RGA vor Ort

Allee: Ohne die Eigentümer geht es nicht

Stadtplaner Thorsten Schauz (Mi.) stellte sich den Fragen des RGA-Lokalchefs Axel Richter (r.). Online-Redakteur Andreas Kratz behielt die Diskussion bei Facebook im Blick. Foto: Roland Keusch
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Stadtplaner Thorsten Schauz (Mi.) stellte sich den Fragen des RGA-Lokalchefs Axel Richter (r.). Online-Redakteur Andreas Kratz behielt die Diskussion bei Facebook im Blick. 

Im RGA-Online-Gespräch: Stadtplaner Thorsten Schauz äußert sich zur Zukunft der Remscheider Einkaufsstraße.

Von Manuel Böhnke

Remscheid. Auf die beiden Hoffnungsschimmer in Alt-Remscheid, die Alte Bismarck- und die Hindenburgstraße, hat der RGA in seiner diesjährigen Stadtteilserie bereits geblickt. Gestern widmete sich der Tüpitter dem Sorgenkind: der Alleestraße. Thorsten Schauz vom Planungsbüro Stadtguut stellte sich den Fragen von RGA-Lokalchef Axel Richter. Das Gespräch wurde live auf der RGA-Facebook-Seite übertragen.

Welche Rolle spielt Stadtguut bei der Zukunft der Alleestraße?

Das Planungsbüro mit Sitz in Bochum unterstützt die Stadt in Zusammenarbeit mit der Dortmunder Firma Stadtraumkonzept bei der Revitalisierung der Alleestraße. Etwa die Hälfte der Arbeit sei geschafft, erklärte Schauz. Die Experten erstellen eine Voruntersuchung und einen Rahmenplan, die als Grundlage für eine Sanierungssatzung dienen sollen. Eine wichtige Rolle dabei spielt die Beteiligung der Remscheider. Im Netz konnten sie die bisherigen Ideen bewerten und diskutieren.

Was waren die Ergebnisse der Online-Befragung?

Rund 330 Remscheider haben im Netz über sechs Thesen diskutiert. Eine davon war: „Es bedarf weiterer gastronomischer Angebote und Möglichkeiten für Freizeitaktivitäten.“ 95 Prozent stimmten dieser Aussage zu. Außerdem ging es um die Öffnung der Alleestraße für den Autoverkehr. Diesen Schritt bewertete eine Mehrheit eher kritisch. Auch Schauz sagte: „Verkehr hilft nicht, auch nicht dem Handel.“ Zudem konnten die Remscheider über drei Zukunftsbilder für die Allee abstimmen. Diese Möglichkeit haben knapp 240 Leute genutzt. Mit der Resonanz zeigte sich Schauz zufrieden: „Über das Online-Portal haben wir mehr Menschen erreicht, als wir bei einer Bürgerwerkstatt erreicht hätten.“

Hat die Alleestraße eine Zukunft als Einkaufsstraße?

Bei der Online-Befragung haben die Planer auch die These formuliert, dass die Alleestraße zukünftig nicht mehr in voller Länge als Einkaufsstraße fungieren wird. Dem haben 80 Prozent der Beteiligten zugestimmt. „Das ist auch unsere Meinung. Auch jenseits von Corona ist der Einzelhandel im Rückwärtsgang“, betonte Schauz. Durch die Pandemie verstärke sich die Tendenz noch. Trotzdem vermutet der 48-Jährige, dass der Handel nicht von der Allee verschwindet. Vielmehr sei mit einer Konzentration auf bestimmte Abschnitte – etwa um das Allee-Center herum – zu rechnen. Das allerdings in die Köpfe der Eigentümer, Bewohner, Geschäftstreibenden und Nutzer zu bekommen, sei schwierig: „Wir sind Innenstädte voll mit Geschäften gewohnt.“

Welche Stärken und Schwächen hat die Alleestraße?

Pluspunkte der Einkaufsstraße seien ihre Erreichbarkeit und das gute Parkplatzangebot. Zudem bedürfe der öffentliche Raum keiner großen Umgestaltung. Schwächen sind dem Stadtplaner zufolge unter anderem die monothematische Nutzung und das zum Teil wenig einladende Umfeld.

Welche Rolle haben die Eigentümer bei der Zukunft der Allee?

Gleich in mehrfacher Hinsicht kommt den Immobilieneigentümern an der Alleestraße eine wichtige Rolle zu. Sie sind es, die ihre Gebäude mit Investitionen zukunftssicher machen müssen. „Wir brauchen Akteure, die an den Standort und an eine gute Idee glauben“, betonte Schauz. Insbesondere mit Blick auf ehemalige Kaufhaus-Standorte wie Sinn-Leffers oder Woolworth sei Bewegung wichtig. Dabei handele es sich um „Schlüsselobjekte“: „Es braucht ein erstes, großes Projekt, am besten an der unteren Allee.“ Außerdem müssen sich die Eigentümer Gedanken machen, ob ihre Mietforderungen noch zeitgemäß sind. Schauz bezweifelte das. Das zu erkennen, sei ein „bitterer Prozess“.

Wie könnte eine neue Nutzung der Alleestraße aussehen?

Der Stadtplaner skizzierte die Idee eines „Remscheid Labs“. Das könnte neben einer Außenstelle der Stadtbibliothek etwa eine Kita, einen Bürgersaal und Gastronomie beheimaten. „Das wäre ein neuer Magnet für die untere Alleestraße.“ Denkbar sei auch ein Gesundheitshaus mit Ärzten und Physiotherapeuten.

Wie geht es nun weiter?

Im nächsten Schritt möchten die Experten einen Rahmenplan erstellen, der etwa konkrete Aussagen zu Immobilien und deren möglichen Nutzung enthält. Im Oktober soll wieder eine Bürgerwerkstatt stattfinden – sofern die Corona-Pandemie es zulässt. Ansonsten soll das Angebot online stattfinden. Auf die Frage, wann es an der Allee erste sichtbare Veränderungen geben könnte, wollte sich Schauz nicht festlegen.

Zur Person

Seit 2020 arbeitet Thorsten Schauz für das Planungsbüro Stadtguut. Nach seinem Studium der Architektur war der Diplom-Ingenieur unter anderem bei den Dortmunder Büros Stadtidee sowie Schulten Stadt- und Raumentwicklung tätig. Daneben forschte und lehrte der 48-Jährige an verschiedenen Hochschulen in NRW.

www.stadtguut.de

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