemlich doof aus der Holzeisenbahn. Aber es gibt ja wirklich auch schöne Formate. „Pia und die wilde Natur“ zum Beispiel. In dieser Reihe geht es etwa um die Frage, welche Rolle der Wattwurm für das Wattenmeer spielt oder aus welchem Grund der Alpensalamander schwarz ist. Um das herauszufinden, muss Pia spannende Aufgaben lösen. Wirklich schön gemacht.

Musikalisch steht zumindest bei den Jungs und mir gerade Dikka ganz oben auf der Liste. Das rappende Rhinozeros macht Hip-Hop für Kinder – mit Gastsängern wie Mark Forster. Kann man wirklich gut hören und nervt (mich) nicht so schnell. „Superpapa“ ist mein Lieblingslied, Hannes und Michel stehen eher auf „Irgendwann ist alles Kacka“.

Die letzten Bücher aus der Bibliothek haben wir im November geliehen. Zum Glück gibt es über die „Onleihe“ frischen Lesestoff oder Hörbücher aufs Smartphone. Da zieh sich Hannes gerne mal zurück in sein Zimmer, setzt sich Kopfhörer auf und ist in einer anderen Welt.

Spielen, basteln, backen:

80 Euro haben wir irgendwann mal für gebrauchte Spielsachen von Feuerwehrmann Sam ausgegeben. Gut angelegtes Geld! Denn es gibt keinen Tag ohne Feuerwehreinsätze in der Wohnung.

Mit Mama basteln die Jungs die besten Sachen.

Sind sie gut drauf, können Hannes und Michel stundenlang zusammenspielen. „Habt ihr einen Notfall?“, fragen sie uns zwischendurch – und wir müssen uns etwas einfallen lassen. Wer nicht schon alles aus unserem Bidet gerettet werden musste. . . 

Beim Basteln bin ich raus. Das geht nur mit Mama, wenn es gut werden soll. Eine Unterwasser-Welt und eine Baustelle entstanden so schon mit Schuhkartons und Klorollen. Ich bin höchstens beim Ausmalen von Fensterbildern eine Hilfe. Oder beim Stecken von Bügelperlen und beim Prickeln.

Das hat so eine beruhigende Wirkung. Am meisten schätze ich es aber, wenn die Jungs mit der Mama backen und mich zum Verzehren ins Wohnzimmer rufen. Ich weiß ja: Spiderman sorgt am nächsten Morgen dafür, dass die Pfunde wieder purzeln.

Ihre Tipps

Haben auch Sie Tipps für Familien, wie man die Zeit mit Kindern im Lockdown abwechslungsreicher gestalten kann? Dann schreiben Sie uns doch Ihre Ideen – und wir veröffentlichen diese dann auf unserer Seite „Familienzeit“. Gerne können Sie auch ein Foto mitschicken. Am besten schreiben Sie uns eine E-Mail mit dem Betreff „Spieletipps“ an:

redaktion@rga-online.de

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