Alleestraße

Wirt von Pommes & Friends muss sein Zelt abbauen

Özgür Alagöz muss sein Zelt abbauen. Der Pommes- und Friends-Betreiber sucht nun Alternativen. Fotos: Frank Michalczak
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Özgür Alagöz muss sein Zelt abbauen. Der Pommes & Friends-Betreiber sucht nun Alternativen.

Gestaltungshandbuch hat Folgen für Pommes & Friends: Betreiber Özgür Alagöz muss investieren. Innenstadtmanager Jonas Reimann gibt Rat.

  • Betreiber von Pommes & Friends befürchtet für seinen Imbiss in Remscheid auf der Alleestraße massive Umsatzverluste.
  • Stadtrat von Remscheid hatte 2018 ein Gestaltungshandbuch verabschiedet, um Ordnung in die Innenstadt zu bringen.
  • Sonnenschirme dürfen auf der Alleestraße aufgestellt werden.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Die obere Alleestraße verliert eine überdachte Verweilmöglichkeit: Özgür Alagöz, Betreiber von Pommes & Friends, muss sein Zelt abbauen. Es entspricht nicht den Vorgaben, die im Gestaltungshandbuch der Stadt Remscheid festgeschrieben sind. So wie sein Kollege Hans Wiemer, der „Beim Hennes“ Currywurst und Co. anbietet, steht Özgür Alagöz nun vor der Frage, wie es mit seinem Geschäft weitergehen soll. Dass sein Zelt längst in die Jahre gekommen ist, weiß der Gastwirt. „Mir gefällt es ja selber nicht mehr“, sagt Özgür Alagöz. Die Konstruktion ist zwar nicht schön, dafür aber praktisch, schützt sie doch seine Gäste vor Wind und Regen. Er fürchtet daher massive Umsatzverluste, wenn es verschwunden ist.

Der Remscheider Stadtrat hatte 2018 das Gestaltungshandbuch verabschiedet, um Ordnung in die Innenstadt zu bringen. Wildwuchs von Leuchtreklame und Slalomtouren zwischen Aufstellern und Warenauslagen auf der Allee wollten die Politiker damit unterbinden. Als störend wurden dabei auch Zelte eingestuft. Nun beginnt das Ordnungsamt die Vorgaben umzusetzen, was auch Folgen für die Imbissbetreiber hat.

Remscheid: Windschutz aus Glas ist möglich, ein Zelt auf der Alleestraße ist verboten

Ihnen und allen anderen Geschäftsleuten an der Allee steht Innenstadtmanager Jonas Reimann auf Wunsch mit Rat zur Seite. Er begleitet im Auftrag der Verwaltung den Modernisierungsprozess der Innenstadt. Schaltzentrale dazu ist sein Büro im Haus Markt 13.

Innenstadtmanager Jonas Reimann berät Özgür Alagöz in seinem Büro, Markt 13.

Für die betroffenen Gastronomen hat er eine gute Nachricht: Es gebe Alternativen zu ihren Zelten. Allerdings sei damit eine hohe Investition verbunden. „Möglich ist zum Beispiel ein transparenter Windschutz aus Glas, etwa in einer Höhe von 1,50 Meter. Und auch Sonnenschirme dürfen aufgestellt werden“, klärt er auf. Es könnten eine Anschaffung sein, die sich für den Wirt lohnt. „Denn das Zelt wirkt wie eine Barriere. Dass sich dahinter der Imbiss befindet, ist aus Richtung Stadtsparkasse nicht sichtbar“, beschreibt Reimann die aktuelle Situation.

Das Handbuch bietet Geschäftsleuten an der Alleestraße in Remscheid Spielräume

Grundsätzlich biete das Gestaltungshandbuch Spielräume. Bei den Sitzgelegenheiten hätten die Gastronomen die Wahl zwischen Holz, Metall oder hochwertigem Kunststoff. „Untersagt sind hingegen billige Campingstühle“, hebt Reimann hervor. Und bei den Sonnenschirmen gebe es Modelle, die sich zusammenschieben lassen, um den Gästen Schutz zu gewähren. Eine Überdachung, wie in einem Zelt, sei jedoch nicht mehr gestattet. „Mit den Schirmen können sie aber besser auf die jeweilige Witterung reagieren. Wer sitzt im Sommer schon gern im Zelt?“, erklärt Jonas Reimann. Wenn da nicht der Winter wäre, entgegnet Alagöz, der seit dem Jahr 2000 an der Alleestraße in Remscheid arbeitet. „Zwischen Oktober und März scheint doch kaum die Sonne“, hat er seitdem beobachtet.

Und genau für diese Zeit sieht er seine Umsätze gefährdet, wobei er sich bereit zeigt, auf der Allee zu investieren. „Ich will hier etwas Schönes für die Stadt schaffen“, kündigt Alagöz an. Wie das Schöne aber aussieht, das müsse er unbedingt mit der Ordnungsbehörde besprechen, empfiehlt Reimann. „Denn es wäre nicht sinnvoll, wenn er etwas anschafft und es hinterher nicht aufstellen darf.“ 

Beratung durch die Stadt Remscheid

AUFGABE Das Innenstadtmanagement hat die Aufgabe, die Stadt Remscheid bei der Umsetzung des Revitalisierungskonzepts der Alleestraße zu unterstützen. Die Mitarbeiter Jonas Reimann und Christian Wlost informieren und beraten als Dienstleister Gewerbetreibende oder auch Anwohner zu Konzepten und Projekten. Kontakt, Tel. 46 44 890.

Standpunkt: Störfaktoren beseitigen

Kommentar von Frank Michalczak

frank.michalczak @rga-online.de

Als der Stadtrat das Gestaltungshandbuch für die Innenstadt verabschiedete, geschah dies weitgehend geräuschlos. Eine Kontroverse in der Kommunalpolitik gab es zu diesem Thema nicht. Kein Wunder: Die Folgen für die Alleestraße werden erst jetzt, bei der Umsetzung des Beschlusses, sichtbar: Zeitungsständer müssen weg, basarähnliche Auslagen verschwinden, Zelte werden abgebaut. Ist das ein Eingriff in die unternehmerische Freiheit? Ja, dem ist so. Aber dies macht in diesem Fall Sinn.

Ziel muss es sein, Ordnung und Übersicht in der Einkaufsmeile zu schaffen. Denn Fahnen, Dreiecksständer und Leuchtreklamen sorgen nicht für Aufenthaltsqualität und sind Störfaktoren in der Fußgängerzone. Klar ist, dass der Niedergang der Allee durch deren Beseitigung nicht gestoppt wird. Mehr Ordnung kann aber ein Rezept sein, dass sich die Menschen auf der Allee wieder wohler fühlen. 

Kurz vor Weihnachten bekam Hans Wiemer Post von der Stadt: Das Zelt vor seinem Imbiss „Beim Hennes“ auf der Alleestraße muss weg. Die zur Rewe-Gruppe gehörende Discounter-Kette Penny plant eine Filiale neben dem Adler-Modemarkt auf der oberen Alleestraße.

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