Coronavirus

Alles auf Null: Eine Stadt steht still

Sonntagmittag bei gutem Wetter – und trotzdem ist die Konrad-Adenauer-Straße im Herzen Remscheids wie leer gefegt. Das Leben in der Stadt hat spürbar abgenommen. Dafür waren Outdoor-Attraktionen wie der Brückenpark in Müngsten teilweise sehr gut besucht. Foto: Michael Schütz
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Sonntagmittag bei gutem Wetter – und trotzdem ist die Konrad-Adenauer-Straße im Herzen Remscheids wie leer gefegt. Das Leben in der Stadt hat spürbar abgenommen. Dafür waren Outdoor-Attraktionen wie der Brückenpark in Müngsten teilweise sehr gut besucht.

Ab Montag sind Kitas und Schulen geschlossen. Der Krisenstab berät, ob weitere Schritte nötig sind.

  • Oberbürgermeister wendet sich per Video-Ansprache an die Remscheider.
  • Die Stadt richtet eine Hotline im Seniorenbüro ein. 
  • Krisenstab berät am Montag über weitere Maßnahmen.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Angesichts der aktuellen Krise hat Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz zu Zusammenhalt und Solidarität unter den Remscheidern aufgerufen. Die Stadt werde alles tun, um die Situation zu meistern, sagte der OB in einer als Video verbreiteten Ansprache. „Aber gerade jetzt ist eine Situation eingetreten, in der es vielleicht ratsam ist, selber mal zu schauen, wie es dem Nachbarn nebenan geht. Schellen Sie an und fragen Sie: Wie geht es Ihnen? Können wir was tun?“

Derweil sorgt das Coronavirus für weitere Absagen und Einschränkungen. Die Stadt wirkt stellenweise wie leer gefegt. Nach der Ankündigung am Freitag, dass landesweit Schulen und Kindergärten schließen müssen, hatte die Stadt öffentliche Veranstaltungen unabhängig von der Teilnehmerzahl abgesagt und alle städtischen Kulturbetriebe sowie die Bäder geschlossen. Daraufhin stellten viele Vereine ihren Proben- und Trainingsbetrieb ein. Die Kirchen sagten ihre Gottesdienste ab. Alles, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen.

Per Video-Ansprache wandte sich Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz an die Remscheider. Screenshot

Neben dem Bürgertelefon für allgemeine Fragen rund um Corona (Tel. 16 20 00) hat die Stadt eine weitere Hotline im Seniorenbüro eingerichtet. Unter Tel. 464 53 51 gibt es Infos für ältere Bürger und andere, die zur Risikogruppe gehören. „Wir haben eine Erreichbarkeit auch am Wochenende sicher gestellt“, berichtet Carsten Thies, Fachbereichsleiter Soziales und Wohnen bei der Stadtverwaltung. Neben Informationen zum richtigen Verhalten („Möglichst zuhause bleiben und sich von Freunden und Nachbarn mit Lebensmitteln versorgen lassen“) gibt es dort auch praktische Hilfe: „Wir sind gerade dabei, eine Liste von Supermärkten zusammenzustellen, die nach Hause liefern.“ Außerdem dürften sich im Seniorenbüro auch Menschen melden, die ihren Mitbürgern helfen wollen, zum Beispiel bei Besorgungen.

Remscheid: Die Kinderbetreuung ist für Schlüsselpersonen sichergestellt

Für die Kinderbetreuung für sogenannte Schlüsselpersonen sind zudem nun die Regeln bekannt – ein entsprechender Erlass der Landesregierung erreichte die Verwaltung am Samstagabend. Wie berichtet, werden die an sich geschlossenen Kitas die Betreuung von Kindern aufrecht erhalten, wenn deren Eltern zum Beispiel Ärzte, Feuerwehrleute oder Polizisten sind. Für alle anderen wurde ein sogenanntes „Betretungsverbot“ erlassen, das bis zum 19. April gilt.

„Es werden ausschließlich Kinder betreut, deren Eltern beruflich aktiv eine sogenannte Schlüsselposition wahrnehmen“, teilt die Stadt mit. Die Schlüsselperson muss alleinerziehend sein oder es müssen beide Eltern entsprechend tätig sein. Nachgewiesen werden muss das über eine Arbeitgeberbescheinigung, die bis Mittwoch eingereicht werden muss (Link zum Formular: https://bit.ly/2vrVvIq).

Coronavirus: Remscheider Krisenstab tritt am Montag erneut zusammen

Die Schulen öffnen nur Montag und Dienstag für jene, die „absolut keine alternative Betreuungsmöglichkeit haben“. Noch wartet die Stadt auf den Erlass des Landes für die Zeit ab Mittwoch. Sicher sei: Eine Notbetreuung gibt es ausschließlich für Erst- bis Sechstklässler, deren Eltern „Schlüsselpersonen“ sind.

Der Krisenstab tritt an diesem Montag wieder zusammen. Auch um über weitere Maßnahmen zu beraten. Dabei sollen Beobachtungen, zum Beispiel des Kommunalen Ordnungsdienstes, einfließen. Dazu gehört dann sicherlich auch, dass viele Fitnessstudios unverändert geöffnet haben. Oder dass am Sonntag Outdoor-Attraktionen wie der Brückenpark Müngsten äußerst gut besucht war. „Wenn wir feststellen, dass die Leute sich nicht an die Vorgaben halten, werden wir das Maßnahmenpaket gegebenenfalls ausweiten müssen“, sagt Stadtsprecherin Viola Juric. Derweil macht der OB den Remscheidern Mut: „So schwierig wie die Situation auch ist, ich glaube, dass wir da gemeinsam gut durchkommen und auch gestärkt durchkommen.“

Die Ausbreitung des Virus`hat Folgen für die lokale Wirtschaft: Gastronomen, Taxifahrer, Künstler und viele andere leiden unter dem Coronavirus. Die Krise ist in der Nachbarschaft angekommen.

Bereits am Donnerstag hatte der Corona-Krisenstab die Hilda-Heinemann-Schule geschlossen. Der Anlass: Wie berichtet, war in der vergangenen Woche eine Reisegruppe aus dem Nahen Osten nach Remscheid zurückgekehrt. Vier Reisende hatten sich mit dem Coronavirus infiziert.

Die aktuellen Entwicklungen rund um das Coronavirus gibt es im Live-Blog.

COVID-19

FÄLLE Die Zahl der an Covid-19 Erkrankten in Remscheid ist am Sonntag auf acht gestiegen. Soweit bekannt, verläuft die Krankheit bei allen Betroffenen bisher eher mild, zudem stehen alle unter häuslicher Quarantäne. Deutlich gestiegen ist unterdessen die Zahl der Verdachtsfälle, von denen Abstriche genommen wurden. Die Ergebnisse liegen aber noch nicht alle vor.

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